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Pädagogischer Austauschdienst Pädagogischer Austauschdienst: Brasilianische Deutschlehrerin unterrichtet in Kemberg

Von stefanie hommers 29.11.2013, 19:31
Die Brasilianerin Cirley Jasper begeistert in der Kemberger Grundschule. „Sie ist so nett“, heißt es dort.
Die Brasilianerin Cirley Jasper begeistert in der Kemberger Grundschule. „Sie ist so nett“, heißt es dort. thomas klitzsch Lizenz

kemberg/MZ - „Sie ist so nett und so aufgeschlossen, ich bin echt begeistert“, schwärmt Katja Gellert. Nicht immer, wenn eine neue Kollegin an die Grundschule in Kemberg kommt, gibt es solche Bestnoten von Lehren. Und nicht immer sind die Schüler so angetan, dass sie ihre Lehrerin auch in den Pausen umlagern und mit Fragen bestürmen. Bei Cirley Jasper sind sie sich jedoch alle einig: „Die ist toll“.

Das mag daran liegen, dass die hochgelobte Fachkraft ein gewisses exotisches Flair umgibt, denn sie kommt aus Brasilien. Im Rahmen des Hospitanten Programms des pädagogischen Austauschdienstes für Deutschkräfte aus Afrika, Lateinamerika und Osteuropa ist Cirley Jasper für drei Wochen nach Kemberg gereist. Knapp 11 000 Kilometer Luftlinie von ihrer Heimatstadt im Bundesstaat Rio Grande do Sul entfernt, hat sie ein wenig deutsche Luft geschnuppert und sich mit dem Unterrichtsalltag in der kleinen Grundschule vertraut gemacht. Besonders angetan war sie von der Methode der Planarbeit an der Schule. Dass Schüler anhand eines Arbeitsblattes Aufgaben auswählen und sie selbstständig erledigen, hat sie fasziniert und sie möchte diese Methode auch ihren Kollegen in Brasilien vorstellen. „Man kann“, findet sie, „gar nicht früh genug damit anfangen, die Eigenständigkeit von Kindern zu fördern“.

Neue Lehrmethoden hat Cirley Jasper, die seit 31 Jahren an einer privaten Schule unterrichtet, wissbegierig aufgesogen und notiert. Die deutsche Sprache war ihr indes bereits vertraut, nicht nur als Lehrerin. Schon der Name ihrer Heimatstadt Teutonia verrät, die Brasilianerin hat deutsche Wurzeln. Eingebettet in eine hügelige Landschaft stehen hier Fachwerkhäuser, Tanzgruppen pflegen das Brauchtum der Vorfahren und auch der Reformationstag ist hier ein Feiertag, „auch wenn nicht mehr jeder weiß warum“, wie Cirley Jasper lachend erzählt. Dass sie sich Wittenberg und das Lutherhaus angeschaut hat, versteht sich also fast von selbst. Hinzu kamen Ausflüge nach Leipzig, Dresden und Berlin, bei denen sie sich ein Bild von Deutschland gemacht hat. Wenn man etwas real sehe, sei das doch etwas ganz anderes als auf Fotos oder aus Erzählungen, sagt sie. „Man sieht es, aber man kann es sich nicht wirklich vorstellen.“ Umgekehrt hat sie auch das Bild, das Schüler wie Lehrer von ihrem Heimatland hatten, in Privatgesprächen und auch im Unterricht sanft, aber nachdrücklich korrigiert.

„Samba, Amazonas, Regenwald“, nennt Schulleiterin Kerstin Mensch die typischen Assoziationen zu dem südamerikanischen Land, von denen auch sie selbst nicht frei war. Doch nachdem die brasilianische Deutschlehrerin nicht nur drei Wochen lang an ihrer Schule zu Gast war, sondern auch bei ihr zu Hause wohnte, hat sich einiges geändert. „Das ist eine wunderbare Gelegenheit, fremde Menschen, Länder und Kulturen hautnah kennenzulernen.“ Deshalb habe sich die Schule auch als Einsatzort für das Hospitanten-Programm beworben. „Ich habe alle Schüler aufgefordert, diese Chance zu nutzen.“ Das hat offensichtlich gewirkt – bei den Kindern, wie bei den Erwachsenen.