Weidwerk in Kemberg Weidwerk in Kemberg: Mehr Jäger wirken mit
Kemberg/MZ - „Wir haben den Zenit in der Entwicklung des Wildbestandes noch nicht überschritten“, sagt Kreisjägermeister Martin Gersch. Zwar wird ein Jagdjahr erst nach dem 31. März abgerechnet, aber die Bilanz der großen revierübergreifenden Ansitzdrückjagden in der Dübener Heide im Spätherbst sei dafür schon ein deutlicher Beleg .
Insgesamt wurden bei den drei Terminen 480 Stück Schalenwild erlegt, konkret 162 Rothirsche, 203 Wildschweine, 33 Damtiere und 82 Rehe. „Das ist eine ganz gewaltige Strecke“, so Gersch.
Bei der Jagd Ende November waren 23 Reviere mit einer Gesamtfläche von 12.000 Hektar einbezogen. Und als im Dezember die Hegegemeinschaft Damwild und die Pächter im Landesforst auf die Pirsch gingen, wurden nochmals zehn Reviere mit insgesamt 2.500 Hektar bejagt. Die Bereitschaft bei den Weidmännern, mitzumachen, wachse von Jahr zu Jahr, so der Kreisjägermeister. Bei den meisten Weidgenossen herrsche Einigkeit darüber, „dass wir etwas tun müssen, um die Wildschäden und Wildunfälle zu vermindern“.
"Es braucht Jagdeinrichtungen"
Solche Revierübergreifenden Jagden seien zudem eine Meisterleistung der Organisatoren. „Es braucht Jagdeinrichtungen, Jäger, Treiber und Hunde“, dankt Gersch allen Beteiligten und den Revierinhabern für die Abstimmung untereinander. Das A und O aber sei die Disziplin. Die vorgegebenen Zeiten zum Treiben und für die Aufbruchpausen müssen penibel genau eingehalten werden. So gehört es für Gersch zur positiven Jagdbilanz auch, dass es keine Unfälle gab.
Die Strecke macht etwa ein Viertel dessen aus, was die Jägerschaft im Verlauf eines Jahres erlegt. „Solche Ansitzdrückjagden sind sehr effektiv“, sagt Gersch. „Manche meinen, bei einer Treibjagd geht das große Schlachten los. Man darf sich das aber nicht so vorstellen, dass da auf alles geschossen wird, was den Kopf raussteckt - auch da muss weidgerecht gejagt werden. Jeder Revierinhaber macht vorab klare Ansagen, was gejagt werden darf.“
Letztlich, so Gersch, hätten die Jäger mit dieser Aktion im Herbst auch dafür gesorgt, dass zu Weihnachten wertvolles Wildfleisch auf die Ladentheken der regionalen Händler kam.
Ein Wolf sei auch gesichtet worden. Gersch macht aus seiner kritischen Sicht auf die Wiederansiedlung des grauen Jägers keinen Hehl. „Er ist allgegenwärtig, wenn es so weiter läuft, wird er uns noch viel Geld und Ungemach kosten.“ Schon jetzt sei zu beobachten, dass er das Verhalten des Wildes beeinflusst. „Um sich zu schützen, schließen sich die Hirscharten in größeren Rudeln zusammen als gewöhnlich.“ Das wiederum habe zur Folge, dass auch Wildschäden in der Forst geballt auftreten. „Wenn sich so ein Rudel über einen jungen Baumbestand her macht, bleibt davon nichts mehr übrig.“ Die Jäger wollen sich aber einbringen in das Wolfsmonitoring.
Für Martin Gersch hat derweil ein besonderes Jahr begonnen. Er wird 76 Jahre alt und will sich zurückziehen - als Kreistagsabgeordneter für die SPD und auch sein Amt als Kreisjägermeister zur Verfügung stellen. „Ich will damit nicht warten, bis alle hinter vorgehaltener Hand sagen, wann geht der endlich!“