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Asklepios-Klinik Weißenfels Asklepios-Klinik Weißenfels: Alarm in der Notaufnahme

Von Heike Riedel 19.10.2016, 07:55
Das Rettungsteam des DRK bringt schon die nächste Patientin.
Das Rettungsteam des DRK bringt schon die nächste Patientin. Peter Lisker

Weißenfels - Ein schweres Busunglück auf der Autobahn, das Weißenfelser Krankenhaus muss 20 Verletzte erwarten, darunter auch Schwerstverletzte. 13.30 Uhr ging die Nachricht am Dienstag beim diensthabenden Chirurgen in der Asklepios-Klinik ein. Andreas Hellweger, Chefarzt der Unfallchirurgie, und die Leitung der Klinik überrascht die Meldung in diesem Fall nicht. Denn von ihnen geht der Alarm aus, nicht von der Kreisleitstelle. Sie erwarten von der Übung Aufschlüsse, wie es im Ernstfall in ihrem Haus funktioniert.

Aus allen Bereichen strömen Ärzte, Schwestern, Pfleger und Helfer zur Personalsammelstelle im Erdgeschoss. Nur wer gerade im OP steht oder mit Patienten beschäftigt ist, setzt seine Arbeit fort. 60 bis 70 Männer und Frauen warten darauf, ihre Aufgabe bei dem Massenanfall von Patienten zugewiesen zu bekommen. Die ersten eilen 14 Uhr in die Notaufnahme.

„Ich brauche Hilfe“

Und ab da geht es Schlag auf Schlag. Es kommen Patienten angehinkt, im Rollstuhl oder auf der Trage angerollt. Die einen kaum ansprechbar, sogar bereits intubiert und beatmet. Andere mit sichtbaren Platzwunden - geschminkt - und erstversorgten Brüchen. Sie müssen aufgenommen und den Behandlungen zugewiesen werden. „Ich brauche Hilfe, warum passiert hier denn nichts, so viele Leute und keiner ist für mich da“, schreit ein Patient das Personal an, das sich bereits intensiv bemüht, ihn wegen seines gebrochenen Fußes in den Rollstuhl zu setzen und in den sogenannten gelben Bereich zu fahren. Das ist der, wo ein Arzt und eine Schwester ausreichen, um den Patienten zu versorgen.

Im Schockraum, dem roten Bereich, sind drei Ärzte und vier Schwestern dabei, eine Patientin mit offenem Thorax zu untersuchen und ihr zu helfen. Bald steht fest: Verdacht auf Milzruptur, freie Flüssigkeit. Eine OP muss vorbereitet werden. Doch die OP-Säle sind bereits gefüllt. Dort wird zum Beispiel eine junge Frau mit einer Oberschenkelfraktur und starken Schmerzen im Bauch- und Beckenbereich operiert, nachdem eine Sonographie-Untersuchung sie zum dringenden Fall gemacht hat. Die Blutwerte werden bestimmt, eine Infusion angelegt, vier Blutkonserven angefordert.

Frau im Schockraum

Bei der jungen Frau im Schockraum wird es aber ernst, der Blutdruck ist instabil, es kann nicht gewartet werden. Oberarzt Daniel Marmelstein von der Unfalltraumatologie und Oberärztin Claudia Wedler entscheiden sich dafür, gleich im Schockraum zu operieren. „Krieg ich Hilfe“, ruft Marmelstein über den Flur. Und eine Schwester ist für den Moment verunsichert; wohin soll sie sich wenden?

Da fällt ihr ein, dass sie doch eigentlich bereits in einem OP-Saal steht. Nur weil es eine Übung ist und die Patienten geschminkte Schülerinnen und Schüler der Pflegeschule des Hauses sind, folgt der Diagnose ja nicht die OP. Zu gern hätte die Schwester aber auch im Schockraum geholfen. Nur teilen kann sie sich selbst im Übungsfall nicht, wird ihr bewusst und sie nimmt ihren Eifer zurück.

Massenkarambolage im Jahr 2005

Tatsächlich hätte man angesichts der Schreie und schauspielerischen Fähigkeiten mancher der jungen Übungspatienten vergessen können, dass sich das Szenario Andreas Hellweger, Chefarzt der Unfallchirurgie, nur ausgedacht hat. Die Übung ist angelehnt an die Erfahrungen mit großen Unfällen, wie sie in der Vergangenheit die Asklepios-Klinik schon herausgefordert haben. Das war zum Beispiel 2010 kurz vor Weihnachten, als bei dichtem Nebel auf der Autobahn 51 Fahrzeuge ineinander gefahren waren. Oder das Busunglück und die Massenkarambolage im Jahr 2005.

„Die Übung find’ ich super“, sagt Oberärztin Claudia Wedler von der ITS. Nicht nur, weil im Schockraum, wo sie mitarbeitet, alles klappt. Es gehe Hand in Hand, das sollte trotzdem immer wieder mal auf die Probe gestellt werden. Draußen, bei den Unfällen vor Ort, habe sie als leitende Notärztin so etwas schon mitgemacht, im Krankenhaus selbst noch nicht. In der Klinik läuft trotz Übung der gewohnte Betrieb weiter. Deswegen muss auch eine echte Notfallpatientin zu Untersuchungen dazwischen geschoben werden. Sie zeigt Verständnis. Nach 37 Minuten wird die Übung in der Notfallambulanz beendet und die Mitwirkenden können sich auf den Imbiss, den es zur Auswertung dazu gibt, freuen. Da geht aber schon ein echter Alarm von einem Unfall ein. (mz)