Coswig Coswig: Bürgermeisterwahl verläuft ohne Spannung

Coswig/MZ - Vor dem Kliekener „Kegeleck“ lacht die Sonne. Walter Höhm hat sein Kreuz gemacht und kann sie genießen, Ehefrau Heidi bleibt hinter den Listen sitzen. Höhm, früher Hauptamtsleiter im Coswiger Rathaus und auch selbst einst Wahlleiter, ist am Sonntag einfach nur Wähler, seine Frau hingegen Wahlhelferin.
„Frau Berlin war mal meine Mitarbeiterin, da kann man doch nicht Nein sagen“, findet der Rentner, lacht seiner Frau nochmal zu und verlässt das Wahllokal. Fast gibt er Karin Hellmanzek die Klinke in die Hand. Auch sie hat sich zur Mittagzeit im „Kegeleck“ eingefunden, um der bisherigen Coswiger Bürgermeistern Doris Berlin (parteilos) noch einmal ihr Vertrauen auszusprechen.
Nur ein Name
Coswig sucht also einen Bürgermeister und hat ihn in der bisherigen Amtsinhaberin schon gefunden, denn die parteilose Kandidatin steht als einziger Name auf dem orangen Stimmzettel. Im Wahllokal ihres früheren Wohnortes kann man immer mal wieder gehörte Vorwürfe, dass es nur eine Kandidatin gab, gar nicht nachvollziehen. „Es stand schließlich jedem offen, sich zu bewerben“, findet Heidi Höhm.
Ihr zur Seite sitzen Renate Glöckner und Vivian Frenzel. Da warten also zwei mit dem Wahlprozedere bestens vertraute Damen und eine junge Frau auf die Kliekener. Höhm und Glöckner können nicht zusammen zählen, wie oft sie als Helferinnen schon bei einer Wahl dabei waren. „Eigentlich seit der Wende“, sagt Höhm, und Renate Glöckner hat auch nur ausgesetzt, wenn sie selbst für den Gemeinderat kandidierte. Für die 18-jährige Vivian Frenzel ist das jedoch alles Neuland und sie schaut aufmerksam zu. „Der Nachwuchs muss ja auch mal ran“, findet Glöckner und sprach deshalb junge Leute bei der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes an.
Die Coswiger Bürgermeisterwahl am Sonntag war ein guter Anlass, um sich mit dem Prozedere vertraut zu machen. Schon im Mai will Frenzel wieder hier sitzen, Heidi Höhm hingegen versichert den Kliekenern, denen sie den Stimmzettel reicht, dies ein letztes Mal zu tun. „Hiernach höre ich auf“, sagt sie.
Im Durchschnitt
Am Sonntag sieht sie aber noch einmal etliche Kliekener. Gegen Mittag haben rund 150 von 611 Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. „Klieken liegt immer im Durchschnitt“, so Höhm, die mit ihren beiden Mitstreiterinnen die Mittagsschicht übernommen hat.
Von der Stadtverwaltung gab es Getränke und Kaffee, den Kuchen haben sich die Frauen mitgebracht. „Wir haben hier immer viel Spaß gemeinsam und natürlich kennt man sich und macht auch mal ein Schwätzchen“, erzählen sie. Das Auszählen der Wahlzettel ab 18 Uhr wird flott gehen. „Keine halbe Stunde“, schätzen sie.
Super-Wahl im Mai
Im Wahlbezirk 1, mit 1 393 der größte dieser Wahl und mit dem Wahllokal im Coswiger Klosterhof gelegen, dürfte es ähnlich schnell gehen. Fünf Frauen haben hier schon 7.30 Uhr Platz genommen und halten bis zum Abend durch. „Wir wechseln nicht“, berichtet Schriftführerin Heike Markwardt. Auf der Liste sind gegen 13 Uhr 184 Striche. Das sieht etwas mau aus. Tatsächlich blieb es bei einer Wahlbeteiligung von unter 30 Prozent - für die ganze Stadt. Die Frauenrunde ist sich sicher, dass etliche auf den Gang zur Wahlurne verzichtet haben, weil es eben nur die eine Kandidatin gab. Wer meinte, dass sich da der Weg nicht lohnt, kann hingegen im Mai nach Lust und Laune Kreuze machen, wenn Kommunal- und Europawahlen sind. „Da brauchen wir noch zwei zusätzliche Urnen, damit es fünf sind. Das wird für die Stadt nochmal teuer. Aber bei uns reicht auch ein Schuhkarton“, lacht Hartmut David in Düben. Wenn alle Einwohner des Dorfes kämen, dann müsste solch ein Karton nur 209 Stimmzettel fassen. Bei der Bürgermeisterwahl sind es kurz nach 13 Uhr aber gerade mal 32 Leute gewesen, die das Gemeindehaus besuchten.
Bereitwillige Helfer
Das Trio um Hartmut David lässt sich trotzdem nicht verdrießen. Aus dem Radio läuft Musik, Pralinen stehen auf dem Tisch und ein paar werden schon noch kommen, ist man hoffnungsfroh. Vom sonnigen Frühlingssonntag hat man in Düben immerhin auch noch etwas. Denn je kleiner die Orte desto mehr Wahlhelfer gibt es. Schon nach zweieinhalb Stunden kommt die Ablösung. Aber 18 Uhr kommen dann alle zusammen, um auszuzählen. Das war am Ende ein Akt von wenigen Minuten und beim „Tatort“ konnten die meisten Wahlhelfer vor dem Fernseher sitzen. Da hat Wahlleiter Thomas Schneider im Rathaus den spannenden Moment auch schon hinter sich.