Weißenfelser Flutopfer Weißenfelser Flutopfer: Sozialausschuss verteilt Spenden

weissenfels/MZ - Frank Taatz hält mühsam die Tränen zurück. Zusammen mit seinem Schwiegersohn Falko Schneider (42) sitzt der 65-jährige Weißenfelser unter den zahlreichen Gästen während der jüngsten öffentlichen Sitzung des Sozialausschusses des Weißenfelser Stadtrates. Beide Männer sollen für ihre Familien, die nach der Juni-Saaleflut dieses Jahres ihr Hab und Gut im Weg zur Marienmühle verloren haben, jeweils 3000 Euro an Spenden erhalten. „Ich habe noch nie so etwas erlebt, ich komme mir vor wie ein Bittsteller“, sagt Taatz bewegt.
Fast alles war zerstört
Die Familien sind persönlich ruiniert, Möbel und Hausrat sind zerstört, durchnässte Wände mussten neu verputzt und Fußböden herausgerissen werden, beschreibt der Weißenfelser. Das wiegt schwerer als die Situationen der von Flut betroffenen Vereine - darin herrscht Einigkeit im Ausschuss. Und auch die anwesenden Vereinsvertreter wie Wolfgang Wloch von den Schützen akzeptieren das. Deshalb sollen die Familien mehr Geld als Vereine bekommen, die sich ebenfalls mit ihren Anträgen an die Stadt gewandt haben. Bei den Spenden handelt es sich um Geld, das überwiegend Privatpersonen auf das Hochwasser-Spendenkonto der Stadt eingezahlt hatten.
„Die Summen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sollen aber jetzt und nicht erst Weihnachten die Not lindern“, lautet der Tenor während der Tagung. „Das Geld hilft uns enorm“, erklärt Frank Taatz. Es soll für ein neues Bad und für die Heizung eingesetzt werden. „Wir sind voll dabei, unser Zuhause wieder aufzubauen, machen vieles an Maurer-, Maler und Fußbodenarbeiten in Eigenleistungen“, sagt der Vater und Großvater. Die ganze Familie mit Frau, Tochter und Schwiegersohn sowie den drei Kindern beziehungsweise Enkeln, auch Freunde und Bekannte, seien mit eingespannt.
„Wir bereiten uns auf den zweiten Umzug vor, weil das Badezimmer komplett erneuert werden muss“, sagt Peggy Schneider. Aber nur vorübergehend für etwa zehn Tage werden die Schneiders eine möblierte Wohnung beziehen, während im Haus im Weg nach der Marienmühle das Bad gefliest sowie mit neuer Wanne und Dusche, Toilette und Waschbecken ausgestattet werde. Momentan sei es Baustelle.
Vor 20 Jahren eingezogen
Seit 1993 wohnt Familie Taatz, das sind die Eltern von Peggy Schneider, in ihrem Haus. Als ein Jahr später das erste Saalehochwasser kam, sei die Situation nicht so schlimm gewesen, wie dieses Jahr Anfang Juni. „Damals kam das Wasser und ging am selben Tag wieder“, erinnert sich Frank Taatz. In diesem Jahr hingegen habe die Familie und die seiner Tochter sechs Tage lang gekämpft und vorübergehend umziehen müssen, weil die Flut erbarmungslos zugeschlagen habe. „Wir sind dankbar für die Soforthilfe, die uns die Stadt kurz nach der Katastrophe gewährt hatte“, sagt Taatz.
Über die Solidarität der Frauen und Männer im Sozialausschuss und der Vereinsmitglieder freue er sich. „Ich fühle mich wie ein Bittsteller“, wiederholt er, „denn es gibt nach allem, was wir durchgemacht haben, auch viel Neid und Missgunst“, so Taatz. Und seine Frau und die Tochter bestätigen das. „Wir kriegen es im Alltag zu spüren, mehr möchte ich dazu nicht sagen“, erklärt Peggy Schneider. Die 41-jährige Mutter von drei Kindern im Alter von 13, 9 und fünf Jahren würde es am liebsten gar nicht veröffentlicht haben wollen, dass beide Familien jeweils 3000 Euro Spende in den nächsten Tagen erhalten werden.
Oberbürgermeister (OB) Robby Risch (parteilos) sieht das anders. „Bürger, die Geld für die Flutopfer gespendet haben, wollen, dass es in die richtigen Hände gerät - das trifft hier zu und wir sind verpflichtet offenzulegen, was mit den Mitteln geschieht“, versichert der Verwaltungschef. Ausschussvorsitzender Johannes Drewitz (Fraktion Landgemeinden/Bürger für Weißenfels) und Ilonka Struve, die als parteilose Stadträtin für die CDU im Ausschuss sitzt, pflichten dem OB bei.