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Besondere Auszeichnung für Winzer Marcel Schulze Besondere Auszeichnung für Winzer Marcel Schulze: Döschwitzer Wein ist der beste Deutschlands

Von Yvette Meinhardt 05.11.2015, 11:47
Zwölf Weine des Döschwitzer Winzers Marcel Schulze wurden mit Medaillen veredelt. In Summe gab es dann dafür mit dem Bundesehrenpreis erneut eine besondere Ehrung.
Zwölf Weine des Döschwitzer Winzers Marcel Schulze wurden mit Medaillen veredelt. In Summe gab es dann dafür mit dem Bundesehrenpreis erneut eine besondere Ehrung. Hartmut Krimmer Lizenz

Döschwitz - Ein intensiver Duft steigt dem Besucher im Döschwitzer Weinkeller in die Nase, in riesigen Stahltanks blubbert und brodelt es. Die aktuelle Weinlese ist beendet. „Es ist eine außerordentlich gute Ernte in diesem Jahr“, sagt Winzer Marcel Schulze. Und er muss es ja wissen. Zum vierten Mal in Folge gewann der 38-Jährige aus Döschwitz den Bundesehrenpreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Eine besondere Leistung, die ihm so schnell keiner nachmacht. Doch in diesem Jahr gab es quasi als Zugabe eine Goldmedaille extra. „Unter insgesamt 50 vergebenen Goldmedaillen wurde der beste Wein gekürt, also der goldene unter den goldenen, und diese Auszeichnung habe ich überraschender Weise bekommen“, freut sich Schulze. Erst zum dritten Mal geht diese Prämierung in die Saale-Unstrut-Region.

Nur noch 100 Flaschen übrig

Es ist ein Silvaner Qualitätswein, halbtrocken aus dem Jahre 2014. Er kommt vom Freyburger Schweigenberg, einer der besten Lagen in der Region überhaupt. Dieser Weinberg wurde bereits 1936 angelegt und bepflanzt, jetzt hat Marcel Schulze rund 3.000 Quadratmeter davon gepachtet. Es ist ein Hang mit 30 Prozent Steillage, nahezu ideal für eine lange Sonneneinstrahlung. „Doch die Auszeichnung kommt für uns eigentlich zu spät“, sagt der Döschwitzer. Denn gerade mal 100 Flaschen des edlen Rebsaft gibt es derzeit noch. Ursprünglich waren es 800 Flaschen. „Der Rest ist ausverkauft, und das ist gut so“, sagt Schulze. Doch zum Feiern hat er keine Zeit.

Von Edeka auf die Weinberge

In den letzten acht Wochen hielt die kleine zehnköpfige Mannschaft die Weinlese auf Trab. „Unser Erfolgsgeheimnis: Wir ernten jeden Rebstock von Hand, in Hanglagen ist das nicht anders möglich. Doch zugleich bringt uns das eine außerordentlich gute Qualität, denn wir sortieren bei der Lese bereits die schlechten Trauben aus“, verrät Schulze. Der Erfolg gibt dem 38-Jährigen Recht, denn zur Bundesweinprämierung hat er 14 Weine eingereicht und davon erhielten zwölf Tropfen Edelmetall. Sein Lieblingswein „Solaris“ bekam dabei Silber und der Riesling halbtrocken zum Beispiel Bronze. „Manche Bewertung verstehe ich auch nicht, denn der Riesling hat bei der Landesweinprämierung Gold geholt und dieses Mal nur Bronze. Beim Silvaner war es umgedreht. Er hat im Land Silber geholt und bundesweit die besondere Goldmedaille“, nennt Schulze Einzelheiten. Für diese Unterschiede hat er selbst keine Erklärung. Muss er auch nicht, so sagt er, denn er ist eigentlich nicht vom Fach. Er absolvierte nämlich bei Edeka eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann. „Das hilft mir zum Beispiel im Verkauf und in der Buchhaltung“, sagt er. Das Wissen rund um den Wein holte er sich durch die Praxis. Mit dem Weinberg Kloster Posa fing alles an. Seine ersten Lese im Jahr 2002 brachte gerademal 3.000 Flaschen, im vergangenen Jahr waren es schon 100.000 Flaschen. Aus 20 verschiedenen Rebsorten entstehen zirka 50 verschiedene Weine. Solaris und Johanniter sind neue Rebsorten, die als sehr resistent gelten, und Schulze hält viel auf sie. „Man muss hier deutlich weniger spritzen, und Solaris gehört zu meinen persönlichen Favoriten“, sagt Schulze. Als Winzer ist er seinen Weg gegangen, denn inzwischen ist das Weingut Schulze bei regionalen Supermärkten wie Globus, Kaufland und Edeka gelistet. Zahlreiche Gaststätten und der Gastronomie Fachhandel haben den Wein ebenfalls im Angebot. Exotische Kunden kommen mittlerweile auch aus der Schweiz und aus Japan.

„Natürlich kommt uns die Lage direkt an der Bundesstraße zugute, andererseits fehlen uns dadurch Parkplätze“, sagt Schulze. „Ein Wein- oder Hoffest wird es nicht geben. Wir setzen auf den Tag des offenen Weinkellers. Da haben wir in diesem Jahr an einem einzigen Tag 4.000 Flaschen Wein verkauft.“ (mz)

Marcel Schulze beobachtet das Pressen des klassischen roten Spätburgunders.
Marcel Schulze beobachtet das Pressen des klassischen roten Spätburgunders.
Hartmut Krimmer Lizenz