Keutschener Feier löst das Rätsel gespenstischen Tuns
KEUTSCHEN/MZ. - "Horch mal! Wie klingt das?" Als Bessert das eines schönen Tages im August in sein Handy sprach und dazu ein gleichmäßiges Tick, Tick ertönte, hielt es Peter Reck nicht mehr zu Hause. Der Hohenmölsener Uhrmacher war es nämlich, der das Feuer in dem Keutschener Schlosser entzündet hatte, das alte Uhrwerk aufzustöbern und wieder in Gang zu bringen. Nach jenem Telefonat wusste der Senior: Der Bessert schafft auch den Rest.
Seitdem am Sonnabend nun die Verbindung zum neu gebauten Ziffernblatt an der Ostseite des Kirchturms hergestellt wurde, ist das erwiesen. Und der letzte Keutschener weiß jetzt, dass keine Gespenster auf dem Kirchturm umgingen, und es auch nicht Tiere waren, die dort für seltsame Geräusche sorgten. Es war Volker Bessert, der 66-jährige Vorsitzende des Kirchspielrates, der baute, probierte, verwarf, von vorn begann und wieder austarierte. Das Urteil über das Ergebnis ist nicht nur bei dem Fachmann Peter Reck gut ausgefallen, sondern auch beim Denkmalschutz.
Doch: "Die halbe Minute am Tag werd' ich auch noch schaffen", sagte Bessert am Freitag ehrgeizig, durch feinste Veränderungen am Uhrpendel noch mehr Genauigkeit zu erreichen. Fast vier Tage läuft die Mechanik, bis sie neu aufgezogen werden muss. Und erreicht hat der Tüftler das mit zwei mal fünf Rollen, über die das Stahlseil für Uhrwerk und Schlagwerk läuft, bevor die Kraft der 106 Kilogramm schweren Gewichte aus Sandstein auf die Zahnräder wirkt. "Das war die schwierigste Aufgabe. Keiner konnte mir sagen, wie viele Rollen ich einscheren musste - und nur noch eine einzige von den alten Holzrollen war erhalten", erzählt der Bastler. So wenig wie möglich Gewicht dürfe doch auf die Lagerstellen wirken.
Heute sind die Rollen aus Stahl und das Seil, das früher aus Hanf bestand, ebenso. So hinterlässt das 21. Jahrhundert seine Spuren an einer Technik, die um 1700 schon auf dem Keutschener Kirchturm die Zeit angezeigt hat. "Und die Gemeinde spart ,Leine for Uhr' und ,Licht for Uhrmacher'", lacht Volker Bessert mit Anspielung auf alljährlich wiederkehrende Eintragungen in den Kirchenbüchern vergangener Jahrhunderte.