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Gedenken an vier jüdische Schicksale

Von BIRGER ZENTNER 13.04.2009, 15:57

WEISSENFELS/MZ. - So war es für den Professor aus Ilmenau schon ein ergreifender Moment, als am Sonnabend für seine Großmutter Emma Murr und seinen Onkel Rudolf Murr je ein Stolperstein vor dem einstigen Wohnhaus gelegt wurde. "Ich bin dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die sich der Schicksale annehmen", sagte Schramm. Dass man sich damit beschäftige, vergrößere die Chance, dass sich solche Grausamkeiten nicht wiederholen.

Anfang mit 17 Jahren

Menschen wie Enrico Kabisch vom Weißenfelser Simon-Rau-Zentrum sind es, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die schlimmen Schicksale jüdischer Mitbürger in der Zeit der Nazidiktatur nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Aber auch Schramm selbst hat nicht zuletzt anhand der eigenen Familie geforscht und die Ergebnisse in seinem Buch "Ich will leben" festgehalten. Er habe schon als 17-Jähriger 1961 begonnen, sich damit zu beschäftigen, sagte er gegenüber der MZ. "Ich habe mich an Überlebende in Israel, Australien und den USA gewandt", erzählte er. Sie haben ihm Dokumente überlassen. Unter anderem deren Inhalte mündeten in sein 2001 erschienenes Buch.

Bis 1957 wohnte die Familie noch in Weißenfels. Schramms Mutter hatte den Holocaust überlebt. Als 1961 über den Prozess gegen den Planer der Judenverfolgung und der Judenmorde Adolf Eichmann berichtet wurde, hatte Schramms Mutter im Fernsehen einen Klassenkameraden wiedererkannt. Das war damals für den 17-Jährigen Jungen der Anstoß, sich der sehr persönlichen Geschichte anzunehmen.

Den Kontakt in seine Heimatstadt hat Schramm aber nie verloren. Unter anderem war er im vorigen Jahr Gast von Viertklässlern der Montessori-Schule. Sie hatten sich mit jüdischen Schicksalen in Weißenfels beschäftigt. Und sie sind es auch, die die Patenschaft über einen der am Sonnabend von Gunter Demnig gelegten Stolpersteine in der Feldstraße 18 übernommen haben. Der traurige Tod des erst sechs Jahre alten Bernd Wolfsohn, der wegen verweigerter ärztlicher Hilfe sterben musste, hatte sie ganz besonders berührt.

Projektwoche in der Schule

"Wir haben uns in der Schule mit dem Tagebuch der Anne Frank beschäftigt und dabei festgestellt, dass das durchaus ein Thema für die Kinder in der dritten und vierten Klasse ist", sagte Lehrerin Antje Dobisch. Daraus erwuchs die Idee der Projektwoche, die das Schicksal von Juden in Weißenfels als Thema hatte. "Wir wollen das auch in den nächsten Jahren beibehalten", erklärte Schulleiterin Conny Lucks.

Die Aktion "Stolpersteine" gibt es bundesweit. Bisher wurden schon mehr als 15 000 solcher Steine mit den Messingplatten vom Kölner Bildhauer Gunter Demnig gelegt, der Initiator der Aktion ist. Weißenfels war im vorigen Jahr die 335. Kommune, in der er solche Steine verankerte. Zeitz, Merseburg, Halle, Leipzig, Delitzsch und Altenburg sind weitere Orte in der Region, in denen Demnig bereits tätig geworden ist.