1. MZ.de
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Wittenberg
  6. >
  7. Situationsgespür und sprachliche Eleganz

Situationsgespür und sprachliche Eleganz

Von Ulf Rostalsky 06.03.2008, 18:53

Gräfenhainichen/MZ. - Platz eins und zwei holten die Gymnasiasten in der Muldestadt gegen durchaus starke Konkurrenz, wie Schulleiter Roland Franke befand. "Ein toller Erfolg", lobte er die Riege aus seinem Haus und überreichte Blumen. "Die Damen zuerst." Jana Krismann, Schülerin der neunten Klasse, konnte sich über einen zweiten Platz in der Sekundarstufe I freuen.

Für sie war es der Premierenauftritt beim Wettbewerb, zu dem sie eher zufällig gekommen war. "Wir haben im Sachkundeunterricht immer wieder mal über bestimmte Themen debattiert, Pro und Contra gegeneinander aufgewogen." Dabei müsse sie wohl einen guten Eindruck hinterlassen haben. Jedenfalls habe sie am Vergleich in Dessau teilnehmen sollen. Und behielt beim Thema "Soll der Samstagsunterricht wieder eingeführt werden?" die Übersicht. Mache wirklich wenig Sinn, erinnert sich Jana Krismann an ihre Argumente. Natürlich gehe es nicht nur um den freien Tag, schmunzelte die Gymnasiastin. Man müsse doch nur an den zusätzlichen Aufwand denken. Ein Tag mehr Schülerbeförderung bedeute am Ende auch ein Plus an Kosten.

Die Position wider die Idee des Sonnabendsunterrichts hat ihr gefallen und Erfolg gebracht. Dass sie nun auch in der AG "Jugend debattiert" mitmachen würde, glaube sie eher nicht. "Überschneidet sich mit dem Schulchor", lautet das plausible Argument. Die AG unter Leitung von Sandra Märten hat starke Mitglieder in ihren Reihen. Da sind Josefine Umlauft und Katharina Mohr mit von der Partie, in Dessau gesellten sich zu ihnen auch Lisa-Maria Hoyer, Franziska Höse, Marie-Isabell Berg und Sven Schleif. Ganz oben auf dem Treppchen stand für die Gräfenhainichener Redekünstler am Ende aber Sören Tartler. "Der krönende Abschluss", meint Schulleiter Franke.

Obwohl der Sieger des Finales im Schulverbund alles andere als einen leichten Stand hatte. Die Schwierigkeit des Wettbewerbs offenbarte sich im Detail. Konnten schon die Themen der Debatten nicht ausgesucht werden, wurde außerdem die Seite des Pro oder Contra zugeteilt. Für Sören Tartler hieß das, Position für etwas zu beziehen, was er so gar nicht wirklich wolle. Der Gymnasiast musste für ein Tempolimit auftreten. "Ein Glück, dass im Finale andere Sachen gewünscht waren." Dort fragte er, ob Online-Durchsuchungen von privaten Computern Sinn machen würden. "Natürlich nicht. Die Privatsphäre ist nicht mehr gegeben, Manipulationen Tür und Tor geöffnet."

Sprachliches Geschick und Gespür für die Situation können Jana Krismann und Sören Tartler Ende März im Magdeburger Landtag beweisen. Dann steigt dort das Landesfinale von "Jugend debattiert", für das sich die beiden Gymnasiasten qualifiziert haben.