Deeskalation Deeskalation: Caritasmitarbeiter lernen Konflikten richtig begegnen
schelkau/MZ. - Im Haus "Wind" der Caritas Wohn und Förderstätte "Julius von Pflug" haben zwölf Mitarbeiter der Behinderteneinrichtungen aus Burgkemnitz (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) und Schelkau von Montag bis Mittwoch die Schulbank gedrückt. Sie lernen in den kommenden sechs Monaten an jeweils drei Tagen, wie man grenzwertige Situationen im Umgang mit körperlich und geistig behinderten Menschen frühzeitig erkennen, sie verhindern oder ihnen im Notfall auch begegnen kann, ohne dabei jemanden zu verletzen.
"Wir haben in unseren Einrichtungen in zunehmendem Maße Bewohner mit abweichendem Verhalten", berichtet Bernhard Maier. Der 53-Jährige ist seit 30 Jahren im sozialen Bereich tätig und leitet die Einrichtungen der Caritas-Trägergesellschaft St. Mauritius Magdeburg in Schelkau und Burgkemnitz. Es komme teilweise zu massiven Angriffen behinderter Bewohner auf ihre Betreuer. Da werde schon mal gewürgt und geschlagen, spricht der erfahrene Sozialpädagoge über ein Problem, das seiner Meinung nach zu selten in der Öffentlichkeit thematisiert wird. "Ein Mensch mit geistiger Behinderung kennt oft keine Grenzen. Er kann sein Verhalten nicht immer steuern und bringt dadurch sich, aber auch andere in Gefahr", stellt Bernhard Maier fest. Die Caritas-Trägergesellschaft wolle dieses Thema ganz bewusst nicht tabuisieren, sondern ihm durch Wissensvermittlung begegnen, erklärt der Wohnstättenleiter.
Für die fünf Behindertenhilfe-Einrichtungen der Caritas-Trägergesellschaft in Beetzendorf, Dingelstädt, Halberstadt, Burgkemnitz und Schelkau wird es ab sofort ein so genanntes Deeskalationstraining geben. Speziell dafür wurden Maxi Schulze und Katja Uhrig, zwei Mitarbeiterinnen aus Schelkau und Burgkemnitz, im Prodema-Institut Dielheim, einer auf Deeskalationsmanagement spezialisierten Einrichtung, geschult. In den kommenden Monaten werden sie ihr Wissen an andere pädagogische Mitarbeiter und Betreuer der Caritas-Behinderteneinrichtungen weitergeben. Zum Beispiel auch an Uwe Sturm, der seit drei Jahren als Betreuerhelfer in der Wohn- und Förderstätte Burgkemnitz tätig ist. "Ich finde diesen Kurs sehr gut. Bisher bin ich mit bestimmten Situationen anders umgegangen. Jetzt habe ich eine andere Sichtweise auf die Dinge, kann schon vorher erkennen, ob eine Spannungsphase entsteht, wie ich sie verhindern oder ihr begegnen kann", sagt er. Auch Inge Strien, die in der Werkstatt für Behinderte am Zeitzer Knittelholz arbeitet und 1998 in der Wohnstätte Schelkau angefangen hat, ist begeistert. "Ich habe schon oft schwierige Situationen erlebt und auch Fortbildungen. Das hier ist aber anders. Es gibt praktische Übungen, und wir lernen Griffe, mit denen wir uns und die Behinderten im Notfall schützen können. Die beiden jungen Frauen hier machen das wirklich prima", lobt die erfahrene Teamleiterin.
Das bestätigen alle zwölf Teilnehmer des ersten Trainings in Schelkau. Der Deeskalationskurs habe noch einen besonders positiven Nebeneffekt, erzählen sie. Man lerne einander kennen und könne Erfahren austauschen.
Maxi Schulze und Katja Uhrig haben in den kommenden Monaten ein großes Arbeitspensum zu bewältigen. Denn sie müssen ihr Wissen von Februar bis August an insgesamt 120 Mitarbeiter der fünf Caritas-Einrichtungen weitergeben. Bange ist ihnen davor nicht. Sie empfinden die Fortbildungsstunden mit ihren Kollegen und Kolleginnen als Bereicherung. Bisher seien deren Reaktionen auf Fallbesprechungen, Filmpräsentationen oder auch Situationstraining durchweg positiv, berichten sie.
Mehr Informationen zur Caritas-Trägergesellschaft gibt es im Internet.