Renaissance-Erker soll Ende August komplett montiert sein
SANGERHAUSEN/MZ. - Mit einem Kran bringen Heiko Spremberg und Guido Bartelt, Mitarbeiter einer Spezialfirma aus Bamberg, derzeit die bereits vorgefertigten Erkerteile aus rotem Sandstein nach oben und montieren sie. Stück für Stück entsteht der einstmals prächtigste Gebäudeteil des früheren Schlosses wieder neu. Samstag waren die Bauleute bereits im zweiten Obergeschoss angelangt.
Änderungen sind durch die Erkermontage auch an den Räumen im Inneren des Amtsgerichtes nötig. Denn der Anbau wird laut Stadtverwaltung nach seiner Fertigstellung wie sein historisches Vorbild, das 1974 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, vom Gerichtsgebäude aus begehbar sein. Was mit dem neuen zusätzlichen Räumen geschieht, dazu gibt es nach den Worten von Amtsgerichtsdirektorin Ute Horlbog aber noch keine konkreten Pläne. "Wir müssen erstmal sehen, wie es am Ende genau aussehen wird", sagte sie. Viel zusätzlicher Platz werde im Bereich des großen Verhandlungssaales und des darunter liegenden Grundbuchamtes ohnehin nicht geschaffen. Der Erker sei ja nicht besonders groß.
Auswirkungen hat die Erkermontage auch auf die Arbeit der Justizbediensteten: Aufgrund des Baulärms finden derzeit keine Verhandlungen mehr im großen Saal statt. Sie wurden vielmehr in einen kleineren im Erdgeschoss verlegt. Auch die Mitarbeiter im Grundbuchamt hätten mit Beeinträchtigungen durch den Umbau zu leben, sagte Horlbog: "Wir stehen das aber durch. Hauptsache für uns ist, dass der Erker wieder dran ist."
Für den Wiederaufbau hatten die Gerichtsmitarbeiter und die Mitglieder des Geschichtsvereins in den vergangenen drei Jahren 30 000 Euro gesammelt. Die Stadt konnte so Fördermittel für das insgesamt 165 000 Euro teure Projekt beantragen. Oberbürgermeister Dieter Kupfernagel (Die Linke) sprach bei der Übergabe der Spenden im vergangenen Jahr von einer tollen Sache. "Ich hätte nicht gedacht, dass das Geld so schnell aufgebracht werden kann. Der Wiederaufbau des Erkers werde die Innenstadt weiter aufwerten.
Da bei der Spendenaktion mehr Geld zusammenkam, als benötigt wird, soll der Überschuss von 1 300 Euro der Kobermännchen-Figur zugute kommen. Zu DDR-Zeiten mit brauner Fußbodenfarbe gestrichen, bietet die Sagengestalt, die in einem Treppenaufgang des Gerichts steht, derzeit keinen schönen Anblick.
Die Mitarbeiter des Amtsgerichts hoffen nun, dass nach Fertigstellung des Erkers auch die Fassade des Gerichts saniert wird. Laut der Amtsgerichtsdirektorin gibt es seit Jahren Pläne dafür. Die Umsetzung hänge aber davon ab, ob der zuständige Landesbaubetrieb ausreichend Geld zur Verfügung habe.