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Auszeichnung Auszeichnung: Wittenberger Bäckerei in Gourmet-Magazin gewürdigt

Von UTE KÖNIG 15.11.2012, 17:39

WITTENBERG/MZ. - Es ist nur ein kleines Lädchen in einer Seitenstraße in Piesteritz. Aber was in der Theke und den Regalen der Bäckerei Hillert liegt, ist ganz große Backkunst. Das befand nun offiziell das Gourmet-Magazin "Der Feinschmecker", das den Familienbetrieb in seiner Dezember-Ausgabe zu einem der besten Bäcker Deutschlands kürte. Nur vier aus Sachsen-Anhalt haben es unter die insgesamt 600 geschafft.

Gut handwerklich arbeitende Betriebe wurden ausgezeichnet. Und Handwerk ist das Backen bei Hillert auch noch. Während die meisten Filialen von Bäckerei-Ketten gerade noch Brot- und Brötchen-Rohlinge aufbacken, gibt's hier noch eine richtige Backstube. Wenn Mitarbeiterin Marleen Hechler noch den frischen Brötchenteig aus der großen Knetmaschine holt, stehen die Mischungen für die nächsten Teige schon abgewogen daneben. Fertigmischungen sind das aber nicht - die verschiedenen Zutaten lassen sich noch gut erkennen.

Ohne Chemie

Von Backmischungen hält Bäckermeister Gerhard Hillert auch überhaupt nichts. Chemie kommt ihm schon gar nicht in den Teig. Über Brötchen-Rohlinge, die fast eine Woche haltbar sind, wundert er sich nur. Er greift aus Gründen der Wirtschaftlichkeit maximal auf den Schockfroster zurück. Für guten Geschmack braucht es keine Zusatzstoffe, ist Hillert überzeugt.

Seine Rezepte sind zum Teil noch alte Familienrezepte, zum Teil auch selbst kreierte. Und so gibt es noch Köstlichkeiten bei Hillert, die es auch wirklich nur bei Hillert gibt. Wie beispielsweise die Nussbrötchen und das Haselnussbrot, das immer donnerstags frisch aus dem Ofen kommt. Und natürlich die Selen-Brötchen. Gerade sie wurden vom "Feinschmecker" als besonders gut hervorgehoben. "Das sind die besten dunklen Brötchen, die es in Deutschland gibt", meint auch Lothar Meyer. Er war es, der Hillert - "meinen Hausbäcker" - bei der Zeitschrift vorgeschlagen hat. "Es ist eine Bäckerei, die einfach tolle Sachen macht!" In der Vorweihnachtszeit sind Hillerts Dominosteine beliebt. "Nur mit Marmeladenfüllung", betont der Bäcker. "Ohne Marzipan oder anderes. Das mag ich selber nämlich nicht."

Seit 1923 gibt es den Familienbetrieb in Piesteritz. Schon die Großeltern verkauften in der Bergstraße Brötchen - damals noch unter dem Namen Fricke. Dass auch Gerhard Hillert Bäcker werden würde, "das war eigentlich immer klar", sagt der 60-Jährige. Selbst die ungewöhnlichen Arbeitszeiten konnten ihn nie davon abhalten. "Ich kenne es ja nicht anders." Er ist sozusagen in der Backstube groß geworden. Nach seinem Vater übernahm er die Bäckerei - im Jahr 1979. Seither wird nachts um 2 Uhr der Ofen in der Backstube angeworfen. Zwischen 10 und 11 Uhr sind alle Brötchen, Brote und Kuchen fertig. Schluss ist dann aber noch nicht. Erst um 18 Uhr ist der Arbeitstag des Bäckers vorbei. "Richtig Feierabend will ich auch gar nicht", sagt er. Lediglich am Ruhetag am Montag hält er fest und auch auf seinen Urlaub möchte er nicht verzichten.

Verkaufswagen für die Dörfer

Möglich macht solche Freiheiten nicht zuletzt die konsequente Entscheidung gegen den Anschluss an eine große Bäckerei-Kette. Sein Rezept für das Geschäft liegt im Kleinen. Die Lage in der Nebenstraße bringt nicht viel Laufkundschaft. Deshalb umziehen wollte Hillert aber nie. Viele treue Kunden hat der Familienbetrieb. Und auch einige Wittenberger Hotels wollen seine Backwaren. Mit dem Erfolg expandieren, kam aber ebenfalls nie in Frage. Die einzige Vergrößerung wurde vor einigen Jahren auf vier Räder verlagert. Der erste Bäcker sei er gewesen, der sich einen Verkaufswagen zugelegt hat. Damit werden die Backwaren auch in Dörfer ohne Bäcker gebracht.

Trotzt der großen Konkurrenz

"Die kleine Bäckerei im Wittenberger Ortsteil Piesteritz trotzt der großen Konkurrenz diverser Märkte mit Spezialitäten in handwerklicher Qualität [...]", lobt der "Feinschmecker".

Tatsächlich hat Hillert schon einige Filialen in der Nähe kommen und auch wieder gehen sehen. "Trotzdem sollte man die Ketten als Konkurrenz nicht unterschätzen", sagt er. Aber er sieht einen Trend hin zu Qualität und Geschmack, kleine Preise seien nicht mehr alles. Weshalb er sich und seinen Rezepten auch in Zukunft treu bleiben wird.