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Biosphärenreservat Mittelelbe Der Neue im Bunde heißt Urs Georg Jäger

Guido Puhlmann hat wieder einen Stellvertreter, sein Name: Urs Georg Jäger. Woher er kommt und was zu seinen Aufgaben gehört.

Von Corinna Nitz 12.08.2021, 09:21
Idylle am Kapenschlösschen: Guido Puhlmann (l.) ist Chef der Biosphärenreservatsverwaltung und Urs Georg Jäger sein neuer Stellvertreter.
Idylle am Kapenschlösschen: Guido Puhlmann (l.) ist Chef der Biosphärenreservatsverwaltung und Urs Georg Jäger sein neuer Stellvertreter. Foto: Thomas Klitzsch

Oranienbaum - Vor 25 Jahren hat Urs Georg Jäger im Biosphärenreservat Mittelelbe seine Diplomarbeit geschrieben. Thema waren die Weichholzauen, auch der Biber fühlt sich dort wohl und es gab ihn bereits damals, allerdings noch nicht „flächendeckend“, wie Jäger sagt.

Ein Vierteljahrhundert später, im Sommer 2021, ist der Biologe, dem auch die Landwirtschaft vertraut ist, zurückgekehrt: Jäger, der früher ein Planungsbüro in Wettin bei Halle hatte und zuletzt beim Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt tätig war, ist neuer stellvertretender Leiter in der Reservatsverwaltung. Deren Chef, Guido Puhlmann, wirkt hocherfreut, man kennt sich, aber was vielleicht noch wichtiger, mindestens jedoch genauso bedeutsam ist: Der Neue kennt die Landschaft.

Idyllischer geht’s kaum

Sein erster Arbeitstag war am Montag dieser Woche. Der Verwaltungssitz befindet sich mitten im Wald, in der Nähe von Oranienbaum, Kapenschlösschen. Idyllischer geht’s kaum. Im Amt folgt Urs Georg Jäger auf Peter Dornbusch, der zum 1. Januar in den Ruhestand gegangen ist. Zu dessen Zielen gehörte wie berichtet neben dem Schutz der Artenvielfalt bei Flora und Fauna auch, in die Gesellschaft hineinzuwirken und die Regionen zu unterstützen. Damit verbunden war auch die Bildungsarbeit beispielsweise im Auenhaus Kapen, das in Dornbuschs Ägide noch einmal erweitert werden konnte.

Auch auf Jäger warten besondere Aufgaben, die über die reine Verwaltungsarbeit hinausgehen, denn der Job ist komplex - und das Gebiet, um das es hier geht, riesig: Immerhin erstreckt sich das Biosphärenreservat 303 Flusskilometer entlang der Elbe und hat eine Größe von fast 126.000 Hektar. Über die 300 Kilometer Flusslandschaft sagt Puhlmann, dass Jäger der einzige in der Verwaltung sei, der diese in der Vergangenheit schon abgewandert habe. Nicht allein, beeindruckend ist es trotzdem.

Zu Jägers Schwerpunkten in der fachlichen Arbeit gehören unter anderem die Themen Landwirtschaft und Naturschutz. Die Betonung liegt auf „und“: Puhlmann erinnert daran, dass es Landwirte sind, die das Grünland in den Auen bewirtschaften. Für Jäger, der vornehmlich für den Südbereich des Reservats zuständig sei, gehe es darum, das Grünland zu priorisieren, zu schauen, wo besonders wertvolle Bestände sind. In diesen Gebieten wolle man auch auf die Betriebe zugehen.

Die Biberfreianlage im Biosphärenreservat Mittelelbe steht vor Veränderungen. Und aus der Referenz- soll eine Kompetenzstelle werden.
Die Biberfreianlage im Biosphärenreservat Mittelelbe steht vor Veränderungen. Und aus der Referenz- soll eine Kompetenzstelle werden.
(Foto: Thomas Klitzsch)

Unter Hinweis etwa auf die Tierhaltung sagt er, dass diese für die Landwirte immer schwieriger werde. Und man muss sich ja auch nur mal die niedrigen Milchpreise anschauen. Es sei, betont er, „die alte Geschichte“ und ob sich etwas ändert, „das liegt an uns“. Ein Schritt in die richtige Richtung mag da die Regionalvermarktung sein - Stichwort: Regionalmarke Mittelelbe. Was das mit Auflagen geschützte Grünland ansonsten betrifft, so verweist Puhlmann auf eine moderierende Rolle, die man im Austausch einnehme.

Moderieren ist auch ein gutes Stichwort, wenn es um den Biber geht. Nicht überall in der Region und im Alltag hat der Nager ausschließlich Freunde. Für Urs Georg Jäger, der im Biosphärenreservat auch für die Biberfreianlage zuständig ist, wird es auch darum gehen, sagen wir, Sympathien für den Biber zu wecken und, wo es erforderlich ist, Strategien zu entwickeln für Menschen, die Probleme mit ihm haben.

Viele Herausforderungen

Vor allem aber wird Jäger die Neuausrichtung der Freianlage begleiten, dazu gehöre die Entschlammung des Gewässers und die Vergrößerung der Anlage. Auch soll ein neuer Aussichtspunkt geschaffen werden. Es heißt, die Ausschreibungen für das Projekt laufen. Darüber hinaus soll aus der beim Biosphärenreservat Mittelelbe ansässigen Biberreferenzstelle eine Biberkompetenzstelle werden.

Zu den Herausforderungen für die Reservatsverwaltung und die Beschäftigten gehören im Übrigen die Waldschäden im Gebiet infolge von Hitze und Trockenheit in den letzten Jahren. Von 20 Auenpfaden spricht Puhlmann, für die sie, teilweise zusammen mit den Kommunen, die Verkehrssicherungspflicht haben. Kooperiert wird hinsichtlich des Waldthemas auch mit der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, sagt Puhlmann.

Und um noch einmal auf seinen neuen Stellvertreter zu kommen: Nach Weggang des damaligen Stelleninhabers in den Ruhestand war diese vom Landesumweltministerium ausgeschrieben worden, es habe etwa zehn Bewerber gegeben. Über die Entscheidung für Jäger sagt Puhlmann zur MZ: „Ich bin glücklich über die Neubesetzung.“ (mz)

Ihre Ansprechpartnerin:
 Corinna Nitz (cni), 
Telefon:  03491/45 88 21,
E-Mail: corinna.nitz@mz.de
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(Grafik: MZ)