Gute Seele der Landsportgemeinschaft Gute Seele der Landsportgemeinschaft: Goseckerin erhält Ehrenamtsurkunde für Engagement

Goseck - „Wissen Sie, was mich am meisten aufregt? Wenn die Fußballer ihre Stutzen beim Ausziehen umkrempeln und der Dreck dann innen ist und ich ihn in der Waschmaschine habe.“ Klar, dass Irmgard Paul das nicht mag. Denn die 74-Jährige ist die gute Seele der Landsportgemeinschaft Goseck, wäscht nach den Spielen nicht nur die Stutzen, sondern auch die Trikots der Kreisliga-Fußballer und des Alte-Herren-Teams. Auf diese Weise hat sie ihren Mann schon immer unterstützt.
Gute Seele der Landsportgemeinschaft erhält Urkunde
Für ihr jahrzehntelanges Engagement ist sie jetzt nachträglich vom Präsidenten des Kreisfußballverbandes, Thomas Reichert, mit der Ehrenamtsurkunde geehrt worden. Als eine von 270 Frauen und Männern deutschlandweit und als einzige im Landkreis. Allerdings hat sie die offizielle Auszeichnung erst jetzt erhalten. Sie hatte nämlich im Vorfeld der Ehrung den Rasen am Spielfeldrand abgestochen, damit sich das Feld leichter mähen lässt. Bei den kühlen Temperaturen war sie ins Schwitzen gekommen und krank geworden.
Deshalb verpasste sie sowohl die Stadtrundfahrt in Berlin als auch das Spiel von Hertha BSC gegen Stuttgart sowie die Übernachtung mit den Ausgezeichneten. Irmgard Paul stammt aus Altenburg und hatte Melkerin gelernt. Dann hatte es sie während einer Jugendinitiative nach Mecklenburg verschlagen und anschließend war sie mit Bekannten nach Goseck gekommen, wo sie ihren Mann Udo kennenlernte. Später arbeitete sie in der Rinderanlage, zog ihre zwei Kinder groß und half beim Bau des Eigenheimes mit, in dem das Ehepaar immer noch lebt. Sie sagt: „Ich war in Bewegung und bin es heute noch.“
„Als Rentnerin hatte ich nun mehr Zeit für den Sportplatz“
Arbeit hatte sie stets und als die Genossenschaft nach der Wende dicht machte, schulte sie um. Als sie keinen Job fand, drängelte sie auf dem Amt: „Dann lassen sie mich die Straße kehren.“ Sie bekam einen Job im Garten- und Landschaftsbau, doch mit 62 Jahren war wegen ihres Alters Schluss. „Als Rentnerin hatte ich nun mehr Zeit für den Sportplatz“, gewann sie dem Ruhestand eine gute Seite ab. Was ihr am meisten wehtut, ist, dass ihr Enkel als Bundeswehrangehöriger in Mali stationiert ist. „Da habe ich schon etliche Tränen vergossen.“
Doch neben der Haus- und Gartenarbeit gibt es ihr Halt, dass sie den Gosecker Sportplatz und sein Umfeld in Ordnung halten kann. Dort wischt sie die Kabinen und bringt die Ballfangnetze an. Auch der Trimmplatz gehört zum Arbeitsbereich. Und einen zweiten Effekt hat die Arbeit: „Ich habe meinen Mann im Auge.“ Denn der hat schon zwei Herzinfarkte überstehen müssen.
74-Jährige Goseckerin denkt nicht ans Aufhören
Auch wenn sie während der Arbeit am Waldsportplatz nicht so sehr auf die Gosecker Spiele achtet, liebt sie die Sportart. Vor allem die Begegnungen von Erstligist Leipzig schaut sie mit ihrem Udo gern an und sagt: „Das ist bequemer, als zu den Spielen zu fahren.“ Und sie bewundert, wie sich das junge Team in die Spitze gearbeitet hat. Überhaupt schaut sie außer Autorennen alle Sportarten.
Irmgard Paul sagt, dass die Würdigung sie sehr gefreut hat. Im Rahmen der Ehrung habe sie dann übrigens versprochen, noch einige Zeit aktiv zu bleiben und ihren Mann zu unterstützen. Denn Nachfolger seien ohnehin nicht in Sicht. Und sie bekennt, dass sie neben der jetzigen Auszeichnung auch mal ein Dankeschön von den Fußballern bekommt. (mz)
