Pastor Hans Kasch geht in Ruhestand Pastor Hans Kasch geht in Ruhestand: Mit Spaten und Spiritualität

Wittenberg - Hans-Wilhelm Kasch ist ein vielseitiger Mann – weltoffen und verwurzelt, präzise planend und zupackend – und nicht zuletzt mit Humor gesegnet. Dass er mit dem Spaten in der Hand oder am Herd bei der Zubereitung eines tansanischen Bohneneintopfes eine gute Figur macht, sich zugleich aber auch beim theologischen Diskurs mit internationalen Gästen als Schwergewicht erweist, hat der aus Mecklenburg stammende Theologe in den vergangenen zehn Jahren als Direktor des Zentrums des Lutherischen Weltbundes in Wittenberg unter Beweis gestellt. Jetzt endet seine Zeit in der Lutherstadt.
Kritischen Dialog ermöglicht
Kasch, der zuvor als Landespastor für Mission und Ökumene in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs gearbeitet hatte, war der richtige Mann, um das zunächst noch vage Profil der 2008 frisch aus der Taufe gehobenen Repräsentanz des Lutherischen Weltbundes in Wittenberg mit Leben zu füllen und Christen aus aller Welt am Ursprungsort der Reformation zusammenzuführen. Am historischen Ort mit Vertretern aus allen Kontinenten Perspektiven des Glaubens zusammenzuführen sei „bereichernd für alle“.
Freilich auch nicht immer konfliktfrei. Ob Frauenordination oder Ökumene - intern geht es dann und wann durchaus zur Sache. Die Sicht einer finnischen Pastorin und eines indischen Amtsbruders seien beileibe nicht deckungsgleich, „Aber wir bieten eine geschützte Plattform für einen kritischen Dialog miteinander.“ Es mache ihn glücklich und dankbar, dass es gelungen sei, „eine gute Atmosphäre zu schaffen und Gemeinschaft erlebbar zu machen“.
Weitaus mehr sichtbare Ausstrahlung in die Stadt hat das zweite wichtige Projekt des LWB – der Luthergarten. Inzwischen sei durch die von Kirchengemeinden aus dem In- und Ausland gepflanzten Bäume rund die Hälfte aller auf der Welt existierenden Länder in Wittenberg vertreten, freut sich Hans Kasch. Und auch verschiedene Konfessionen. Es sei das lebendige Zeichen eines versöhnten Miteinanders und biete zugleich einen Anknüpfungspunkt für die mehrheitlich konfessionslosen Wittenberger.
Das 2008 gegründete Zentrum ist die Repräsentanz des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Wittenberg. Es bietet Seminare zu lutherischer Theologie und Begleitung internationaler Besuchergruppen an und ist verantwortlich für das Projekt „Luthergarten“. Der 1947 gegründete LWB mit Sitz in Genf ist der weltweit größte lutherische Kirchenzusammenschluss von 145 Kirchen in 98 Ländern, denen über 74 Millionen Christen angehören.
Dass er in einer entchristlichten Region seine Arbeit aufgenommen hat, hat den in der DDR aufgewachsenen Theologen nie geschreckt. Manche Seminarteilnehmer indes schon. Denn wenn sich die christliche Welt in Wittenberg trifft, treffen Welten aufeinander „Von Überraschung bis Schockstarre“ reichten die Reaktionen, so Kasch. Miteinander ins Gespräch zu kommen und auszutauschen, das habe auf lokaler Ebene immer gut funktioniert.
Zurück in den Norden
Mit Katholiken, Baptisten und Adventisten, mit den amerikanischen Lutheranern von Missouri Synod und ELCA gebe es ein ebenso unkompliziertes Miteinander wie mit Politik und Verwaltung. „Ich habe richtig gern in Wittenberg gelebt“, unterstreicht Kasch. Dennoch zieht es den Vater vier erwachsener Kinder und seine Frau nach der Pensionierung wieder nach Mecklenburg. Die erste große Reise ist indes schon geplant. Sie geht nach Guyana und Surinam.
Am heutigen Montag wird Hans Kasch mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche und anschließendem Empfang im Rathaus verabschiedet. Mit 130 Gästen wird gefeiert, in einer Stadt die durch das Reformationsjubiläum „unheimlich gewonnen“ habe. „Das wird bleiben und weiterhin Besucher anziehen“, ist Hans Kasch überzeugt.
(mz)