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Kein Schulranzen erfüllt die Norm

Von Yvette Meinhardt 13.06.2006, 17:53

Weißenfels/MZ. - Die Fachfrau von der AOK-Gesundheitskasse klärt auf: "Kinder sollen nicht mehr als zehn Prozent ihres Gewichtes auf dem Rücken tragen." Weil Jessica knapp über 20 Kilogramm wiegt, sollte ihr Ranzen etwa zwei Kilogramm schwer sein." Gemeinsam mit Jessica packt sie den Ranzen aus. Allein 1,5 Kilogramm wiegt die große Flasche mit Mineralwasser.

"So etwas habe ich in einer ersten Klasse noch nicht erlebt", sagt die Beraterin. Die Siebenjährige gesteht: "Ich trinke noch nicht einmal die Hälfte." Zwei Federmappen sind eine zu viel, außerdem kommen noch eine Packung Faserstifte, Malheft und dicke Sammelmappen für lose Blätter zum Vorschein.

"Den größten Teil der Hefter könnte Jessica ebenfalls in der Schule lassen. Wir haben extra Ablagen dafür", sagt Lehrerin Silvia Geck. Doch die kleine Jessica ist bei weitem kein Einzelfall. Auf die Frage, wer nur eine Federmappe im Ranzen hat, melden sich sieben von 14 Kindern. Am Ende der verschiedenen Messungen steht fest: Kein einziger Ranzen liegt im Normbereich. Sechs waren sogar doppelt so schwer. "Uns geht es nicht um vordergründige Belehrung, sondern um bewusste Einflussnahme auf das Bewusstsein von Eltern und Kind", sagt AOK-Pressesprecher Michael Schwarze. In der Klasse 1a das gleiche Ergebnis: Bei 14 Abc-Schützen wog der Ranzen das Doppelte des erlaubten Gewichtes. Immerhin einer war in der Norm.

Deshalb bekommen die Kinder als Hausaufgabe, dass sie gemeinsam mit Eltern, Großeltern oder älteren Geschwistern den Ranzen aussortieren. Zur gleichen Zeit untersucht Jan Marcus Mehlfeldt, ob die Trageriemen richtig eingestellt sind. Auch hier ein vernichtendes Urteil. Nicht ein Ranzen entspricht den Vorstellungen des Gesundheitsberaters. "Bei nahezu allen Kindern hängt der Ranzen zu tief. Er sollte nämlich genau auf Schulterhöhe sein. Bei Marc Heerwagen ist das nicht anders. "Außerdem sind die Riemchen unterschiedlich lang", stellt Mehlfeldt fest und korrigiert.