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Wenig Gäste im Notquartier

Von BÄRBEL SCHMUCK 18.02.2009, 19:13

WEISSENFELS/MZ. - 15 Jahren in der Markwerbener Straße 23 haben die Wände wohl keine frische Farbe mehr gesehen.

Ein Schlafsaal im Erdgeschoss des Hauses leuchtet inzwischen Orange. Und dort, wo sich auf gleicher Etage Duschkabinen befanden, soll eine größere Küche entstehen. Die Stadt Weißenfels hat das Gebäude an Frank Altermann, Chef des Weißenfelser Wach- und Sicherheitsdienstes (WSD), verkauft und ist nur noch Mieter. "Mit den Einnahmen finanzieren wir die Betriebskosten", sagt Altermann, während er durch das zweistöckige Villengebäude aus der Zeit um 1900 führt.

Zurzeit nutzt niemand von jenen, die ohne festen Wohnsitz sind, die auf der Straße leben oder sich als Berber auf der Durchreise befinden, das Haus als Übernachtungsquartier. Bis zu 40 Obdachlose könnten hier maximal übernachten, doch inzwischen sind es drei bis fünf, die im Schnitt pro Woche um Einlass bitten.

"Mit der kalten Jahreszeit hat die Resonanz nichts mehr zu tun", schätzt Altermann ein. Das sei vor Jahren noch ganz anders gewesen, schildert der 38-jährige Weißenfelser und erinnert an die ersten sechs Jahre des Bestehens der Einrichtung. 30 Männern und Frauen ohne festen Wohnsitz sei vor allem im Winterhalbjahr pro Woche ein Dach überm Kopf gewährt worden. Etliche "Stammgäste" seien, insbesondere aufgrund ihrer jahrzehntelangen Alkoholkrankheit, inzwischen verstorben. Während dieser Zeit arbeiteten hier noch Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes im Schichtdienst, ist von Amtsleiter Maik Trauer zu erfahren. Schrittweise sei das Haus, das täglich von 17 bis 22 Uhr Aufnahme gewährt und morgens zwischen 9 und 10 Uhr wieder zu verlassen ist, von der Stadt an den WSD übertragen worden. Die Zusammenarbeit sei gut, Bereitschaftsdienste würden rund um die Uhr abgesichert.

"In manchen Jahren war im Sommer mehr los als im Winter", weiß Altermann aus seinen Erfahrungen. "Die meisten Menschen, die auf der Straße leben, wollen gar nicht bei uns übernachten", erklärt er. "Sie sind Einzelgänger und schlafen lieber in leer stehenden Häusern oder in Parks", fügt er hinzu. Erst vor kurzem, als es so bitterkalt war, habe die Polizei einen über 40-jährigen Mann unter der Brücke aufgegriffen und ihn abends ins Wohnungslosenhaus gebracht. "Er wäre draußen erfroren", glaubt Altermann.

Angesichts der wenigen Übernachtungsgäste nutzt der Chef des WSD das Gebäude mit seinem Außengelände zum Teil für seine eigene 30-köpfige Firma als Zweigniederlassung. "Hier stehen unsere Fahrzeuge, hier können wir unsere Hunde unterbringen", sagt er.