Zwei Ich-AG unter einem Garagendach
Lengefeld/MZ. - Wer die Hornbostels in der ehemaligen Garage in der Feldstraße 159 aufsucht, glaubt, sich in einer Gewürzfabrik verirrt zu haben. Aber mitnichten. Dort sind zwei Ich-AG untergebracht, die eine Familie ernähren. So teilen sich zwei Selbständige zwar das Ehebett, aber jeder ist sein eigener Chef. Rayk Hornbostel handelt mit Fleisch- und Hausschlachtebedarf und seine Annett mit Gewürzen, Kräutern und Tees. "Wir haben eine getrennte Buchführung", erklärt er. Das ist wichtig, um bei seiner Frau Gewürze und Kräuter einkaufen zu können.
Vor einem Jahr sah vieles noch anders aus. Da waren beide arbeitslos und Hartz IV drohte. Was tun? So kam es zu der Gründung der Ich-AG. Dem 37-Jährige kam zugute, dass er bereits Erfahrungen im Handel mit Schlachtebedarf bei einer früheren Tätigkeit sammeln konnte. Er profitierte jedoch auch von der Umschulung zum Fachinformatiker. "Diese befähigte mich, einen eigenen Online-Shop einzurichten und erfolgreich zu führen. Heute mache ich rund 50 Prozent meines Umsatzes mit dem Versandhandel", nennt der Lengefelder eine Zahl. So verschickt er auch Lieferungen ins Ausland. Nach Kanada, Thailand und Portugal zum Beispiel.
Während er die Online-Kunden bedient, ist seine Frau in den Sommermonaten mit ihrem Stand auf Wochenmärkten und Volksfesten auf Achse. In den Wintermonaten wird die 33-Jährige aber verstärkt im Laden gebraucht, wenn die Laufkundschaft wegen der saisonbedingten Hausschlachtungen erfahrungsgemäß zunimmt.
Schlaflose Nächte hatten die Hornbostels deshalb, weil es in der Gründerzeit noch viele Unbekannte gab: Was wird gebraucht? Woher kann die Ware bezogen werden? Preise? Behördliche Genehmigungen? "Von jedem ein bisschen", war ihre Devise zu Beginn des Weges in die neue Existenz. Da waren die Gewürzregale noch nicht so gefüllt wie heute. "Wir haben mit 'Gramm' angefangen und sind jetzt bei 'Kilo' angekommen", beschreibt Annett Hornbostel rückblickend die Entwicklung des Geschäftes in den ersten zwölf Monaten. Inzwischen kommen auch regionale Fleischereien, die gleich größere Mengen abnehmen. Auch beim Schlachtebedarf wurde Marktforschung betrieben, um in Erfahrung zu bringen: Wie hoch ist der Bedarf?
"Alles bezahlt", zeigt Rayk Hornbostel auf die Ware, die jetzt in dem Geschäft zum Verkauf angeboten wird. Darauf sind beide auch ein bisschen stolz. Denn Geld ist nach wie vor "Mangelware", da muss genau überlegt werden: Was wird gebraucht. Eine Gewürzmühle zum Beispiel. "Da riecht der Kunde sofort die Frische", meinen sie.
"Ohne ein ordentliches Konzept wären wir sicher baden gegangen", resümiert der 37-Jährige: "Jetzt wird es fast ein wenig zu eng." Die Hornbostels spielen deshalb schon mit dem Gedanken, zu erweitern.