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Rote Zaubernüsse und kreative Künstler

Von Yvette Meinhardt 29.11.2006, 19:23

Krauschwitz/MZ. - Ein Duft nach frisch gebackenen Plätzchen erfüllt die Caritas-Förderwerkstätten in Krauschwitz. Dazu passend erklingt ein vielstimmiger Chor und singt "Oh, es riecht gut". Bei den Behinderten der Wohn- und Förderstätte Schelkau weihnachtet es.

"Ich schlüpfe beim Krippenspiel in die Rolle des Königs", strahlt Manuel Ryschawy über das ganze Gesicht und freut sich auf den Auftritt in der Schelkauer Kirche. Er gilt in der Werkstatt als Allroundtalent, spielt nicht nur Theater, sondern wird als kreativer Geist geschätzt. Dem neuen Kalender der Förderwerkstatt hat er maßgeblich ein Gesicht gegeben. Sein Gemälde "Gesichter" (Wasserfarben auf Leinwand) ziert den Monat Februar.

Marcel Richter hat keinen guten Tag erwischt. "Es ist schon das vierte Bild, welches er voller Emotionen zu Papier bringt und allmählich wird er ruhiger", erklärt die Leiterin der Kunstwerkstatt Andrea Herburg. Malen als Therapie für Behinderte, Farben und Emotionen in freiem Lauf. Ungezählte Becher, manche mit Wasser, andere mit Farbe hat Marcel Richter vor sich aufgebaut. In weißem Kittel steht er vor der Staffelei und gestaltet mit dem Pinsel großzügige Farbflächen. Auf das Ansprechen von Fremden reagiert er unwirsch und wendet sich bewusst ab. "Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie die Künstler ihre Gefühle in ihren Werken verarbeiten", sagt Frau Herburg.

Sie selbst sieht sich als begleitende Assistentin, die gelegentlich mit den Akteuren über Techniken und Motive spricht, das Papier wechselt oder die Farbe reicht. Der große Wandfries im Haupthaus in Schelkau entstand ebenso unter ihrer Anleitung. Nebenan in der Töpferei funkeln schon Kerzen, Sterne und Glocken im warmen Kaminrot. Frank Pförtsch wohnt eigentlich im Zeitzer Heim am Knittelholz, doch zum Töpfern kommt er immer wieder gern nach Krauschwitz. "Die Grundform der Schale ist jetzt fertig, wird im Ofen gebrannt, dann lasiert und wieder gebrannt", erklärt Töpferin Katrin Gentsch die weitere Vorgehensweise. Auf dem Hof liegen bereits die Tannenzweige, die die Schale zum Adventsgesteck verwandeln soll. "Zaubernüsse" heißt das Geheimnis von Katja Junack.

Mit knallroter Farbe gestaltet sie diese passend für die Gestecke. Ungezählte kleine Baumanhänger sind bereits gebrannt und Brigitte Sander fädelt jetzt die Wollfäden zum Aufhängen ein. Beim Adventsgottesdienst in der Kirche erhält jeder Gast solch einen Anhänger.