Weißenfels Weißenfels: Ein Sänger im Nahverkehr
weissenfels/MZ. - Direkt ungewöhnlich ist das Hobby nicht, aber ein wenig überrascht es schon, wenn man davon hört. Erich Engel, der neue Chef der Personenverkehrsgesellschaft (PVG) Burgenlandkreis, singt in seiner Freizeit. Und das nicht einfach so, sondern im Philharmonischen Chor am Theater Gera. "Diesen Ausgleich möchte ich auch nicht missen", sagt er. Da bekomme er den Kopf frei, hole sich Kraft für die Arbeit.
Und die Arbeit ist ja nicht ohne. Engel muss nicht nur schlechthin das Nahverkehrsunternehmen des Burgenlandkreises leiten, sondern auch dafür Sorge tragen, dass die Verschmelzung der zwei Gesellschaften, die es bis zum Ende des vorigen Jahres im Kreis gab, vor allem für die Kunden möglichst geräuschlos über die Bühne geht. "Nach rund vier Wochen ist die Zeit für eine Bilanz noch zu kurz", sagt er. Bislang laufe es aber gut.
Keine Linie zur Disposition
Mit geräuschlos meint Engel vor alle, dass keine Nachteile für die Benutzer des öffentlichen Personennahverkehrs aus der Fusion eintreten. Es stehen derzeit keine Buslinien zur Disposition. Eher gehe es darum, Verbesserungen einzuführen. Da denkt Engel zum Beispiel daran, etwa im Weißenfelser Stadtverkehr Buslinien so zu kombinieren, dass weniger umgestiegen werden muss. Gleichzeitig müsse geplant werden, wie man mit der Fertigstellung des Busbahnhofes in Weißenfels alles in den Griff bekommt. "Wir haben dann weniger Abfahrstellen als jetzt an der Promenade", stellt er fest. Da brauche man eine andere Planung.
Weitgehend geräuschlos, das gilt aber auch innerbetrieblich. Zwischen der früheren Regionalverkehrsgesellschaft mit Sitz in Weißenfels und der Personenverkehrsgesellschaft mit Sitz in Naumburg gab es ein paar Unterschiede. "Zwar sind etwa 95 Prozent aller Dinge mit entsprechenden Tarifverträgen geregelt, aber es gibt auch Sachen, die man neu gestalten muss", sagt Engel. Ein Beispiel ist die Vereinheitlichung der Software, etwa für den Fahrplan. Ein anderes die Handhabung der Regelung für das Tragen der Dienstkleidung oder auch der bislang unterschiedlich vorgegebenen Zeiten für die Busvorbereitung durch die Fahrer. "Da müssen wir schauen, ob wir Mittelwege finden oder andere Formen der Anpassung", sagt Engel.
Nicht alles zieht um
Anpassung ist auch ein Stichwort für die Personalplanung. "Allerdings, Personaleinsparung war nie erstes Ziel der Fusion", erklärt Engel. Er will sehen, wie auf dem Weg der natürlichen Fluktuation von Mitarbeitern Synergien geschaffen werden können. Definitiv werde es keine Personalreduzierungen im Fahrerbereich geben. Und auch wenn der Hauptsitz der PVG Burgenlandkreis Weißenfels ist, sei nicht angestrebt, alle Verwaltungsbereiche an einem Ort zu konzentrieren. "Wir werden in Weißenfels die Geschäftsführung und die kaumännische Leitung haben, aber zum Beispiel die Personalplanung bleibt in Naumburg", erklärt Engel.
Die Fusion von zwei Unternehmen zu führen, damit betritt der 52-Jährige, der von Beruf Sozialpädagoge ist, Neuland. Aber in Sachen Nahverkehr ist er ein alter Hase. Zuletzt war er seit 2003 bei den Verkehrsbetrieben in Gera als Abteilungsleiter tätig. Davor schon bei der Verkehrssparte von Veolia und beim Unternehmen Stadtbus Schwäbisch Hall. "Seit 1984 bin ich in der Branche tätig", sagt Engel.