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Aktion Aktion: Auf dem Kunstweg in Wittenberg

Von irina steinmann 20.08.2013, 20:31
Scherenschnitt zwischen Schaufensterpuppen. Bertram Freihube stellt Italien im Modehaus Eule aus.
Scherenschnitt zwischen Schaufensterpuppen. Bertram Freihube stellt Italien im Modehaus Eule aus. Klitzsch Lizenz

wittenberg/MZ - Was hat ein Friseur im Schaufenster? Eben, eigentlich nix. Und wenn er doch aber schöne große Schaufenster hat? Stellt er eben Kunst rein. Beim „Coiffeur Elegance“ in der Juristenstraße haben sie nicht lange gezögert, als die Anfrage kam. Jetzt zieren die schlanken, klaren Holzplastiken von Jürgen Pisarz die Auslage. Man beteilige sich zum ersten Mal an der Aktion „Kunstwege“, berichtet die Friseurin, Lebenslauf und Visitenkarte des Künstlers aus Bad Düben hat sie sofort zur Hand. Der Coiffeur ist das einzige Geschäft in der Juristenstraße, das sich dort in diesem Jahr auf den Kunstweg begibt. Dabei hat die Straße ein bisschen was Schönes bitter nötig: Zusätzlich zur Dauerruine „Kärnbach“ ist dort jetzt seit einer Woche auch noch Baustelle.

Ton in Ton

Vielleicht eine Stunde braucht man, um die 23 Stationen der Aktion „Kunstwege“ in der Altstadt abzugehen, dem Werbeslogan zufolge die „außergewöhnlichste Galerie Sachsen-Anhalts“. Das Zusammentreffen von Kunst und Kommerz in den Auslagen von Apotheken, Boutiquen oder eben beim Friseur fällt je nach Geschäft unterschiedlich aus. Bekleidungsgeschäfte wie I. G. Schneider haben Kunstwerk und Sortiment Ton in Ton aufeinander abgestimmt, so stehen die Kratzzeichnungen von Malschülern in Schwarz-Weiß etwa direkt neben schwarz-weiß-gemusterter Kleidung. Andere Modeläden auf den Kunstwegen halten es ähnlich.

Im Schuhhaus „Franke“ dagegen hat man die Fotografien von Heike Thes gar nicht erst ins Schaufenster gestellt, sondern hoch über den Schuhregalen im Inneren aufgehängt. Schuhe und Fotos, findet die Verkäuferin, passen irgendwie nicht zueinander. Ist ja auch ganz praktisch, wenn die Leute erstmal drinnen sind und all die schönen Schuhe sehen... Man sei zum zweiten Mal dabei und habe gute Erfahrungen damit gemacht, sagt die Schuhverkäuferin, allerdings würde sie sich wünschen, dass es, wie in den Vorjahren, wieder Fußwegmarkierungen, also eine Art roten Faden von Station zu Station gibt. 2013 markieren lediglich Wimpel die Geschäfte, die für drei Wochen auch Kunst im Angebot haben. Dass die Wimpel noch das Signet des vormaligen Organisators tragen - geschenkt.

Manchmal belebt die Kunst auch ehemalige Läden. Die Juwelierin Steffi Lohmann aus der Collegienstraße zum Beispiel ist dank der „Kunstwege“ gegenwärtig gleich dreimal in der Altstadt vertreten: In ihrem früheren Laden im Thalia-Haus am Markt hat die Noch-Mieterin den Blumen und Bäumen der Malerin Eveline Mehlhorn eine Heimstatt gegeben; Lohmann selbst stellt schräg gegenüber bei „Brillen-Wagner“ ihren selbstgestalteten Schmuck aus - imposante Ketten aus Lava, Bergkristall oder riesigen Perlen.

Galerien mit dabei

Dass auch Galerien mitmachen bei den „Kunstwegen“ 2013 ist vielleicht nicht originell - Kunst haben sie anders als die Friseure schließlich immer im Schaufenster - , aber vielleicht doch die eine oder andere Entdeckung wert. Das Galeriecafé „Augenschmaus“ in der Coswiger Straße ist selbst noch ganz neu und Künstlerin Ute Uhlmann vom Betreiber-Trio freut sich über jeden, der hereinschaut in das riesige Ex-Sportgeschäft. Vor der Tür sitzt eine Dame am Kaffeetisch, Uhlmann hat sie selbst gebaut.

Das Tier mit Menschlein von Christine Pfundt steht im „Augenschmaus“.
Das Tier mit Menschlein von Christine Pfundt steht im „Augenschmaus“.
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Der Friseur schmückt sich mit Holzplastik.
Der Friseur schmückt sich mit Holzplastik.
Klitzsch Lizenz