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Rätselfoto aus Sangerhausen Rätselfoto aus Sangerhausen: Geschichten vom Bahndamm

Von Beate Lindner 22.01.2016, 13:46
Das Motiv der letzten Woche
Das Motiv der letzten Woche Ralf Kandel Lizenz

Sangerhausen - Vor so viel Rätselfreude kann man symbolisch nur den Hut ziehen. MZ-Mitarbeiter Ralf Kandel, der das Rätselfoto der letzten Woche „verzapft“ hat, war skeptisch, ob viele Leser das Motiv werden zuordnen können. Und wie sie es konnten, der Rätselpostkasten war voll wie selten. Unter anderem auch gefüllt mit einer E-Mail von Klaus Suckau aus Barsinghausen. Er schreibt: „Es handelt sich hier um eine Brücke, mit der einerseits die Bahnlinie Sangerhausen-Erfurt überquert wird, andererseits fließt hier das Flüsschen Gonna durch, das parallel von einem Weg begrenzt wird. Wenn man diesen Weg unter der Brücke hindurch weitergeht, gelangt man vorbei an Kleingärten u.a. zum Segen-Gottes-Stolln, wo das Grundwasser vom ehemaligen Thomas-Münzer-Schacht zutage tritt. Zu diesem Viadukt kommt man, wenn man die Straße ,Eisenhüttentrift‘ weiter geht bis an eine Wegkreuzung, die zum Friedhof Sangerhausen führt.“

B. Mendt: „Auf diesem Weg sind wir früher als Kinder und Jugendliche immer zum Segen-Gottes-Stolln gelangt. “

Nicole Rosalewski: „Dort sind wir schon als Kinder des Mifa-Kindergartens spazieren gegangen. Auch heute gehe ich gern noch mit meinem Mann und meinen Kindern dort entlang auf den Weg zu unserem Garten.“

Käte Moritz: „Wenn man durch den Tunnel kommt, befinden sich dort Schrebergärten. Hier habe ich mir Hollunderbeeren geholt. Davon wurde Saft gemacht und Gelee.“

Achim Duttke: „Auf dem Weg trieben (triften) früher die Bauern ihre Kühe in das Ried zur Weide und da der Weg damals an einer Eisenhütte vorbeiführte, erhielt er diesen Namen. Hinter der Wegbrücke ist die Bahnbrücke. Beide führen über die Gonna. Auch unter der Bahnbrücke kann man auf einen Weg neben der Gonna hindurchgehen. Vor vielen Jahren war es z.B. möglich, dort auch an der Gonna entlang bis zum Segen-Gottes-Stollen zu gehen. Doch der Weg ist leider nicht mehr begehbar. Aber durch den tunnelförmigen Durchgang unter der Bahnbrücke kann man noch entlang dahinter befindlicher Gartenanlagen z.B. in Richtung der Bergwegs nach Pfeiffersheim gehen oder auch per Rad fahren. Der Bahndamm, wahrscheinlich auch mit dieser Brücke, wurde Mitte 1880 in Betrieb genommen.“

Jennifer Hildebrandt: „Das war früher mein Lieblingsplatz.“

Karin Tobihn: „Da der Weg an der Eisenhütte vorbeiführte, erhielt er seinen Namen. Später wurde diese Eisenhütte in eine Mühle umgebaut, die Kieselhäuser- oder Hüttenmühle. Erstmals erwähnt wurde sie 1375. Als Herzog August 1670 den Bergbau bei Sangerhausen wieder betreiben ließ, wurde die Kieselhäuser Mühle zu einem fürstlichen Eisenhammer eingerichtet. Der Name Klappermühle ist sicherlich allen Sangerhäusern noch bekannt, denn 1931 war Karl Klapper Müller der Hüttenmühle. Nachdem er aus dem 2. Weltkrieg nicht heimkehrte, übernahm seine Tochter 1947 den Mühlenbetrieb. Heute sind Reste von der Mühle vorhanden.“

Ingrid Olbrich: „Die Brücke wurde vor einigen Jahren wegen Hochwassergefahr erhöht, aber die darauf liegenden alten Bohlen sind die selben geblieben. Wenn man mit dem Fahrrad darüber fährt, wird man ganz schön zusammengestaucht.“

Wilfried Keitz: „In meiner Kindheit habe ich dort öfter mit meinen Schulfreunden gespielt.“

Und ein solches Motiv kommt vor allem den Geschichtsinteressierten wie gerufen. Manfred Franke zum Beispiel: „Bis in die 60er Jahre befand sich hier zwischen Bahndamm und Eckenerstraße die Obstplantage von Hugo Heimbuch. Der Bahndamm mit der auf dem Bild sichtbaren Gonnadurchführung entstand 1878/79 mit dem Neubau der Bahnlinie von Magdeburg nach Erfurt. Erwähnenswert ist noch, dass sich auf der anderen Seite der Gonna zwischen Bahndamm und Friedhof ein Barackenlager, das sogenannte ,Maidenlager‘, befand. Es entstand Anfang des zweiten Weltkrieges und wurde nach dem Krieg bis in die 50er Jahre als Unterkunft für Flüchtlingsfamilien genutzt.“

