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Weißenfels Weißenfels: Gestrandet in Weißenfels

Von ANDREAS RICHTER 27.05.2011, 19:37

WEISSENFELS/MZ. - Wenig später treffen sich die ersten Helfer vom DRK in der Zentrale in der Leopold-Kell-Straße, danach fahren sie zur Lagebesprechung an die Autobahn. Dort sind die Schüler alle wohlauf, fühlen sich allerdings, wie man sich eben fühlt mitten in der Nacht nach einem anstrengenden und erlebnisreichen Tag. Die 13- bis 15-Jährigen waren auf Klassenfahrt in Berlin, sind nun auf ihrer Zwölf-Stunden-Reise von der Hauptstadt zurück ins nordostfranzösische Nancy (Lothringen). "Plötzlich waren da laute Geräusche zu hören. Wir waren erst einmal ziemlich aufgeschreckt", schildert Lehrerin Laurie Thermes später jene Sekunden, als der Bus eine halbe Stunde vor Mitternacht plötzlich streikt.

Für Kai Siemon, den Leiter Technik beim DRK-Kreisverband, Marius Hantscher, Susanne Foret und einige andere Mitglieder beim Roten Kreuz wird schnell klar: Hier muss geholfen werden. Und die Maschinerie läuft an. Die Feuerwehr sorgt dafür, dass die Turnhalle am Kloster aufgeschlossen wird. Die Regionalverkehrsgesellschaft stellt einen Bus bereit, um die gestrandeten Franzosen nach Weißenfels zu fahren. Die rund zehn Helfer vom DRK legen in der Turnhalle Matten aus, holen Decken herbei und kochen Tee. Später am Morgen kommt ein Fahrzeug der Bäckerei Bobolowski vorbei und bringt frische Brötchen mit.

Nach einigen Stunden Schlaf in der Turnhalle am Kloster ist Laurie Thermes sichtlich beeindruckt: "Viele Helfer haben uns das Leben leicht gemacht. Wir sind allen wirklich sehr dankbar dafür." Ihre Dankbarkeit will unbedingt auch Helene Rouillon loswerden. Die zierliche 14-Jährige lernt seit sechs Jahren die deutsche Sprache. "Unser Bett war bequem und das Frühstück sehr lecker", sagt sie in gutem Deutsch und erntet heftiges Kopfnicken von ihren Mitschülern, die sich nach einer kurzen Nacht vor der Turnhalle versammelt haben. Vier Tage lang waren die Jugendlichen in Berlin, hatten dort tolle Erlebnisse. Da konnte noch keiner ahnen, dass die Rückfahrt nach Frankreich aufregende Stunden bereithält.

Kurz nach halb elf fährt am Freitag der reparierte Bus in der engen Saalstraße vor. Henri Knochenhauer sperrt mit der roten Kelle für kurze Zeit den Verkehr. Dann sind die Franzosen auch schon im Bus verschwunden. Doch noch einmal öffnen sich die Vorhänge. Und die Schüler winken ihren Helfern zu.