Weihnachtsdekoration wird zur effektvollen Lichtshow
REINSDORF/MZ. - Und wer das Zauberhaus der Familie Lindemann nicht kennt, dem steht zunächst der Mund offen. Das funkelnde und blitzende Farbenspiel wirkt der Wirklichkeit seltsam entrückt. Lichterketten schlängeln sich vom Dach und rahmen die Konturen des Gebäudes wie ein Pfefferkuchenhäuschen ein. In dem kleinen Vorgarten studiert der Weihnachtsmann in seinem Rentierschlitten wohl gerade die Wünsche der Kinder. Büsche glitzern. Tiere und Fabelwesen schimmern. Laut schniefend ziehen zwei Gartenbahnen ihre Runden auf illuminierten Gleisen.
Der dreijährige Dominik aus Torgau stolziert fasziniert durch die schillernde Märchenwelt. Opa Klaus Bunde ist alle Jahre wieder beeindruckt, obwohl er als Reinsdorfer die Verwandlungskünste der Lindemanns längst zur Genüge kennt. "Das ist kein Kitsch. Das ist eine Attraktion für uns alle. Ich kann mich daran nicht satt sehen. Es ist unglaublich, was diese Familie für einen Mut und Tatendrang aufbringt", sagt er und fabuliert darüber, was der Spaß wohl an Energie verschlingen wird.
In der "Weihnachtsstube" des Einfamilienhauses - außerhalb der Adventszeit eher eine normale Diele - sitzt Uwe Lindemann und beobachtet durch die geschmückte Fensterscheibe den Menschenauflauf auf der Straße. Hin und wieder geht er hinaus, um unvorsichtige Kinder zur Besonnenheit zu mahnen, an den Wochenenden verteilt der gelernte Straßenbauer Süßigkeiten an die Stifte. Über Kosten spricht er lieber nicht, dafür umso mehr über Träume und Ideen. "Ich habe schon immer gern zu Weihnachten dekoriert", erzählt der 33-Jährige. Vater Otto geht es nicht anders. Beide bilden das kreative Gespann - nicht immer zur Freude der übrigen Familie. Wen wundert's? Drei Wochen benötigen sie, um die geschätzten 20 000 Lichter in Position zu bringen. Vor acht Jahren hatten sie ihr Haus erstmals in Szene gesetzt. Seitdem feilen sie am Profil und lassen sich ständig Variationen einfallen. Ein Ende kennen sie übrigens nicht, auch für 2009 haben sie bereits einiges in petto. "Es ist toll, wenn es den Leuten gefällt. Dafür lohnt der Aufwand", meint Lindemann junior.
Zur Zeit ist der junge Mann ohne Job. Da bleibt der Spielraum, das Hobby in den Lebensmittelpunkt zu rücken. Wie ein Künstler auf der Bühne genießt er den Erfolg. Reisebusse mit Japanern halten, Fans kommen gezielt aus ganz Mitteldeutschland. "Teilweise ist es hier so voll, dass ich schon Glühwein und Würstchen reichen wollte", scherzt Lindemann. Hin und wieder scheppere es auch, wenn ein Autofahrer angesichts des Lichtermeeres auf die Bremse steige und der Hintermann - ebenfalls im Bann der Reizüberflutung - nicht aufpasse. Dramatisch war es aber nie. "Die Polizei musste noch nicht anrücken", sagt Lindemann.
Der hat, damit sich die Züge besser kreuzen können und aus Bequemlichkeit ("so muss ich die Bahnen abends nicht mehr ins Haus holen"), den Bahnhof in die Küche verlegt und für den Schienenstrang extra das Mauerwerk durchbrochen. Mit dem Weihnachtsfest hat das farbenprächtige Spektakel übrigens nicht ausgedient. Bis Anfang Januar geht Einwohnern und Passanten Dank der Lindemanns täglich zwischen 16 und 23 Uhr ein Licht auf. Nur die Bahn stellt schon 20 Uhr ihren Betrieb ein. "Dann wird es draußen ruhiger", sagt Lindemann.