Notfallambulanz in Weißenfels Notfallambulanz in Weißenfels: Der neue Schockraum ist schneller

weissenfels - Sylvia Kelling ist jetzt Triage-Schwester - übersetzt bedeutet das soviel wie Erst-Einschätzungsschwester - den ersten Tag, seit der Umgestaltung der Notfallambulanz im Weißenfelser Asklepios-Krankenhaus. Sie stellt den Patienten Fragen und bewertet ihren Zustand nach fünf Dringlichkeitsstufen. Das ist neu - so neu wie der Schockraum und der 64-Zeilen-Computertomograph (CT) im ersten Poli-Traumazentrum des Burgenlandkreises.
Der elfjährige Domenico ist einer der ersten, den Schwester Sylvia in Begleitung seiner Mutter Yvonne Hänel hereinbittet. Er hat nach einer Rangelei in der Schule Schmerzen in der linken Schulter bekommen, die nicht aufhören wollen. Er muss nicht lange warten, es ist wenig los am Tag der Übergabe des umgerüsteten Bereiches. „Das ist eher die Ausnahme“, spricht Ingo Böttcher aus Erfahrung. Der promovierte Internist und Oberarzt ist seit 15 Jahren Leiter der Notfallambulanz und muss es wissen. In Kooperation mit den Chefärzten der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Dr. med. Andreas Hellweger, und des Instituts für Radiologie, Dr. med. Ulrich Fritzsch, gewährt er Einblicke hinter die Kulissen. Es geht vorbei am neu geschaffenen Tresen in den Schockraum zur Versorgung schwerstkranker Patienten. Hier, im sogenannten Poli-Traumazentrum, wird zunächst der Kreislauf stabilisiert, ist von den Ärzten zu erfahren. Hier werde unter anderem entschieden, ob ein Patient sofort operiert werden oder auf die Intensivstation gebracht werden müsse.
„Von der Locke bis zur Socke“
Es bleibt spannend, denn Ulrich Fritzsch erläutert, was der nagelneue CT unter anderem alles kann. Untersuchungen könnten in viel kürzerer Zeit durchgeführt werden. „Wir haben vom sogenannten 16- zum 64-Zeiler umgerüstet, das bedeutet, der Neue ist viermal schneller“, sagt Fritzsch. Und er nennt noch weitere, damit verbundene Vorteile zur Optimierung der Arbeitsabläufe. Das Gerät garantiere ein höheres Vermögen der Bildrekonstruktion und sei bei der 3D-Darstellung wesentlich flinker. „Wurden vorher 15 Bilder pro Sekunde angefertigt, schafft der neue CT 35 Aufnahmen in der selben Zeit“, sagt der Radiologe. Die Dosis der Strahlen werde dabei um teilweise bis zu 60 Prozent pro Scan reduziert. Der CT ist mit einem Monitor und einer Liege für Patienten verbunden, die länger als die vorhergehende war und eine Belastung von maximal 227 Kilogramm, statt bisheriger 160 Kilogramm aushält. „Wir können Drainagen legen, Nervenwurzeln gezielt behandeln“, nennt Fritzsch Methoden. „Von der Locke bis zur Socke“ sei mit dem CT eine Menge möglich, am häufigsten Untersuchungen von Schädel, Brustkorb (Thorax) und Beckenbereich.
„Wir wollen mit der Optimierung der Arbeitsabläufe kürzere Wartezeiten für die Patienten erreichen“, sagt Klinik-Geschäftsführer Joachim Kröger. Etwa 14 bis 17 Minuten Wartezeit müssten für einen Patienten künftig normal und zumutbar sein. Allerdings hätten Schwerstverletzte beziehungsweise lebensgefährlich Erkrankte Vorrang. Würden diese Frauen oder Männer hinter den Kulissen zuerst versorgt, dauere das Warten in der Notfallambulanz für andere Patienten länger, was ihnen schwer zu vermitteln sei. „Die Umgestaltung am bisherigen Standort im Erdgeschoss war zwingend notwendig“, macht Kröger deutlich. Ein Bestellsystem werde es allerdings nicht geben, räumt er ein. Die Notaufnahme bleibe an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr ein Kulminationspunkt. Patienten kämen über unterschiedlichste Wege zum Versorgungsschwerpunkt: zu Fuß, in Begleitung im Krankenstuhl, mit dem Zubringer der Rettungsdienste oder mit dem Hubschrauber. Deshalb hätten Dringlichkeit und Schweregrad der Erkrankung Priorität, nach diesen Kriterien werde eingestuft und dann gehandelt. 21 000 Notfallpatienten wurden im Vorjahr versorgt. (mz)
