Rückkehr in neue Räume
Weißenfels/MZ. - Ganz zurück ist Anke Koch noch nicht am Weißenfelser Amtsgericht, das sie 2005 verlassen hat. Noch gibt ihr Zimmer hier vor allem die Atmosphäre ihrer Arbeit wieder, kaum etwas von ihrer Persönlichkeit.
Auf dem Bücherpult ist ein Gesetzbuch aufgeschlagen. Stehend diktiert Anke Koch einen Brief in das Aufnahmegerät. Er muss schnell in die Geschäftsstelle, damit die Post rechtzeitig rausgeht. Ein langes flaches Regal ist voll mit roten und braunen Akten, die andere schon gefüllt haben. Sie sind für sie der rote Faden hinein ins Weißenfelser Gerichtsleben. Die Wanddekoration steht am Fußboden, der richtige Schreibtischstuhl ist noch nicht gefunden, ein großer Gummiball als alternative Sitzgelegenheit soll den Rücken stärken. Eine Woche nach Dienstbeginn in Weißenfels hat die Richterin die erste Verhandlung gehabt. Eine Zivilsache, für die bereits der Termin festgelegt war, als sie am 1. August den mittlerweile sechsten Arbeitsplatz in ihrem Berufsleben eingerichtet hat. Bis in den Dezember hinein stehen in ihrem Kalender bereits Verhandlungen in Bußgeldsachen.
"Es hat sich optisch in diesem Gericht viel verändert", freut sich die Richterin, in das frisch renovierte Gebäude in der Friedrichsstraße einziehen zu können, das sie verlassen hat, als ihr Ehemann Michael Koch hier Direktor wurde. Sie wurde damals als Richterin zum Amtsgericht Naumburg abgeordnet. Sie gewann dem Wechsel den Vorteil ab, dass sie an ihrem Wohnort arbeitete und so schneller in der Kindereinrichtung war, die Sohn Felix (4) besucht. Heute freut sie sich darüber, mit ihrem Mann die Zeit des Arbeitsweges gemeinsam verbringen zu können. Denn Zeit ist ihr wertvolles Gut, soll doch neben Arbeit und Familie auch immer noch welche für ihre Hobbys bleiben, fürs Finessstudio und Fahrradfahren, fürs Lesen schöner und interessanter Bücher und für ihre Literaturrunde, in der sich die Beteiligten gegenseitig Bücher vorstellen.
Am Amtsgericht Naumburg hatte Anke Koch vor allem über Betreuungs-, Nachlass- und Bußgeldsachen zu entscheiden. Im vergangenen Jahr hat sie dann die sogenannte Erprobung am Oberlandesgericht Naumburg absolviert. Was sie nach 13-jähriger Erfahrung in der Staatsanwaltschaft und vor allem an verschiedenen Gerichten beruflich am liebsten macht, dazu legt sich die 43-Jährige nicht fest. Solche Einschätzungen verändern sich durchaus, weiß sie. Denn sie erinnert sich noch gut daran, dass es ihr am Anfang ihrer Zeit als Richterin viel angenehmer war, in Zivilsachen zu entscheiden als in Strafsachen. "Die Verantwortung ist doch eine ganz andere", meint sie. In Zivilsachen gehe es vor allem um Geld, in Strafsachen müsse auch mit Freiheitsstrafen in das Leben von Menschen eingegriffen werden. "Man wächst in alle Aufgaben hinein", sagt Anke Koch und stellt sich gern jedem Gebiet.
In Weißenfels wird sie jetzt als Jugendschöffenrichterin, Richterin in Zivilsachen und Richterin für Ordnungswidrigkeiten gebraucht. Richter Harald Scholz ist jetzt zum Erprobungsjahr ans Oberlandesgericht gegangen. Da wurden die Aufgaben am Weißenfelser Amtsgericht neu verteilt. Drei Frauen und drei Männer sprechen in Weißenfels nun im Richteramt Recht.