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Auszeichnung für Weigl Automobile Auszeichnung für Weigl Automobile: Lehre mit Wohlfühlcharakter

Von Petra Wozny 28.12.2015, 09:26
Meister Mike Kampe führt die Auszubildenden Jörg Rottmann und Tobias Rudolph (v.l.) an die Automobile heran.
Meister Mike Kampe führt die Auszubildenden Jörg Rottmann und Tobias Rudolph (v.l.) an die Automobile heran. Peter Lisker Lizenz

Weissenfels - „Ich habe den Eindruck, der will ganz einfach, dass es für uns gut läuft.“ „Der“ ist Alexander Weigl, der für 60 Mitarbeiter an vier Standorten im Saale- und Burgenlandkreis der Chef ist. Und der, der dieses Urteil gefällt hat, ist einer der jüngsten in der Truppe. „Ich habe Abitur gemacht und eine einzige Bewerbung geschrieben“, schildert der 20-jährige Jörg Rottmann, der nun in der Weigl Automobile GmbH Kfz-Mechatroniker werden will. Von Anfang an habe sich der Weißenfelser in der Belegschaft aufgehoben gefühlt. „Du stehst nicht rum, sondern musst mit anpacken. Das macht Spaß. Ich bin gern hier“, meint der Auszubildende, der nach der Lehre gern am Standort bleiben würde.

Lehrausbildung ist Herzenssache

Für Alexander Weigl, eben jener, der will, dass es gut läuft, ist Lehrausbildung Herzenssache. Und dies mittlerweile seit einem Vierteljahrhundert. Sachsen-Anhalts Handwerkskammer ehrte das Unternehmen im Kammerbezirk Halle als „Vorbildlichen Ausbildungsbetrieb“.

Im väterlichen Betrieb hat er einst ebenso wie sein Bruder Christian, der ebenfalls Geschäftsführer im Unternehmen ist, sich für einen Beruf in Automobilbranche entschieden. „Nein, das wurde nicht von den Eltern verordnet. Natürlich war die Vorbildwirkung da. Die halte ich auch im Unternehmen bei unseren Jugendlichen für wichtig. Junge Leute brauchen einen Anker. Aber“, so setzt Weigl nach: „Auch Leidenschaft muss bei den Lehrlingen vorhanden sein. Ohne diesen Funken, für eine Lehre zu brennen, wird es meiner Meinung nach nichts.“ Dass der 41-jährige Unternehmer mit dieser Strategie gut fährt, hat sich für das Unternehmen bestens ausgezahlt. Die Mehrzahl seiner Mitarbeiter wurden im eigenen Haus ausgebildet und sind heute gestandene, fachlich versierte Kollegen.

Alexander Weigl lässt einmal hinter die Kulissen blicken, wie in seinem Unternehmen Ausbildung praktiziert wird. „Früher bekamen wir rund 80 Bewerbungen. Jetzt sind es etwa 40. Natürlich zieht die Automarke BMW, aber darauf können wir uns nicht ausruhen“, schildert er. Ein eigens für künftige Lehrlinge ausgearbeiteter Eignungstest macht das deutlich. Von den rund 40 Bewerbern komme etwa die Hälfte in die Testrunde, ist von der Assistentin der Geschäftsführung, Iris Riesner, zu hören. Schüler mit Fehlstunden oder wirklich schlechten Noten würden im Vorfeld schon herausfallen. Im Test würden Mathematik ebenso abgefragt, wie physikalische Zusammenhänge erklärt oder auch Autoteile zugeordnet werden müssen. „Da sehe ich schon, wer ein Händchen hat“, sagt der Chef aus Erfahrung. Schließlich bleiben zwei bis vier künftige Azubis. „Natürlich sind die auch nicht extra für uns gebacken“, meint Weigl und lacht. „Sie müssen wollen und wir haben die Geduld, aus ihnen etwas zu machen.“ Das Beste, fügt er noch hinzu, denn nur das Beste sei gut genug für die Autos, die das Unternehmen verkaufe und warte.

Engagement auch für ausländische Jugendliche

Alexander Weigl engagiert sich für Jugendliche aus der Region ebenso wie für ausländische. Jüngst hat er zwei Portugiesen eingestellt. Über die Handwerkskammer und die halleschen Europaschulen habe er Kontakt zu ihnen bekommen. Die jungen Männer, die in ihrem Land keine Aussicht auf Arbeit hatten, suchten einen Neuanfang in Deutschland. „Wir haben es über ein Praktikum versucht. Brito da Costa und Thiago Nascimenta wurden danach übernommen und arbeiten jetzt im Merseburger Autohaus der Firma. Für das Fahrzeugunternehmen sind es nicht die ersten Ausländer, zeigt die Geschichte. Und es werden mit Sicherheit nicht die letzten bleiben. „Wir müssen uns den wirtschaftlichen und politischen Veränderungen stellen. Da wird es unwichtig, wo einer herkommt. Wichtig ist, wie wir miteinander kommunizieren“, urteilt Weigl. Der Weißenfelser Tobias Rudolph kann das nachempfinden. Der 22-Jährige, der 2016 seine Ausbildung beenden wird, nennt es ganz einfach eine Lehre mit Wohlfühlcharakter. (mz)