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Landkreis Wittenberg Landkreis Wittenberg: Reformatoren werden auf Füße gestellt

Von IRINA STEINMANN 26.07.2010, 18:31

WITTENBERG/MZ. - Auch als Leerstellen taugen Luther und Melanchthon noch als Fotomotiv. Klick, klick, machen die Kameras der Touristen vor dem Baugitter rund um die Denkmals-Löcher. Besonders wenn sich, wie Montag, unübersehbar was tut an der Grube. Meterhohe Betonplatten werden am Vormittag im rechten Winkel hinabgelassen auf den bereits vor wenigen Wochen akkurat gegossenen Boden.

Die direkten Arbeiten am Fundament von "Melanchthon", dem linken der beiden Reformationsdenkmale, haben begonnen. Dienstag sollen dort die Eisenflechter ihre Arbeit aufnehmen, parallel wird bei "Luther" die Schalung gestellt, dann kommen auch dort die Eisenflechter zum Zuge, hieß es Montag zum Fahrplan aus der Wittenberger Stadtverwaltung. An beiden Standorten würden jeweils 6 300 Kilogramm Stahl verbaut, 72 Kubikmeter Beton fließen ab Freitag in das Loch unter Melanchthon, 68 bekommt der etwas besser erhaltene Luther-Unterbau.

Die Baldachin-Säulen, soviel habe sich bei den Untersuchungen bereits herausgestellt, können nur als "Manschette" erhalten bleiben, sagte Stadt-Sprecherin Karin Austermann, sprich, sie müssen von innen verstärkt werden. Dies sei gegenwärtig die Aufgabe der Statiker. Für die Restaurierung der Statuen von Luther und Melanchthon selbst sei der Sanierungsauftrag erteilt; beide werden, wie zuletzt vor zehn Jahren, gereinigt und zum Schutz mit einer Mikrokristallinwachsschicht versehen. Ob das Paar rechtzeitig zum Reformationsfest 2010 wieder auf dem Sockel steht, ist noch offen, wird aber angestrebt - wenn auch nicht, wie der Oberbürgermeister unlängst einräumte, mit aller Kraft. Gut bedacht werden die beiden jedenfalls auch am 31. Oktober noch nicht sein. Die Grabungsfunde unter den Füßen von Luther und Melanchthon sollen, wie berichtet, in einer eigenen Ausstellung gezeigt werden.

Die immer wieder aufflackernden - tatsächlichen oder mutmaßlichen - Konflikte rund um die prominente Baustelle zeigen, wie überaus sensibel die Nutzung der "guten Stube" Marktplatz ist. Aktionskünstler Ottmar Hörl, der den Platz am 14. August für vier Wochen mit seinen Lutherchen übersäen wird, sah vorübergehend sein Gesamtkunstwerk in Gefahr. Zuletzt klagten die Organisatoren des Wittenberger Weinfestes, das an diesem Donnerstag eröffnet wird, ob der rauen Nachbarschaft.