Jubel und auch Ärger in Gesten statt Worten
Wittenberg/MZ/kbl. - "Im vorigen Jahr waren es 48 Mannschaften, in diesem Jahr haben 66 gemeldet", freut sich Uwe Kapper, Vorsitzender des ausrichtenden Vereins über knapp 200 Aktive. "Das ist Rekord in unserer Bowlinggeschichte. Wahnsinn, so etwas habe ich noch nicht erlebt." Zumeist seien ostdeutsche Vereine vertreten, aber auch Bowlingfreunde aus Braunschweig und Goslar sind angereist. Eine gute Mischung aus sportlichen und Freizeit-Mannschaften sei entstanden, so Kapper.
Zufrieden zeigen sich drei Magdeburger nach ihrem Auftritt. "Ein Pokal wird es aber wohl nicht werden", meint Jens Bengsch. "Aber das ist auch nicht die Hauptsache. Hier trifft man viele Leute, Bekannte und auch neue Gesichter, das gesellige Beisammensein ist schön." Er sei das erste Mal in Wittenberg und wolle gern wieder kommen im nächsten Jahr. Die Frauen vom Gehörlosenverein Grün-Weiß Grimma / Leisnig geben ihr Bestes, sind aber trotzdem nicht zufrieden. Vier Mannschaften stellen die Grimmaer, sie sind mit drei Pkw angereist. Auch sie haben ihren Spaß und erzählen, dass sie einen Bowling-Verein gründen wollen.
Mittendrin in dem Trubel sind auch drei Studenten der Hochschule Magdeburg / Stendal. Sie seien in der Ausbildung zu Gebärdendolmetschern, erzählt Michael Zymelka. "Wir arbeiten schon jetzt viel mit Gehörlosen, es gibt auch einen Stammtisch in Magdeburg, wo wir uns treffen." So ein Turnier sei für sie ideal. "Hier wird man mit vielen Gebärdenstilen und -dialekten bekannt gemacht, da die Teilnehmer von überall her kommen. Und es ist lockerer für uns, da wir uns hier unterhalten können. Für andere zu dolmetschen ist anstrengender."
Das Spiel sei eigentlich nur "nebenbei", befindet Stefan, genannt "Hamster". Er arbeitet in Goslar und ist zufrieden, in Wittenberg viele neue Leute kennen zu lernen. "Gehörlose haben oft Freunde, die weit weg sind. Da trifft man sich an solch zentralen Orten", sagt er. Nein, ein Profi-Bowler sei er nicht, aber "die Stimmung ist gut, die Atmosphäre locker. Und wir kommen anschließend abends alle noch zusammen." Stefan ist begeistert, als er hört, dass die Wittenberger auch Darts-Turniere veranstalten, denn das mag er auch.
Viel mehr an Mannschaften gehe nicht, meint Uwe Kapper. "76 sind das Maximum, sonst müssten wir 24 Stunden spielen", lacht er. Der Vorsitzende lobt die Helfer der Veranstaltung, ohne die es nicht gehe. Acht Pokale haben sie besorgt, für die besten Mannschaften und Einzelspieler. Bei den Frauen haben die Wittenbergerinnen ihren Titel erneut verteidigt, bei den Männern holte Halle den Pokal. Auch die Studenten schlugen sich wacker - sie belegten bei den Herren den 37. Platz - von 38 Teams.