Clack-Theater Clack-Theater: Kleinkunstbühne ist fünf

wittenberg/MZ - Wittenberg bekommt ein neues Theater. Nein, das ist kein Scherz, schon gar nicht in diesen Zeiten, da die Landesregierung bei Theatern und Orchestern in Sachsen-Anhalt brachial den Rotstift ansetzt. Dieser Satz vom neuen Theater für Wittenberg stand so am 8. März 2008 in der Mitteldeutschen Zeitung. Einen Tag zuvor hatten Mario Welker und Stefan Schneegaß das Konzept für ihre privat geführte kleine Bühne vorgestellt. Zwei Monate später war die Eröffnung des Clack-Theaters; unter Anspielung auf die Postanschrift - Markt 1 - erklärten die Künstler seinerzeit selbstbewusst: „Wir sind die Nummer eins“.
Eine feste Größe
Jetzt, 2013, sind sie immer noch da. Und wie! Ihr Konzept jedenfalls ist aufgegangen, längst bieten sie nicht mehr nur Travestie- und Kabarettprogramme, auch wenn das hauseigene Ensemble gerade damit bekannt wurde. Entwickelt wurden andere Formate, es gibt Clack-Konzerte und um die Weihnachtszeit das Clack-Märchenschloss, dessen Produktionen beim Publikum so beliebt sind, dass sie schon mal bis Ende Januar gespielt werden. Es gibt inzwischen auch Varieté, 2012 kam das Clack-Sprungbrett dazu, dabei kann sich künstlerischer Nachwuchs auf der Bühne des Hauses präsentieren. Aber auch arrivierte Künstler wie die Schauspielerin Hannelore Hoger oder Schlagersängerin Dagmar Frederic sind dort schon aufgetreten. Eine feste Größe im Veranstaltungskalender sind die Aids-Galas geworden, die in der Phönix Theaterwelt ausgerichtet werden und mit denen das Clack-Ensemble die Aidshilfe unterstützt.
Was das Ensemble betrifft, so wird es Veränderungen geben. Neue Mitglieder neben Schneegaß und Welker, Barbara Schüler und Ralph Richter sind Mirko Köckenberger, Benjamin Hein und Bart Hoving. Verlassen wird das Clack-Theater Schneegaß zufolge im Herbst die Sängerin und Schauspielerin Alexandra Herhausen. Ihren Part übernehme die Musicalsängerin Simone Geyer aus Wien. Herhausen wolle dem Haus aber „treu bleiben“, denn die Clack-Gastronomie liege auch weiter in ihren und John Yellings Händen.
Denkwürdige Geschichte
Über die Entwicklung der Besucherzahlen teilt Schneegaß mit, dass sie seit der Eröffnung stetig steigen. „Sehr viele Stammgäste kommen inzwischen auch aus Dessau, Aken, Halle, Leipzig und Berlin. Auch Touristen besuchen gern das Theater am Markt.“ Umgekehrt tourt man selbst durchs Land, Gastspiele mit den eigenen Shows führten die Clack-Leute auch an andere Theater oder auf Kabarettbühnen wie die „Leipziger Funzel“.
Und sonst? Da schmieden sie Pläne, etwa für das Jahr 2015. Es geht nicht um Cranach d. J., auch wenn diesem dann in Wittenberg eine große Ausstellung gewidmet werden soll - im Rahmen der Lutherdekade rückt wie berichtet die Kunst der Reformation in den Blickpunkt. Im Clack wollen sie 2015 „Das weiße Rössl“ unter der Festspielleitung von Winfried Schneider und einer noch nicht näher bezeichneten, aber prominent genannten Rösslwirtin zeigen. „Ein Traum, der sich vielleicht verwirklichen lässt, um neben dem Kabarettfestival wieder ein Wittenberger Sommertheater zu etablieren“, so Schneegaß.
„Im weißen Rössl“ hat in der Stadt eine denkwürdige Geschichte: Mit dem Stück hat man 1945 das „Kleine Theater Wittenberg“ eröffnet. 2002, längst hieß das Haus Mitteldeutsches Landestheater, wurde selbiges mit einer Aufführung des Singspiels geschlossen.