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Mit Rohrstock und Rakete

Von Stefanie Hommers 15.05.2006, 16:54

Kemberg/MZ. - Die Würdigung beginnt mit einer Zeitreise durch 100 Jahre Schulgeschichte: Mit offensichtlichem Vergnügen präsentieren die Schüler den strengen Drill früherer Zeiten. Es werden Stockhiebe verteilt und wer sich nicht benimmt, muss auf den Schandesel.

In rasantem Lauf geht die Reise weiter. Ein Fahnenappell aus DDR- Zeiten fehlt ebenso wenig, wie der Blick in eine weniger strenge, weit fröhlichere Gegenwart. Und was mit dem Rohrstock begann, endet mit einer galaktischen Rakete, die Schüler und Zuschauer in die Zukunft katapultiert und zeigt, wie Schule später einmal aussehen könnte. Das bunte und fantasievolle Programm haben sich die Lehrerinnen Katja Gellert und Birgit Lehmann ausgedacht, mit ihren Zöglingen einstudiert und auch die Kulissen dazu gebastelt.

Auf einen noch weit längeren Zeitraum blickt Schulleiterin Kerstin Mensch in ihrer Festrede zurück. Denn auch wenn das aktuelle Schulgebäude erst 70 Jahre alt ist, gab es in Kemberg bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts Schulunterricht im Ort, wie aus den Berichten einer Kirchenvisitation im Jahre 1528 hervorgeht; die Kemberger Verhältnisse werden ausdrücklich gelobt, im Vergleich zu anderen Orten "wo Schulen Ställen glichen und Lehrer ungebildet erscheinen".

Darüber hinaus zeigt eine Ausstellung im Schulgebäude, wie Kinder früher lebten, lernten und spielten. Hier ist neben Fotos, Büchern, Heften und Schultüten auch das Schulgesetz der Stadt Kemberg aus dem Jahre 1800 ausgelegt; es erläutert dezidiert und in Reimform, was von Schülern vormals gefordert wurde: "Das krumme sitzen schadet dir, drum hüte dich, mein Kind, dafür" oder auch "Kopf, Hände und Gesicht muss rein, und ohne Schmutz der Anzug sein." Man habe im Ort gefragt, wer Material zur Verfügung stellen könne, und viele bereitwillige Spender gefunden, erzählt Peter Beitat, während er fachkundig durch die Ausstellung führt und sich dabei auch immer wieder an die eigene Schulzeit erinnert. Während Erwachsene beim Rundgang in Erinnerungen schwelgen können, haben die heutigen Schüler mehr Spaß an den spielerischen Entdeckungsreisen auf dem Schulhof mit Kreisel oder Murmeln und zur Stärkung aller gibt es Kaffee und Kuchen.