1. MZ.de
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Weißenfels
  6. >
  7. Jecken starteten einst im Saaletal

Jecken starteten einst im Saaletal

Von Holger Zimmer 17.01.2008, 21:46

Großkorbetha/MZ. - Bei Schenks ist Fasching noch immer Familiensache. Reiner Schenk stand schon als Fünfjähriger mit auf der Bühne. "Als Mädchen habe ich in der Gaststätte Saaletal am Feuer eines Zigeunerlagers gesessen", sagt der 43-Jährige beim Pressetermin anlässlich des 40. Jubiläums der Großkorbethaer Carnevals-Gesellschaft (GCG). Zu Hause sei in jener Zeit immer große Hektik gewesen, wenn Mutter die Kleider geschneidert und Vater auf der Klampfe für die Karnevalsstücke geübt habe.

Er selbst war mit Zahnlücke als Kinderprinz dabei und heute mischen auch seine beiden Jungen mit. Reiner Schenk spielt gemeinsam mit Matthias Kuhlert (42) als "Original Oberkrainer". Da werde natürlich in jeder Saison etwas anderes präsentiert. Und Schenk ist außerdem Büttenredner. An der Nummer feile er mit seinem Nachbarn das ganze Jahr. Da würden Stichpunkte gemacht, meist mehrfach alles wieder über den Haufen geworfen und Wochen vorher intensiv geprobt.

Mit dabei ist Gründer Theo Schenk noch bei manchen Veranstaltungen, obwohl er nach einem Schlaganfall gehandicapt ist. Der 78-Jährige hat den Karneval 1968 aus der Taufe gehoben und ist heute Ehrenpräsident der GCG. "Als ich damals im Spätsommer die Fußballer in der Gaststätte singen hörte, habe ich sie angesprochen, ob sie beim Karneval mitmischen würden." 25 Ehepaare und zwei Alleinstehende waren dabei und am 11.11. gab es die Premiere für den großen Fasching. Und da der Gesang eine große Rolle spielte, gründete der Musiklehrer gleich noch einen gemischten Chor. Bis dahin hatten Bauern, Frauenorganisation, Jäger und andere die Fünfte Jahreszeit unter sich gefeiert. Ab '68 sei der Karneval gewachsen. Rund 70 Mitwirkende waren aktiv und begeisterten die Massen.

Inzwischen steht Werner Greifenhan (56) an der Spitze der Jecken. Weil er in Leuna arbeitete und seit 1986 in Großkorbetha wohnt, fand er fast zwangsläufig zum Karneval. Er wirkte im Männerballett, sang den "Eiermann" mit, kam in den Elferrat und ist seit 1989 im Vorstand. Die tollen Tage, fanden erst im Saaletal, dann im ehemaligen Kulturhaus und finden derzeit in der Turnhalle statt. Und die Veranstaltung wuchs immer weiter. Immerhin sind mit den "Früchtchen", dem Kinderballett und den "Heißen Funken" zahlreiche Tänzerinnen im Einsatz und mit den "Knorpelkirschen" präsentieren sich Frauen im besten Alter. Nicht selten dauert das Programm zweieinhalb Stunden und länger. Kathrin Reinhardt (29) hatte als junges Mädchen mit dem Karneval nicht viel am Hut. Erst mit der Wende wurde sie aktiv, als einige Arbeitsgemeinschaften zerfielen. Mit anderen wurde sie von Silvia Gutknecht als Tänzerin geworben. Heute schwingt sie bei den "Heißen Funken" die Beine und ihre Tochter Luisa mischt bereits im Kinderballett mit. Da herrsche Ausnahmezustand in der Familie und auch die Kleine dürfe schon mal länger aufbleiben. Ina Schulz (37) ist gelernte Schneiderin und sorgt für manches der Kostüme auch beim Männerballett. Es werde umgeändert und passend gemacht, denn auf manches aus dem Fundus könne nach einigen Jahren wieder zurückgegriffen werden. Sogar an der Bühnendekoration legt Frau Schulz Hand an.

Selbstverständlich läuft alles streng geheim ab und wird erst mit der Auftaktveranstaltung öffentlich. Matthias Kuhlert (42) sagt deshalb: "Es kribbelt ganz schön, wenn man nicht weiß, ob alles ankommt." Warum sie sich beim Karneval engagieren? "Da ist man reingewachsen und hat Spaß dran", sagt Ina Schulz. Reiner Schenk äußert: "Das ist wie ein Ausgleich zum Alltag und lenkt von der Arbeit ab." Und Andreas Gutknecht, der mit dem Akkordeon als einer der "Korbethschen" dabei ist, verweist darauf, dass man in der Vorbereitung viel Freizeit opfere und alles so lange übe, dass man am Ende nicht mehr darüber lachen könne. Aber den Spaß wollen die Akteure ja schließlich auch vor die Bühne tragen.

Auftaktveranstaltung ist am 26. Januar ab 20 Uhr in der Turnhalle.