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Frühjahrsputz vor Ostern im Keutschener Kleinod

Von PETRA WOZNY 10.03.2010, 18:01

KEUTSCHEN/MZ. - Sie ist nicht gleich zu sehen, doch von ihrem Turm aus hat der Betrachter einen einzigartigen Blick in das Hohenmölsener Land. Sie zählt zu den Kleinsten in der Einheitsgemeinde Hohenmölsen und ist dennoch eine Große: Die romanische Kirche von Keutschen ist 810 Jahre alt und ein echter Hingucker. In Keutschen leben rund 200 Menschen. Neben einer Außenstelle des Jugendzentrums "Am Wasserturm" ist die Kirche der einzige Anlaufpunkt für die Menschen. Die Gaststätte ist zu, einen Laden gibt es nicht mehr.

In diesen Tagen macht Volker Bessert rein Schiff im Kirchenschiff, auch wenn nur alle paar Wochen ein Gottesdienst in der Kirche stattfindet. Die Strohsterne wandern in eine Kiste, der hoch gewachsene Christbaum vor die Tür. Es wird gekehrt und Staub gewischt. Während der Keutschener Frühlingsgrün drapiert, denkt er noch einmal an die Festtage zurück. "Wir sind nur 20, höchstens 30 Mitglieder der evangelischen Kirche in Keutschen. Zum Weihnachtsfest stehen die Besucher jedoch in Zweierreihen auf dem Rang", erzählt der 67-Jährige. Bessert und viele Keutschener sind froh, die Kirche im Dorf zu haben. Nicht irgendwie, denn gut erhalten dazu. "Gleich nach der Wende haben wir die Gunst der Stunde genutzt und bekamen reichlich Geld für eine vollständige Sanierung des romanischen Chorturmes.

2004 spendet Christian Zech vom örtlichen Steinmetzbetrieb der Kirche sein Meisterstück: einen Taufstein. "Als Meisterstück wollte er nicht irgendeine Plastik für den Garten, sondern etwas mit Sinn und Zweck machen. Wir fanden es großartig, dass wir solch ein geschmackvolles Unikat von ihm erhielten", erinnert sich Bessert. Das erste Kind, das über dem aus Sandstein gefertigten Kunstwerk getauft wurde, war der Sohn des Steinmetzes. Auch im vergangenen Jahr habe in der Kirche eine Taufe stattgefunden. Jahre her sei es allerdings, dass eine Hochzeit vor dem Altar stattfand.

Vor zwei Jahren bekam das Haus seine Uhr zurück. In mühevoller Arbeit hatte Bessert sie oder besser gesagt den achtlos verstauten Haufen Schrott wieder aufgemöbelt. Einmal stündlich läutet es im Dorf. Damit die Keutschener auch wissen, was ihnen die Stunde schlägt, stiefelt Volker Bessert zweimal in der Woche bis in den Kirchturm hoch, um das Uhrwerk mit seinen zwei fast 110 Kilo schweren, steinernen Gewichten aus dem

18. Jahrhundert aufzuziehen. Das macht er gern und zufrieden betrachtet er die fast 300 Jahre alte Kanzel, die Eichentür aus dem Jahr 1830 und die neuen Fußbodenziegel im Chor. Irgendwann soll eine Heizung die Besucher des Gottesdienstes erwärmen. Vorerst öffnet der Senior die Tür zum Kirchplatz, um die Frühlingsluft hereinzulassen, denn draußen ist es wärmer als in der Kirche.