Kreis Wittenberg Kreis Wittenberg: Frauen sind die echten Häuptlinge
KEMBERG/MZ. - Über das Leben der Irokesen
"Indianer sehen gar nicht so aus, wie man sich das eigentlich vorstellt", überraschte sie auch die Kinder der dritten und vierten Klassen. Auf ihre Frage hin, wie eine Häuptlings-Wahl bei den Irokesenstämmen vor sich ginge, hatten die auch schnell die tollsten Ideen. "Ein Zweikampf! Per Abstimmung! Durch Armdrücken! Mit einer Mutprobe!", riefen die Kleinen, doch Frau Small Legs, die selbst indianischer Abstammung ist, musste insbesondere die Jungen enttäuschen, denn tatsächlich entscheiden die Indianersquaws gemeinsam, welcher Krieger dafür am geeignetsten ist. "Zumindest bei den Irokesen sind auch heute noch die Frauen die eigentlichen Häuptlinge", erklärt sie.
Sie berichtet auch, dass es in der Regel bei Indianerstämmen keine Schulen gab. Die Jüngsten lernten aber - entgegen der Annahme der Schüler - nicht etwa von den Eltern, sondern gingen bei Großeltern, Onkels und Tanten in die Lehre. Ann Marie Small Legs wurde 1961 in Deutschland geboren und durfte ihre Großmutter, die aus ihrem indianischen Erbe berichtete, noch kennen lernen. Später heiratete sie Murray Small Legs, einen kanadischen Peigan-Blackfoot-Indianer. "Ich lebe in einer deutsch-indianischen Familie", berichtete sie den Kindern. Die Erfahrungen und Kenntnisse gibt sie als Dozentin für indianische Geschichte und Kulturen weiter.
Überhaupt erfuhren die Kinder viele neue Dinge und nicht nur von den Irokesen, sondern ebenso über andere Stämme, so dass die Vielfältigkeit der einzelnen auf dem Nord- und Südamerikanischen Kontinent verbreiteten Stämme zum Ausdruck kam. Auch die Anpassung der Menschen an ihre natürliche Umgebung wurde betrachtet. So bauten die Stämme, welche in Urwäldern lebten, so genannte Langhäuser aus Holz und jene, die sich in der Prärie aufhielten, Tipis. "Dort gibt es ja schließlich keine Bäume. Höchstens an den Rändern oder in Flusstälern", erklärte sie den Schülern, die ihren indianischen Projektnamen alle stolz an der Brust trugen. Selbst diese typisch indianischen Zelte benötigten "bis zu 19 Baumstämmen von acht Meter Länge." Für noch mehr Begeisterung bei den Schülern als die Dias und spannenden Geschichten der Dozentin sorgten natürlich die Utensilien, die sie dabei hatte und welche die längste Zeit in der Mitte unter einer Decke verborgen blieben. Verschiedene echte Mokkasins, Federschmuck und indianische Kleider gab es neben vielen anderen Dingen zu bestaunen. "Mir hat Pfeil und Bogen am besten gefallen", erklärte Schneller Blitz alias Benjamin Voigt. Der Neunjährige berichtete ganz begeistert, dass dieser mit loser Sehne war und "selbst gespannt werden muss". Er habe zwar auch schon mit einem Bogen geschossen, aber nicht mit solch einem.
Die Veranstaltung war der Auftakt zum Schuljahresprojekt mit dem Titel: "Indianer - wie sie lebten, wie sie leben, ihre Ideale und was wir von ihnen lernen können." Ein Thema, welches der Kemberger Lehrkörper bereits vor ein paar Jahren auswählte. "Es kommt sehr gut an bei den Schülern", freute sich Musiklehrerin Katja Gellert, deren treffender Squaw-Name Singende Sonne ist. Besonders auf ein kleines Indianer-Musical, welches einstudiert werden soll, freue sie sich.
Ehrgeizige Ziele
"Unsere Schüler werden hinsichtlich friedlicher Völkerverständigung und im Umgang mit anderen Kulturen und Minderheiten unterrichtet", machte Schulleiterin Kerstin Mensch deutlich. Dabei hat sich der Lehrkörper ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Unterrichteten sollen positive Persönlichkeitseigenschaften erkennen können, verinnerlichen und anstreben oder auch die Naturverbundenheit der Indianer nacherleben und Schlussfolgerungen für das eigene Leben ziehen, heißt es. In nahezu allen Fächern wird es Themen spezifischen Unterricht geben, aber insbesondere die einzelnen Projekte in den verschieden Workshops werden sich darauf konzentrieren. Die Schüler sollen Indianerschmuck basteln, einen Marterpfahl gestalten, Schmuckanhänger töpfern, Tänze einstudieren und - um nur noch ein weiteres Beispiel zu nennen - Tongefäße modellieren.