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Erzieherinnen sollen weniger animieren, sondern fördern

Von KLAUS ADAM 25.06.2010, 18:05

ZAHNA/MZ. - "In der Schule bekommen die Kinder die Zeugnisse. Heute sind mal eure Erzieherinnen dran", begründet Ina Wartenberg den Kleinen der Tagesstätte "Sonnenblume" in Zahna den ungewohnten Auflauf am Donnerstag Vormittag. Denn Leute, die sie sonst nicht in ihrer Einrichtung sehen, sind gekommen. Allen voran der Kinderbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt, Gerd Keutel. Der aber doch eher ein Beauftragter für die Erzieherinnen ist, damit sie so ausgebildet werden, dass es den Kindern immer besser geht.

Die Teams der Tagesstätten "Sonnenblume" und "Villa Sonnenschein" taten etwas für ihre Fortbildung und setzten sich 100 Stunden lang - teils in der Freizeit - auf die Schulbank. Als erste im Kreis, wie SPD-Landtagsmitglied Corinna Reinecke anmerkte. Und Schulbank kann auch nur im übertragenen Sinn gemeint sein, denn gerade einen solchen Eindruck wollte Sylvia Ziegler unbedingt vermeiden. Der freischaffenden Erziehungswissenschaftlerin und Referentin für frühkindliche Bildung ging es in den Kursstunden vor allem darum, viele Gedanken aus dem Team der Einrichtung aufzunehmen, zu analysieren und in die Bahnen zu lenken, wo sie nach ihrer Auffassung hingehörten.

Die Kreativität der Kinder zu erkennen, zu unterstützen, zu fördern, ist etwa eine der Erkenntnisse, die Leiterin Ina Wartenberg als erstes formuliert. Also nicht die Bildungsziele, die sich die Erzieherinnen setzen, als primär anzusehen, sondern die Ideen der Kinder aufzugreifen. "Wenn ein Kind hingebungsvoll mit dem plätschernden Wasserhahn spielt, warum soll man das abbrechen", nennt Ina Wartenberg ein Beispiel. Im Gegenteil, als Erzieherin im Sinne der gerade erlebten Fortbildung sollte man dem Kind noch Becher oder anderes Utensil zur Verfügung stellen, damit es seinen Spieltrieb ausleben kann. Womöglich stünde dem Erziehungsziel dann die zu erwartende Wasserrechnung im Wege, aber diese Frage hat die Fortbildung sicher nicht behandelt. Wichtig sei das sich Einlassen auf die Kinder, so Ina Wartenberg weiter. Dass die Erzieherinnen ruhig auch ihre eigenen Hobbys in die Arbeit einfließen lassen sollten, hat Sylvia Ziegler ihnen mit auf den Weg gegeben. Damit wird die Beschäftigung mit einem Thema gleich viel authentischer.

Der neue Weg heißt: Weg von eingefahrenen Pfaden. Und hat viel damit zu tun, die Kinder gut zu beobachten, sich ein umfassendes Bild von ihnen und ihren Interessen zu machen. So blieben auch etwas zurückhaltendere Kinder nicht am Rande.

Den Zahnaer Erzieherinnen jedenfalls überreichte Landes-Kinderbeauftragter Gerd Keutel gerne die erworbenen Zertifikate. Und die Kleinen gratulierten mit Tänzen und Liedern.