„Comics sind meine Ausdrucksart“

„Comics sind meine Ausdrucksart“: Wie Weißenfelser zu einem bekannten Zeichner wurde

Weißenfels - Andreas Martens hatte sich gefreut, in diesem Jahr endlich seiner Geburtsstadt einen Besuch abzustatten. Denn von der Buchmesse in Leipzig wäre es nicht weit bis nach Weißenfels gewesen. Doch die Corona-Pandemie hatte dem in Frankreich lebenden Comic-Zeichner im Frühjahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Leipziger Buchmesse wurde abgesagt und damit auch sein Besuch in der Kleinstadt an der Saale.In Weißenfels dürfte der Name Andreas Martens wenigen etwas sagen. In Comic-Kreisen aber ist der Zeichner schon länger eine feste ...

Von Alexander Kempf

Andreas Martens hatte sich gefreut, in diesem Jahr endlich seiner Geburtsstadt einen Besuch abzustatten. Denn von der Buchmesse in Leipzig wäre es nicht weit bis nach Weißenfels gewesen. Doch die Corona-Pandemie hatte dem in Frankreich lebenden Comic-Zeichner im Frühjahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Leipziger Buchmesse wurde abgesagt und damit auch sein Besuch in der Kleinstadt an der Saale.
In Weißenfels dürfte der Name Andreas Martens wenigen etwas sagen. In Comic-Kreisen aber ist der Zeichner schon länger eine feste Größe.

Von Weißenfels nach Eisenach nach Frankreich

Schließlich hat er seit den 1970er Jahren bis heute schon rund 70 eigene Bücher veröffentlicht. Erschienen sind diese zunächst vornehmlich in Frankreich. In den vergangenen Jahren aber wurden mehr und mehr Werke von Andreas Martens in seine eigene Muttersprache übersetzt und können nun auch in seiner Geburtsstadt Weißenfels gelesen werden.

An die hat der Künstler keine eigenen Erinnerungen mehr, erzählt der 69-Jährige am Telefon. Wie auch? Nach seiner Geburt haben seine Eltern nur noch wenige Monate mit ihm hier gelebt, ehe der Vater vom Weißenfelser Krankenhaus an das in Eisenach wechselte. In der Kleinstadt in Thüringen verbrachte sein Sohn nach eigenen Worten eine glückliche Kindheit.

Leidenschaft zum Beruf zu machen: Weißenfelser wird Comic-Zeichner

Als der Druck auf den Vater aber stieg, weil dieser nicht in die Sozialistische Einheitspartei (SED) eintreten wollte, entschied sich die Familie, in die Bundesrepublik zu flüchten.
Statt der Abenteuergeschichten der Digedags in den Mosaik-Heften, schaute sich der junge Andreas Martens nun Comics von Superman und Batman an. Zunächst wollte er noch Architekt werden. Doch seine kleinen Comics über Mitschüler und Lehrer wurden mit der Zeit stetig besser.

Und irgendwann reifte die Idee, die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Schließlich waren die Comics immer eine Konstante in seinem Leben gewesen. „Sie haben mich von Anfang an angezogen“, verrät Andreas Martens. Also entschied er sich Anfang der 1970er Jahre schließlich für ein Zeichenstudium im belgischen Brüssel, erhielt dort später das Angebot an einem ersten Comic mitzuwirken und rutschte so nach und nach in eine Karriere als Zeichner.

Mit Kreativität und Disziplin zwei Comic-Bücher pro Jahr

Er habe das große Glück gehabt, immer weiter machen zu dürfen, ohne dass ihm andere Vorschriften gemacht hätten, erzählt der 69-Jährige. Ein kleines, aber ungemein treues Publikum habe ihn stets unterstützt. So sei ihm gelungen, was heute für die Jüngeren immer schwieriger werde, nämlich von seiner Kunst zu leben. Mit viel Kreativität und Disziplin entstehen im Schnitt zwei neue Bücher pro Jahr. 

Dafür wird zunächst über Jahre die Geschichte ausgearbeitet und dann in wenigen Monaten gezeichnet. Nicht in Deutschland, sondern in der Bretagne. Seit 1978 lebt Andreas Martens in Frankreich, nach wenigen Jahren in Paris zog es ihn in den Nordwesten des Landes, wo er sich bis heute wohlfühlt. In Deutschland wäre eine Karriere als Comic-Zeichner wohl ungleich schwieriger geworden.

Frankreich ebnete kulturell den Weg für Comic-Zeichner 

Denn in Frankreich hätten Comiczeitschriften schon vor dem Krieg zur Kinderliteratur gezählt. Später habe der große Erfolg von Asterix dem Medium zu nationaler Popularität verholfen. Und dass Comics eine so populäre Kunstform waren und sind, das habe ihm immer gefallen, berichtet Andreas Martens.

Würde sich der gebürtige Weißenfelser wünschen, dass auch seine Stoffe mal als große Blockbuster in die Kinos kommen - wie zuletzt so viele Helden der amerikanischen Comic-Schmiede Marvel? Finanziell wäre das sicher schön, räumt der 69-Jährige ein. Aber das wäre dann auch schon alles.

„Comics sind meine Ausdrucksart“

Denn wirklich gereizt habe es ihn nie, das Medium zu wechseln und beispielsweise Trickfilme oder Filme zu entwickeln. „Comics sind meine Ausdrucksart“, sagt Andreas Martens. Denn ihn interessiere neben der eigentlichen Geschichte insbesondere die Erzähltechnik.

Und da könne er sich in seinen Büchern sehr spezifisch verwirklichen. Doch nicht nur bei den Bildschnitten und den Arrangements seiner Comics beweist der Zeichner eine enorme Bandbreite. 

In „Argentina“ spielt ein junges Mädchen die Hauptrolle

Seine Figuren sind in verschiedensten Welten zu Hause. Längere Serien widmete Andreas Martens dem mystischen Weltreisenden Rork und dem wagemutigen Astrologen Capricorn. In seinem gerade auf Deutsch erschienenen Werk „Argentina“ spielt nun ein junges Mädchen die Hauptrolle, die mitten in der Prärie Argentiniens erwacht, ohne zu wissen wie sie dorthin gelangt ist.

In Genre-Schubladen stecken lassen sich die Geschichten von Andreas Martens, der seine Werke stets nur unter seinem Vornamen veröffentlicht, nicht so einfach. Und damit scheint sich der überzeugte Europäer auch ganz wohlzufühlen.
Weitere Infos zu Künstler und Veröffentlichungen im Internet: www.schreiberundleser.de. (mz)