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Kurs gegen die Angst Kurs gegen die Angst: So will Grosskorbethaerin Menschen in der Pandemie helfen

Von Holger Zimmer 01.02.2021, 15:00
Sigrid Scherpiet vor dem Großkorbethaer Gesundheitszentrum
Sigrid Scherpiet vor dem Großkorbethaer Gesundheitszentrum Peter Lisker

Grosskorbetha - Sigrid Scherpiet ist mit ihrem dreijährigen Sohn Vincent zurück in Großkorbetha. Im Ort leben auch ihre Eltern Melanie und Siegfried. Hier ist sie aufgewachsen. Nun will sie sich in dem schönen Ort einbringen. Den Anstoß dazu gibt die Corona-Pandemie, die bei den Menschen große Ängste hervorruft. „Doch dagegen kann man etwas tun“, sagt sie. Die 36-Jährige ist mit dem Basketballsport groß geworden.

Neuropsychologin bietet Kurse zur Angst-Bewältigung an

Den hatten Mutter und Vater schon in Litauen gespielt, wo es deutsche Vorfahren gab. Als sogenannte Spätaussiedler sind sie dann 1993 nach Deutschland gekommen und wegen des Basketballs in Weißenfels gelandet. Insofern war man gleich integriert und auch sprachlich wurde es immer besser. „Einfach war es aber nicht“, bekennt Sigrid Scherpiet.

Sie kann den Menschen als Kursleiterin einen Weg aus der jetzigen Misere weisen. Einmal wöchentlich, zwei Monate lang, will sie als Kursleiterin Gruppen zwischen sechs und zwölf Teilnehmern im Sisu-Gesundheitszentrum in Großkorbetha anleiten. Die Kosten belaufen sich pro Termin auf 15 Euro, insgesamt also auf 120 Euro. Sigrid Scherpiet sagt aber: „Das klingt erst einmal viel, doch man sollte sich bei den jeweiligen Krankenkassen erkundigen.“

Kurse zur Stressbewältigung und Ängste in Seniorenheimen oder in Firmen möglich

Bis zu 80 Euro kann die Förderung betragen. Derzeit kann man sich anmelden und im März soll es unter Einbeziehung der Hygieneregeln losgehen. Übrigens sind die Kurse auch in Seniorenheimen oder in Firmen möglich. Stressbewältigung bezieht laut der 36-Jährigen verschiedene Faktoren ein. Da geht es um das Erlernen von Strategien zur Problemlösung und ein gutes Zeitmanagement, das helfen soll.

All das mündet darin, Belastungen zu vermeiden und die Gesundheit zu schonen. „Mir geht es darum, dass jeder die Kraft in sich entdeckt, die er dafür braucht. Denn eine positive Einstellung hilft gegen Depressionen.“ Dafür, dass der promovierte Mediziner Bastian Thate Räume in der Merseburger Straße in Großkorbetha zur Verfügung stellt, ist sie dankbar.

Mit Stipendium in der elften Klasse in den US-Bundesstaat Virginia um Basketball zu spielen

Sigrid Scherpiet weiß, von was sie spricht, weil ihr Weg durchaus nicht einfach war. Sie ging zur Sportschule in Halle und wurde in einem Trainingslager in Litauen von amerikanischen Basketballtalente-Suchern entdeckt. Sie erhielt ein Stipendium, ging nach der elften Klasse in den US-Bundesstaat Virginia, begann ein Psychologie-Studium und spielte mit Bosten (US-Staat Massachusetts) Basketball in der ersten Liga.

Doch dann kam das Aus: Im vierten Studienjahr musste sie nach einer schweren Verletzung mehrfach am Knie operiert werden und nach ihrer Rückkehr nach Deutschland nochmals. Damit ging der Traum von einer Basketball-Karriere zu Ende. Für Sigrid Scherpiet war es schwer zu verkraften, dass sie in Deutschland nicht, wie erhofft, in der ersten Liga auflaufen oder mal im Nationalkader stehen würde. Irgendwie musste sie aber mit dieser Situation klarkommen.

In Zeiten der Pandemie Menschen mit Ängsten helfen

Durch ihr Studium wusste sie natürlich, dass die Psyche die Menschen beeinflusst, sie von Gedanken und Emotionen gesteuert werden. Sie zitiert auf ihrem Flyer dann auch den Autor und Fotografen Jochen Mariss, der sagt: „Wenn wir uns von der Vorstellung lösen, es müsste immer so weitergehen wie bisher, dann laden uns plötzlich tausend neue Möglichkeiten zu neuem Leben ein.“ Statt einer Sportkarriere steuerte sie nun den akademischen Weg an. „Denn etwas wollte ich ja aus meinem Leben machen,“ sagt sie.

Einfach war es nicht, doch sie wurde wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Klinik, interessierte sich für die sogenannte Neurowissenschaft, die sich mit der Psyche des Menschen beschäftigt, machte ihren Master in Tübingen und promovierte in Zürich im Fach Neuropsychologie. Nun haben Ängste und Stress mit dem Coronavirus und den damit verbundenen Unwägbarkeiten zugenommen. Es ist eine Situation, in der Sigrid Scherpiet das gute Gefühl hat, helfen zu können.

››Anmeldungen montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr im Büro in der Lützener Straße 1 in Großkorbetha (Ex-Spezialmaschinenbau), telefonisch unter der 034446/90 29 10 oder per Mail an [email protected] (mz)