AGCO in Hohenmölsen AGCO in Hohenmölsen: Integration an der Werkbank

Hohenmölsen - Auf dem Gelände des amerikanischen Landmaschinenherstellers AGCO in Hohenmölsen haben Flüchtlinge in einer eigens für sie eingerichteten Werkstatt mit einem Praktikum begonnen. Rund 160.000 Euro hat das Unternehmen in den Umbau der Halle und neue Maschinen aufgewendet. „Mit der Vermietung eines Gebäudes an den Burgenlandkreis für über 60 Asylsuchende war mir klar, dass diese Menschen auch etwas zu tun bekommen müssen. Arbeit ist allemal würdevoller, als Menschen dauerhaft zu Almosenempfängern zu degradieren. Warum also nicht Integration am Schraubstock?“, schildert Geschäftsführer Sven Gempper, für den klar ist, dass eine gelungene Integration ohne eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt nicht geht.
Dies zum einen. Zum anderen setze das Unternehmen auf Wachstum - im kommenden Jahr sollen bis zu 40 neue Arbeitnehmer das Team bereichern. „Da können wir uns schon vorstellen, dass darunter auch Flüchtlinge sind“, sagt der Geschäftsführer.
Bewertung nach Punkte-System
Das dreimonatige Praktikum der Männer aus Syrien, Eritrea und Guinea-Bissau, die aus verschiedenen Unterkünften kommen, beginnt täglich 7.45 Uhr. In der Werkstatt erlernen die acht Männer Grundwissen in der Metallbearbeitung. „Bewertet werden auch Ordnung, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Sauberkeit“, erklärt der Lehrausbilder Holger Baldauf. Unterhalten wird sich deutsch, um damit gleich die Sprachkenntnisse zu erweitern.
Das Bewertungssystem ist einfach: Für ein Lob oder gut geleistete Arbeit gibt es einen roten Punkt - aufgemalt an einer in der Werkstatt hängenden Tafel, wo auch die täglichen Arbeitsanforderungen stehen. Geht etwas schief, gibt es grüne Punkte. Drei grüne Punkte können durch einen roten Punkt gestrichen werden. Das spornt an, weiß der Meister. Nicht alles geht gut, weiß er auch. In der letzten Woche kam einer der Praktikanten nicht mehr. „Er ist raus, ein anderer wird nachrücken“, sagt Gempper.
Förderung durch das BAMS und den Europäischen Sozialfonds
„Die Lehrwerkstatt kooperiert eng mit dem Projekt Berufliches Integrationszentrum für Ausbildung und Arbeit für Asylbewerber und Flüchtlinge im Burgenlandkreis. Es wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert“, erläutert Integrationskoordinatorin Antje Bobach vom Wirtschaftsamt des Burgenlandkreises. Ausgerichtet bis Juni 2019 kümmern sich im Kreis mit der Bildungs-, Vermittlungs-, Unternehmensberatungs GmbH Weißenfels (BVU), dem Bildungs- und Beratungsinstitut Zeitz und dem Naumburger Bildungszentrum des Internationalen Bundes drei Bildungsträger um jeweils 20 Flüchtlinge.
Ausgewählt wurden sie vorrangig nach einer hohen Bleibeperspektive und bereits vorhandenen Deutschkenntnissen. „Jeder von ihnen ist zwischen drei bis sechs Monate im Projekt“, ist vom Coach bei der BVU, Jörg Freiwald, zu hören. Eine intensive Sprachausbildung sei dabei vordringlich, Berufspraktika wie in Hohenmölsen würden integriert. Wichtig ist, so betonen alle Beteiligten dass die Praktikanten zum Abschluss ein Zertifikat erhalten würden. „Danach ist es unser Ziel, die Menschen in Arbeit oder Lehre zu bringen“, betont der Coach. Es gebe bereits einige Unternehmen die Interesse angemeldet hätten.
Einer der Praktikanten ist der 25-jährige Syrer Yousef Biski. Er kommt aus vom Krieg zerstörten Hama, wo er Buchhalter gelernt hatte. „Ich will gern hier arbeiten“, sagt er in verständlichem Deutsch. (mz)
