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Burgenlandkreis Burgenlandkreis: Soldaten auf Geschichtskurs

Von klaus-dieter kunick 16.10.2012, 18:07

Reichardtswerben/MZ. - Kurt Pippel hat es eilig: Besuch steht vor der Tür, da muss schließlich Ordnung herrschen. Flugs "bewaffnet" er sich mit Besen und Schaufel und kehrt das Laub vor der Gedenkstätte Diorama in Reichardtswerben zusammen. Nur wenige Minuten später marschieren 30 Bundeswehrangehörige vom Weißenfelser Standort ein. "Dann heißt es vielleicht noch, ,ihr hattet wohl keinen für das Revierreinigen'", flunkert der Senior herum.

Doch nicht nur Kurt Pippel findet sich ein, um die Soldaten zu begrüßen, auch Jürgen Heuer, Matthias Krämer und Helmut Scheffner sind mit von der Partie. Denn die Gruppe muss sich stabsmäßig aufteilen und von daher braucht man jede Menge "Erklärer". Zwar weist Matthias Krämer auf die neue Schlachtordnung hin, die der Preußenkönig Friedrich II. praktiziert, doch davon sind die Soldaten nicht überrascht, wie Felix Oettel bestätigt. Der Kompaniechef erläutert, dass die anwesenden Unteroffiziere und Offiziere sich mit der Geschichte dieser Schlacht im Vorfeld befassten - im Rahmen einer halbjährlichen Weiterbildung. Und man will sich nicht nur mit der Schlacht bei Roßbach auseinandersetzen, sondern auch die Schlacht bei Lützen und die von Jena-Auerstedt näher kennenlernen. "Es ist interessant zu wissen, wie die neue Schlachtordnung von Friedrich, die er im Gefecht gegen die Franzosen zum ersten Mal anwendete, funktionierte", sagt Felix Oettel. Der Leutnant spricht vom Ausnutzen des Geländes, von der militärischen Disziplin, der guten Ausbildung der Soldaten und davon, dass Friedrich auch die Versorgung absicherte und wie sich die einzelnen Regimenter im Gefecht zu verhalten haben. Oettel: "Immerhin hatte der siegreiche Friedrich nur 20 000 Soldaten zur Verfügung und der Gegner die doppelte Anzahl."

Kurt Pippel hört dem Leutnant aufmerksam zu, beeilt sich aber hinzufügen, dass die Schlacht mit Roßbach nichts zu tun hat. Das älteste Mitglied der Interessengemeinschaft Diorama will die Geschichte nicht umschreiben, aber die Schlacht habe selbstverständlich nicht in Roßbach, sondern auf den Feldern nahe Reichardtswerben stattgefunden.

Diesen historischen Fakt und viele andere vermittelt er bei der einstündigen Führung den Bundeswehrsoldaten. So informiert der 87-Jährige über das Burgwerbener Rittergut, wo Friedrich II. nach dem Sieg gegen die Franzosen in der Nacht zum 6. November 1757 übernachtete. Kurt Pippel spricht von 1 500 Toten, die es bei der Schlacht gab, die Bevölkerung hätte jedoch keine Verluste zu beklagen. "Das war mit 70 Minuten die kürzeste Schlacht in der Militärgeschichte", erklärt er. Und selbstverständlich stellt er die 1935 geschaffene Schlachtszene mit den 4 500 Zinnfiguren vor. Pippel macht zudem auf den Anteil der Kavallerie unter dem Kommando des jungen Generalleutnants von Seydlitz aufmerksam, der sich bei dieser Gelegenheit dauernden Ruhm erwarb. Mit Ruhm wollen die Soldaten indes nur so viel zu tun haben, dass sie diesen nach außen in die Öffentlichkeit tragen wollen.

Und das aus gutem Grund. "Das ist alles höchst interessant gewesen", sagt Felix Oettel. Oberleutnant Melanie Schmalz, sie wohnt in Großkayna, sieht das ebenfalls so, sie sei überrascht von der Vielfalt der Ausstellung. "Ich wohne nur wenige Kilometer entfernt und habe die Schau noch nie gesehen", sagt sie. Oberstleutnant Gerd-Uwe Filip, stellvertretender Regimentskommandeur, zollt Kurt Pippel "höchsten Respekt", sich mit 87 Jahren noch so toll zu engagieren. Er dankt auch den anderen Ehrenamtlichen für ihren Einsatz.