Katerstimmung bei den Nachbar-Narren
PRETZSCH/TREBITZ/MZ. - Auslöser war die Äußerung des Pretzscher Zeremonienmeisters Harry Deike am Rande des "Prinzenmords" gegenüber der MZ, dass es trotz jahrelanger Bemühungen nicht gelungen sei, mit den Trebitzern eine Abstimmung zu den Karnevalsumzügen zu erreichen. Beide finden traditionsgemäß am "Rosensonntag" statt. 13.11 Uhr startete auch in diesem Jahre der Trebitzer Umzug, knapp eine Stunde später die Prozession in Pretzsch. Kaum dass es Zuschauer schafften, von einem Ereignis zum anderen zu "hüpfen", war so die Teilnahme von Karnevalisten anderer Vereine mit ihren Festwagen ganz ausgeschlossen. Die Folge für Pretzsch: Die Attraktivität des Umzugs leidet, und es finden sich auch weniger Zuschauer ein.
"Ich verstehe ja, dass die Pretzscher sauer sind", sagt dazu der Präsident des TCV, Raik Buchta. Doch nach Deikes Worten könne der Eindruck entstehen, man wolle den Pretzschern den Umzug kaputt machen. "Daran haben wir kein Interesse, denn es würde dem Ansehen des Karnevals in der Region insgesamt schaden", sagte Buchta der MZ. Allerdings hätten die Pretzscher den TCV gar nicht angesprochen und die Trebitzer hätten sich auch darüber gewundert, dass die "Elbmooren" in diesem Jahr schon um 14 Uhr statt 15 Uhr zum Umzug gestartet seien. "Wir haben es jahrelang versucht und dann aufgegeben", bekräftigt Deike gegenüber der MZ. Der Kompromissvorschlag, den die Trebitzer den "Elbmooren" seinerzeit unterbreitet hatten, sei gewesen, die Umzüge um eine Woche versetzt stattfinden zu lassen, damit jedem Verein die Teilnahme bei dem anderen möglich ist. Da hätten die Pretzscher auch mitgespielt, allerdings wollten sie nicht einsehen, dass sie immer die zweite Geige spielen sollten. "Wir wollten, dass die Umzüge jährlich abwechselnd zuerst in Trebitz und Pretzsch starten." Das hätten wiederum die Trebitzer abgelehnt, weil sie ihre Wagen zuerst im eigenen Ort präsentieren wollen. Der TCV sei auf jeden Fall gesprächsbereit, versichert Buchta.
Doch angesichts der Tatsache, dass Karnevalisten wie Zuschauer in Trebitz nach dem Umzug auf dem Karnevalshof kräftig weiter feiern und der TCV dazu auch deutschlandweit gefragte Ulk-Bands engagiert, dürfte eine ausschließlich auf den Rosensonntag konzentrierte Umzugslösung keine Chance mehr haben. Buchta präsentiert eine Idee für einen anderen, aber aus seiner Sicht ebenfalls attraktiven Termin für Pretzsch: "Die Elbmooren machen immer zwei bis drei Wochen vor den großen Tagen ein ganz tolles Kostümfest. Wenn sie das mit dem Umzug am Folgetag verknüpfen würden, hätten sie ein schlagkräftiges Karnevalswochenende." Da könnten sogar noch mehr Vereine kommen, denn auch die Gräfenhainichener und die Kropstädter machen ihre Umzüge am Rosensonntag, ebenfalls unter Beteiligung anderer Karnevalclubs. "Oder die Pretzscher schwenken gleich auf den Rosenmontag um." Eingefleischte Karnevalisten, wo auch immer, hätten an den tollen Tagen ohnehin Urlaub, sagt Buchta.
"In Jubiläumsjahren machen wir unseren Umzug doch ohnehin schon an einem anderen Sonntag", erklärt der Präsident der "Pretzscher Elbmooren", Torsten Selig. "Und wir sind immer für Gespräche offen." Von einem Streit mit dem Trebitzer Karnevalsverein könne auch gar nicht die Rede sein. "Wir haben kein Problem miteinander. Die Trebitzer waren in dieser Session zu einer Veranstaltung bei uns, und das war eine tolle Sache. Wir feiern miteinander. Das ist doch die Hauptsache."