Gründungsmitglied spielt noch mit
GOSECK/MZ. - Die 23-jährige Markröhlitzerin arbeitet als Erzieherin und gehört seit vier Jahren zum Ensemble.
Der Großvater und die Eltern haben hier schon gespielt und die Cousins tun dies noch immer. Sie ist eine, die in Musik immer die Bestnote erhielt, wie sie zugibt. Sie kam also fast zwangsläufig zur Kapelle und singt aushilfsweise auch in der Band "Da Capo". Dort bringe man Moderneres im Gegensatz zur Schalmeie, doch das sei für sie kein Problem. "Es ist immer lustig. Wenn wir unterwegs sind, ist etwas los."
Jana Denk drückt zwar den Altersdurchschnitt, ist aber längst nicht das jüngste Mitglied. Denn Bernd Wunder, der in Weißenfels wohnt und dem Klangkörper mit Unterbrechungen seit 30 Jahren die Treue hält, hat vor einiger Zeit seinen Neffen Florian Becher mit zu den Übungsstunden gebracht. Nun sagt der Onkel: "Er ist sehr musikalisch, spielt bei Christine Kossmann in Uichteritz Gitarre sowie Flöte und zu Hause noch Keyboard." Außerdem zeige er schon den Neuen die Grundbegriffe an der Gitarre. Und bei den Übungsstunden der Schalmeienkapelle spiele er bereits mal statt Alt das größere Bariton-Instrument.
Rolf Goldbach ist als einziges Gründungsmitglied mit 86 Jahren immer noch aktiv. Der Gosecker räumt aber ein: "Mit der Luft habe ich keine Probleme, doch marschieren kann ich nicht mehr mit, bin jedoch noch bei Platzkonzerten dabei." Der Senior war als Zehnjähriger schon musikalisch präsent, als im Ort ein Spielmannszug gegründet wurde und schlug auch die Trommel beim ersten und zugleich letzten Schützenfest vor dem Zweiten Weltkrieg 1939. Als dann die Gesellschaft für Sport und Technik gegründet wurde, war er später - 1959 eben - dabei, als die Schalmeienkapelle ins Leben gerufen wurde. Das war im Februar und am
1. Mai spielte sie beim Umzug von Goseck nach Markröhlitz. 1960 schulte sie außerdem auf Blasinstrumente um und der Senior blies die dritte Posaune.
Bis 2006 war Rolf Goldbach selbst noch der Chef, bevor er den Stafettenstab weitergab. Seitdem ist Wolfgang Oelke für das Organisatorische, Heinz-Günther Kloß fürs Musikalische und Harald Müller fürs Finanzielle zuständig. Goldbach kann noch von Zeiten erzählen, als ein Instrument 60 Mark kostete, während man heute die fünffache Summe allein für eine Überholung aufbringen muss. Wenn diesen Sonnabend ab 10 Uhr der Fanfarenzug Hohenmölsen und die Schalmeienkapelle Pretzsch zu Gast sind, dann freut sich auch der 86-Jährige auf das Ereignis und sagt: "Das ist doch mal was Besonderes." Immerhin wird das Jubiläum im Rahmen des 37. Weinbergfestes gefeiert.
Dass die Schalmeienkapelle immer auch Familiensache war und ist, dafür stehen zum Beispiel die Namen Oelke und Kneist. So hat Wolfgang Oelke vor gut zehn Jahren den Stafettenstab von seinem Sohn übernommen. "Als er aufhörte, haben sie gesagt, dass ich dann eben mitmachen sollte, schließlich spiele ich ja Gitarre."
Und Brigitte Kneist wechselte 1973 vom Uichteritzer Jugendblasorchester zur Gosecker Schalmeie. Eigentlich sei das recht einfach gewesen, weil die jeweiligen Stimmen unterlegt seien und man sich nur konzentrieren müsse, um sich nicht zu verspielen. Als sie hingegen vor einigen Jahren mal wieder zur Trompete gegriffen habe, war das viel schwieriger, weil die Töne mit Mund und Mundstück zu erzeugen sind. Seit Jahren spielt auch ihre Tochter Jaqueline (29) mit und seit fünf Jahren deren Freund Matthias Wache (33). Der sei die Jahre zuvor bei den Auftritten immer dabei gewesen, so dass er kein Problem damit hat, mit Pauke und Becken den Takt vorzugeben. Brigitte Kneist betont, dass selbst die Partner bei den geselligen Runden, zu denen man zusammenkomme, dabei sind und mitunter sogar, wenn die Kapelle beim Seniorensportfest, Dorffesten oder Feuerwehrjubiläen auftritt.