Sehnsucht nach Leben Sehnsucht nach Leben: Warum Ehrenamtler regelmäßig schwer kranke Menschen besuchen

Weißenfels - Wenn Norbert Kübeck in die Weißenfelser Asklepios-Klinik kommt, dann kann es sein, dass er dort mitunter ganz banale Dinge tut. „Ich hab’ auch schon einfach mal ein Eis gekauft“, erzählt er. Der 60-jährige Vorruheständler gehört zu einem ehrenamtlichen Quartett, das sich jetzt in der Klinik einer besonderen Aufgabe verschrieben hat: Schwerkranke besuchen und ihnen, wenn auch nur für kurze Zeit, das ganz normale Leben ans Bett zu bringen.
„Der begleitende Gedanke wird bei der Betreuung der Patienten immer wichtiger. Doch Ärzte und Pflegepersonal sind im Klinikalltag oft voll eingespannt. Nicht selten können auch Angehörige diese Rolle nicht ausfüllen“, weiß Chefarzt Thoralf Lange, Leiter des Zentrums für Innere Medizin an der Weißenfelser Klinik. Umso erleichterter sei er, dass sich nun auch in Weißenfels ein kleiner Kreis ehrenamtlicher Besucher gefunden hat. Erwartet werden sie vor allem in jener Station, in der schwer kranke Tumorpatienten betreut werden.
Aus seiner eigenen Lebensgeschichte schöpft 65-Jähriger die Kraft
Werner Fekl ist einer der Besucher. Aus seiner eigenen Lebensgeschichte schöpft der 65-Jährige die Kraft, sich um schwer kranke Menschen zu kümmern. Seine Frau ist an einem Hirntumor gestorben. „Ich weiß, wie wichtig es ist, einfach nur da zu sein und zuzuhören“, erzählt der Vorruheständler über seine ersten Treffen. Manchmal spricht er aber auch mit dem Patienten einfach über das letzte Fußballspiel, spielt eine Runde Karten oder „Mensch, ärgere dich nicht“.
„Der ehrenamtliche Besuchsdienst ist ein zusätzliches freiwilliges und kostenfreies Angebot, kein professioneller psychologischer Dienst und auch keine Sterbebegleitung“, erklärt Johanna Böhne-Papke, Gemeindereferentin der katholischen Pfarrei St. Elisabeth in Weißenfels. Katholische Kirche und Weißenfelser Klinik haben gemeinsam das besondere Angebot aus der Taufe gehoben. „Für mich hat das etwas mit christlicher Nächstenliebe zu tun“, sagt Frank Knittel (59) zu seiner Motivation als ehrenamtlicher Krankenbesucher.
„Mit dem Angebot verbindet sich kein missionarischer Gedanke.“
Die Gemeindereferentin macht zugleich deutlich: „Mit dem Angebot verbindet sich kein missionarischer Gedanke.“ „Die Patienten haben eine große Sehnsucht nach dem normalen Leben“, weiß Annegret Majer vom psychoonkologischen Dienst der Asklepios-Klinik. Mal ein Eis essen, eine Frühlingswiese bestaunen oder auch eine Zigarette rauchen. Für kurze Zeit mal nicht Patient sein, das sei jenes Gefühl, das die ehrenamtlichen Besucher vermitteln wollen.
Alle vier Wochen trifft sich das Quartett, um über Erlebtes zu berichten. „Wir sammeln gerade erste Erfahrungen. Künftig wollen wir das Angebot auf andere Stationen ausdehnen“, sagt Gemeindereferentin Böhne-Papke. (mz)