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Auch bei dichtem Dach sind Eulen willkommene Gäste

Von JANINE SCHARF 08.04.2010, 18:12

GOMMLO/MZ. - "Ich bin froh darüber, dass das Dach jetzt fertig ist. Wir haben nun eine schöne Kirche", sagt der Gommloer Bernd Pohle, der direkt gegenüber der Kirche wohnt. Wenn er an den Zustand vorher denkt, fällt ihm das Wort katastrophal ein. Und tatsächlich hat es sich eine ganze Weile hingezogen, bis der heutige Zustand der Kirche St. Michael, ein spätromanischer Feldsteinbau, erreicht wurde: Vor knapp zwei Wochen sind die letzten Dachziegel verlegt worden. Nun fehlen für die augenscheinliche Fertigstellung der äußeren Sanierung nur noch wenige Maurerarbeiten.

Doch der eigentliche Beginn der Erneuerung der Kirche liegt schon 15 Jahre zurück. 1995 wurde der Turm der Kirche, der erst im 17. Jahrhundert als Fachwerkbau an die Kirche gesetzt wurde, mit Holz neu verkleidet. Für weitere Arbeiten fehlte damals allerdings das Geld. Somit verlor man Zeit, die sich nun, im Nachhinein betrachtet, auch als Zeit für Schwämme herausstellte. Denn als man sich nach mehr als zehn Jahren wieder mit der Instandsetzung der Gommloer Kirche praktisch befasste, stellte man fest, dass sich der Schwammbefall stärker als vermutet verbreitet hatte.

Das hat nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld gekostet, da aufwendige Arbeiten notwendig wurden. Außerdem mussten viele Balken neu eingesetzt werden, an manchen Stellen sogar doppelt, denn auch Feuchtigkeit hatte sich durch die undichten Stellen gedrängt und sich im Holz und den Wänden bemerkbar gemacht. Insgesamt wird sich das Bauvorhaben wohl auf 60 000 Euro bemessen. Ein Teil davon wurde von der Landeskirche, ein anderer Teil durch das europäische Förderprogramm "Leader" finanziert. Doch mit den Bewilligungen der Gelder hatte man in Gommlo zu kämpfen. "Oft mussten wir auf Genehmigungen warten. Und wenn die da waren, kam der Winter", berichtet Pfarrerin Bettina Lampadius-Gaube. Neben Geldern von offizieller Seite ist ein großer Teil durch Spenden zustande gekommen. 22 000 Euro brachten viele Einzelne, die Sparda-Bank und die Stiftung der Sparkasse auf.

"Es freut uns, dass nicht nur Kirchenmitglieder gespendet haben, sondern Menschen von außerhalb der Gemeinde, denen diese Kirche am Herzen liegt", sagt Klaus Belitz. Der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats weiß, dass das auch nicht erst seit jüngster Zeit so ist. "Mit unseren bescheidenen Mitteln haben wir uns schon zu DDR-Zeiten bemüht, die Kirche zusammenzuhalten. Zum Beispiel haben wir das Dach selbst gedeckt", so Belitz. Aber für alles hat es eben nie gereicht. Den Elan haben die Gommloer trotzdem nicht verloren. Schon als die Arbeiten am Kirchendach über dem Chorraum 2008 begannen, zeigten sie viel Eigeninitiative. "Es haben alle im Ort mit angefasst", berichtet Belitz. Viele Vorarbeiten, wie die Dachabdeckung und den Schutt wegfahren, haben die Gommloer erledigt.

Doch ein paar Bewohner Gommlos mussten durch die viele Arbeiten kurzzeitig um ihren Unterschlupf fürchten: die Eulen. Die fühlten sich seit Jahren unter den Balken von St. Michael wohl. "Doch auch an diese Bewohner haben wir gedacht", erzählt Lampadius-Gaube und zeigt auf den Eulenkasten, der von den Kindern im Hort und der Christenlehre gebastelt wurde.

Bereits vergangenen Sonntag konnten die Gommloer ihren ersten Gottesdienst in einer Kirche mit fertigem Dach feiern. Dabei waren allerdings nicht nur Menschen zu Gast. "Es war gut, dass ich auf der Kanzel stehen konnte", so die Pfarrerin, "denn in den vergangenen Jahren haben sich neben den Eulen auch Mäuse hier eingefunden. Die liefen am Sonntag eifrig zwischen den Reihen hin und her." Trotzdem findet der Gottesdienst natürlich weiter statt, jeden ersten Sonntag im Monat.

Doch fertig ist man mit der im 11. oder 12. Jahrhundert entstanden Kirche noch lange nicht. Im Innenraum des Gotteshauses gebe es noch genügend zu tun, meint der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Die Orgel sei zwar schon saniert, aber allein wenn man den Altar anschaut, sieht man den Restaurationsbedarf. Und letztlich muss dann auch der Schutt im Schatten von St. Michael noch weichen.