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Anstrengend und erquickend zugleich

Von Stefanie Hommers 14.12.2005, 16:43

Wittenberg/MZ. - "Manchmal komme ich völlig geschafft von der Arbeit nach Hause und kann mir gar nicht vorstellen, wie ich noch zwei Stunden Chorprobe überstehen soll." Was Angela Schwarz, Leiterin des Wittenberger Stadtsingechores trotzdem jeden Montagabend zu ihren sangesfreudigen Frauen treibt, ist nicht nur Pflichtbewusstsein, sondern eine erstaunliche Erfahrung: "Nach dem Singen fühlt man sich plötzlich wieder frisch, munter und erholt."

Die Liebe zur erquickenden Kraft der Musik teilt die berufstätige Buchhalterin mit 44 ausschließlich weiblichen Chormitgliedern. Derzeit proben die Sängerinnen für ihr traditionelles Weihnachtskonzert im Refektorium des Lutherhauses. Ein Termin, auf den sie sich freuen. "Denn da ist die Atmosphäre besonders schön", findet Hannelore Kießling, Vorsitzende des Chores.

Doch bevor "Süßer die Glocken nie klingen" und es heißt "Freu dich Erd und Sternenzelt" muss jeder Ton sitzen. Mit kritischem Blick über den Brillenrand und weit ausholenden Armen dirigiert Angela Schwarz bei der Probe im Wittenberger Beyerhof und achtet mit geschultem Ohr auf alles, was die Harmonie noch stört; sie korrigiert kleine Fehler, spornt an und stimuliert, so lange, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Seit nahezu 19 Jahren versuche sie, dem Chor Schliff zu geben, erzählt Angela Schwarz und sie tut es mit Engagement und Humor. "Das u bitte nicht ganz so spitz, sonst klingt es wie Gespenstergeheul", fordert sie bei der Probe vehement und mit einem leisen Schmunzeln. "Streng in Bezug auf das Musikalische, ansonsten sehr geduldig", charakterisiert Ingrid Menz die Chorleiterin, die bei ihrem Vater, einem Musiklehrer, in die Schule ging, ernsthaft überlegte, die Musik zu ihrem Beruf zu machen, schließlich doch in einem ganz anderen Fach landete und der Musik doch treu blieb.

Frau Menz gehört zu den Gründungsmitgliedern des 1986 als "Wittenberger Singakademie" entstandenen Chores und ist immer noch "mit großem Vergnügen" bei der Sache. Was nicht zuletzt an der Leiterin und ihren Ansprüchen liege, wie sie unterstreicht. "Sie fordert uns auch durch die Auswahl der Lieder, das hält mich bei der Stange". Neben traditionell volkstümlichen Weisen wie "Maria durch ein Dornwald ging" studiert der Laienchor immer wieder auch Kompositionen ein, die er nicht mal so eben aus dem Ärmel schüttelt. Im letzten Jahr gehörte die Weihnachtskantate von Max Reger zum Adventsprogramm. "Das war ein ganz schöner Kraftakt für uns Laien", erinnert sich Hannelore Kießling. "Aber wenn es dann klingt, ist die Freude groß und alle Mühe vergessen."

Außerdem könne man, bei aller Selbstkritik, auch über sich lachen, wenn etwas mal nicht hundertprozentig funktioniere. Der Ehrgeiz, bis zum großen Auftritt jeden noch so kleinen Makel auszumerzen, ist indes eindeutig da. Zwar ist das Konzert im Lutherhaus nur eines von vielen in der Adventszeit, aber immer ein besonderer Höhepunkt für die engagierten Sängerinnen - und das schon seit 19 Jahren. Eine Tradition, die verpflichtet.

Das Weihnachtskonzert des Stadtsingechores im Refektorium des Lutherhauses findet am Sonnabend um 16 Uhr statt. Sonntag steht ein Auftritt in der katholischen Kirche in Piesteritz auf dem Programm; Beginn ist hier um 15.30 Uhr.