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Weiberfasching Weiberfasching: Närrische Weiber lassen die Sau raus

09.02.2001, 19:11

Sangerhausen/MZ. - Mittwoch für Mittwoch treffen sich die 14 Frauen zur "Weiberfaschings-Probe". Zwei, drei Stunden dauert es jeweils, bis die Tänze geprobt, Büttenreden mit Betonung verlesen, Licht und Ton aufeinander abgestimmt sind. Dafür allerdings hat der "Weiberfasching" in Sangerhausen einen Klang, der Männer aufschreckt und in Frauenaugen ein erwartungsfrohes Glitzern zaubert. Zweimal im Jahr bleiben Frauen bei dieser Fete unter sich - und genießen den Abend in vollen Zügen, Insiderinnen nennen es offen "die Sau rauslassen".

Damit die Weiberfastnacht auch im achten Jahr erfolgreich über die Bühnenbretter gehen kann, proben die "wilden Weiber" seit September ihr Programm. Zweieinhalb Stunden lang will ein Publikum erst einmal bei Laune gehalten werden, dafür braucht man allerhand Einfälle.

"Ich bin die, die hier den Hut aufhat", stellt sich Bianca Kriehmig vor. Als Chefin der Truppe legt sie nicht nur die Musikkassetten für die gerade zu probenden Teile ein. , sagt die 46-jährige Erzieherin. Zur Überbrückung der karnevalistischen Abstinenzphase von März bis August kümmert sie sich deshalb um die Termine beim Bowlen, zu denen sich die "Weiber" treffen.

Die Choreografien, das Aussuchen der Musik, das Aufschreiben der Sketche, "all das machen wir selber", erklärt Frau Kriehmig. Erst wird eine eingängige Melodie gesucht, dann geprobt, was tänzerisch drin ist. Bei den Kostümen ist Schneiderin Sabine Schwab die erste Anlaufadresse. Sie näht für alle Mitglieder des Sangerhäuser Karnevalclubs. Auch die Frauen des Weiberfaschings sind SKC-Mitglieder - der Verein wiederum hat in dieser Saison das Motto "Sexpo 2000" gewählt. Sexy hat sich auch Margarete Ditz herausgeputzt, die jahrelang für den Ex-Landtagsabgeordneten Gerhard Kern arbeitete. "Wenn bei der CDU schon nichts mehr los ist, machen wir eben was los", sagt sie augenzwinkernd beim Vorbeischreiten - und der glitzernde Strass auf der breiten lila Schärpe leuchtet.

Professionelle Bühnenerfahrung hat keine der Frauen zwischen Mitte 20 und Anfang 50. "Sie sind alle fleißig, lustig und gut", lobt ihre "Chefin". Erzieherin, Verkäuferin, Sprechstundenhilfe, Sekretärin und Werbekauffrau - es sind viele Berufsgruppen vertreten, um den kühlen Charme der Halle etwas aufzuheizen. Dabei murrt niemand über den Raum, die Sorgen drehen sich eher darum, wo für die nächste Saison geprobt werden kann, wenn die Halle im März als Veranstaltungsort schließt. Die Karnevalisten sind die letzten, die sie nutzen.

Lange ist nicht Zeit zum Sitzen, schnell noch den Rock über die Hose gezogen und schon geht es wieder ans Proben. Fünf Tänze für die verschiedenen Länder, da muss schon einige Male gehüpft, gedreht, in der Reihe gegangen und immer noch mal wiederholt werden, bis auch die letzte Bewegung sitzt. Gestänkert wird nicht, die Kritik der andern nehmen die Tänzerinnen ruhig und widerspruchslos auf - um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Wie viel Zeit jede in die Vereinsarbeit steckt, ist schwer zu beziffern. Wer rechnet schon die Stunden beim Schreiben und Kopieren der Texte zusammen? Oder das Aufpusten der Luftballons vor den Veranstaltungen? Für die Büttenreden zum Beispiel sammeln Christel Draheim, Irena Schunke und Margarete Ditz das ganze Jahr über Sprüche und Witze.