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Clara Widmer wird 80! Clara Widmer wird 80!: Ein Leben fürs Theater

Von Corinna Nitz 01.12.2018, 08:34
Clara Widmer ist eine leidenschaftliche Theaterfrau. Jahrzehnte stand sie selbst auf der Bühne, bis heute führt sie im Clack-Theater Regie. Dort entstand auch dieses Bild. Heute wird Widmer 80.
Clara Widmer ist eine leidenschaftliche Theaterfrau. Jahrzehnte stand sie selbst auf der Bühne, bis heute führt sie im Clack-Theater Regie. Dort entstand auch dieses Bild. Heute wird Widmer 80. Thomas Klitzsch

Wittenberg - Im Juni kam es zu einer Häufung von Jubiläen: Zehn Jahre bestand das Clack-Theater Wittenberg, 15 Jahre dessen Kabarettensemble „Die Reißzwecken“, Clara Widmer hatte mit dem Programm zum aktuellen Sommerkabarett-Festival ihre 40. (!) Regiearbeit fürs Clack abgeliefert - und sah selbst ihrem 80. Geburtstag entgegen.

Das Management der Kleinkunstbühne am Markt nahm all dies zum Anlass, der leidenschaftlichen Theaterfrau den erstmals gestifteten Preis „Chapeau Clack“ zu verleihen. Stefan Schneegaß erinnert sich: „Das erste Mal war Clara sprachlos.“

Lustspiel bis Tragödie

Heute ist nun der runde Geburtstag. Widmer sagt bei einem Treffen am Mittwoch, sie werde ihn nicht feiern. Und sie habe auch keine Wünsche. Vielleicht liegt das auch daran, dass sie bisher ein pralles, erfülltes Leben hatte und - im Clack, siehe oben - noch immer künstlerisch aktiv ist.

Nach Wittenberg kam Widmer, die in Mecklenburg-Vorpommern geboren wurde und zunächst Agrarökonomin wurde, nicht als Regisseurin sondern als Schauspielerin (obschon erste Inszenierungen unter anderem im Brett’l-Keller folgen sollten).

Stefan Schneegaß kümmert sich um das Management im Clack-Theater, das er mit Mario Welker betreibt. Beide sind Mitglieder im Ensemble des Hauses, dem neben anderen Barbara Schüler und Ralph Richter fest angehören. Schneegaß hat sein Handwerk bei Clara Widmer gelernt, diese führt bis heute regelmäßig Regie im Clack-Theater. Unterstützt werden sie dort Schneegaß zufolge immer wieder auch von Klaus Helfricht, der gerade das aktuelle Weihnachtsmärchen „Hänsel und Gretel“ im Clack inszeniert - die Premiere ist am Sonntag und (wie so oft) bereits ausverkauft. Eine große Hilfe sei im Übrigen auch der Kabarettist Lothar Bölck gewesen, der ihnen am Anfang seine Texte überließ. In diesem Jahr war Bölck auch als Gastkünstler im Sommerkabarett-Festival des Clack-Theaters zu erleben.

Bei www.clack-theater.de stehen mehr Infos auch zum Spielplan sowie Ticketauskünfte im Internet.

Ihre Ausbildung hatte sie in Berlin erhalten, nach kurzen Aufenthalten an Theatern in Frankfurt an der Oder und Görlitz wurde sie 1970 in Wittenberg Mitglied am Ensemble des Elbe-Elster-Theaters. In über 250 Rollen war sie zu sehen, gespielt hat sie alles, „vom Lustspiel bis zur Tragödie“ - und unter Anspielung auf die „Arbeiterhelden“ des SED-Staates bezeichnet sie sich schon mal herzhaft lachend als „Sack- und Rupfenschauspielerin“.

Früh in Wittenberg war sie in einem Klassiker zu erleben - als Brechts Mutter Courage. Und am Ende? Da gab’s „die Pusebachen“ in „Frau Luna“. Da war auch das Haus in der Wichernstraße, das zu diesem Zeitpunkt längst Mitteldeutsches Landestheater hieß, am Ende. Jedenfalls wurde es 2002 als erstes Theater in Sachsen-Anhalt abgewickelt.

Widmer sagt, sie sei froh gewesen, dass sie das Rentenalter da bereits erreicht hatte. Ihre jüngeren Kollegen, die nun freischwebend nach neuen Betätigungsfeldern suchten, sei es als Orchestermusiker, im Schauspiel, Kabarett oder Musiktheater, taten ihr leid.

Und heute, findet Widmer, sei es angesichts etwa von Stückverträgen, nicht besser. Sie glaube nicht, dass sie bei diesen Unsicherheiten den Beruf der Schauspielerin noch einmal ergreifen würde. Zu den, salopp gesagt, Kollateralschäden der Theaterschließung gehörten auch Künstler wie der Profisänger Mario Welker - und engagierte Laien etwa im Extra-Chor wie Stefan Schneegaß.

Gemeinsam betreiben sie seit 2008 ihr kleines privates Clack-Theater. Und Clara Widmer unterstützt sie und das Ensemble nicht nur, in dem sie Regie führt, zuletzt beim Kabarett-Festival. Widmer hat Schneegaß zudem vor Jahr und Tag künstlerisch auf die Sprünge geholfen. Der sagt heute: „Ich bin stolz, dass ich bei ihr gelernt habe.“ Streng sei sie, aber gut.

Im Vordergrund: die Arbeit

Streng war Widmer offenbar auch mit sich selbst. Für sie und ihren langjährigen Lebensgefährten, der ebenfalls Schauspieler war, stand die Arbeit im Vordergrund.

Sie habe sich auch weiterbilden wollen, diszipliniert sein musste man sowieso. Schön war’s trotz aller Anstrengung, jedenfalls macht Clara Widmer einen zufriedenen Eindruck. Und denkt, soweit es sich um Regiearbeiten handelt, auch mit 80 noch nicht ans Aufhören.

(mz)

Mit am Anfang von Clara Widmers Wirken in Wittenberg stand auch die Rolle der Mutter Courage (Mitte) in dem gleichnamigen Brecht-Drama.
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Szenen eines Künstlerlebens: Widmer als Clärchen in Goethes „Egmont“...
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In „Irrungen und Wirrungen“, hier am Kleist-Theater, Frankfurt (Oder)
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