Zu den Kennern der Szene gehört auch Walter Strauch: „Beim Bau des Dammes mussten diese Tunneldurchläufe eingebaut werden, etwa im Jahr 1866. Dabei waren es auf einer Strecke von etwa einem Kilometer sechs Tunnel beziehungsweise Unterführungen in Richtung Erfurt. Der erste in der Askania für den Pfingstgraben, die Gonna, den Mühlgraben (Ende 1952) und die Bahnunterführung. Der sechste Tunnel war noch weiter südlich an der Kleingartenanlage ,Sonnenland‘. Diese Durchfahrt wurde für Fahrzeuge der Landwirtschaft eingebaut. Heute gibt es sie nicht mehr. Alle andere Durchläufe sind bautechnisch in einem super Zustand. Im Fall der Gonna sei noch erwähnt, dass sie noch am Segen-Gottes-Stolln vorbeifließt und dort noch etwa fünf Kubikmeter klares Wasser aufnimmt. Diese Menge ist abhängig von den Niederschlägen, da dieses Wasser von Übertage in den Schacht Wettelrode eindringt. Es fließt dann über den Stolln in die Gonna. Dieses Wasser besitzt noch eine geringe Salzlast. So gesehen fließt die Gonna schon über viele Jahrhunderte in diesem Bett, der Mühlgraben auch schon etwa 600 Jahre (bis 1952) in Richtung Hüttenmühle (ab etwa 1375). Der Pfingstgraben, der ein Abwasserkanal war, wird schon vor dem Jahr 1700 erwähnt.“

Irmhild Gothe hat sich unter anderem mit dem Flüsschen Gonna beschäftigt und geschrieben: „Die Gonna entspringt zwischen Grillenberg und Wippra, südlich der Pferdeköpfe und fließt südlich von Sangerhausen in die Helme und weiter in die Unstrut, Elbe und Nordsee. Die Länge der Gonna beträgt 17 Kilometer … Die älteste Namensform für den Bach und den Ort war ,Cunnaha‘, wie das Dorf im Zehntregister von 899 des hessischen Klosters Hersfeld, dem die hiesige Gegend zum größten Teil zehntpflichtig war, zum ersten Mal urkundlich aufgeführt wird.“ Und Horst Ramm hat seine Recherchen vor allem der Bahn gewidmet und herausgefunden: „Obwohl die Eisenbahngesellschaft schon 1866 mit dem Bau der Eisenbahnstrecke begann, kam der Bau der Sangerhausen-Erfurt-Eisenbahn nur langsam voran. Doch gingen seit April 1880 zwei Güter- und seit März 1881 vier Personenzüge täglich, aber nur zwischen Artern und Sangerhausen. Trotzdem wurde am 24. Oktober 1881 die ganze Bahnstrecke Sangerhausen-Erfurt fertig und für Personen und Güter geöffnet.“ In der Veröffentlichung „Die blaue Reihe“ hat Horst Ramm außerdem herausgefunden, dass 1879 ein Lokomotivschuppen gebaut wurde.

Die richtige Lösung hatten auch: Wolfgang Steffen, Carsten Wolf, Ursula Harnisch, Conrad Suess, Lutz Reinboth, Daniel Feitscher, Angela von Trebra, Sabine Schmidt, Heidelies Ecke, Roswitha Waletzki, Cicilia Pankow, Ottomar Hundt, Patrick Lange, Sandy Janietz, Anke Otto, aber auch Patrick Worch, der als ehemaliger Sangerhäuser in Hamburg lebt, Patrick Ostermann, Andy Mallack, Laura Ellmann, Astrid Rückebeil, Roland Purmann, Alfons Dailfior, Walter Pfeifer, Hans-Joachim Laßbeck, Steffen Hornickel, Birgit Hammerschmidt, Michael Krüger, Christel Wagner, D. Kuhn, Hans-Joachim Kuhnt, Horst Kundlatsch, Stefan Doll, Günter Burghardt, Hans Wagner, Katarzyna Plasun, Wolfgang Fricke, Christa Brötzmann, Thomas Ermisch, Anett Demirovski, Bernd Windisch, Ronald Unger und I. Stößel.

Aus all den Zuschriften wurde Nadine Oertel als Gewinnerin der 15 Euro ermittelt. Herzlichen Glückwunsch. Mit einem Foto, das schon ein paar Jahre älter ist, geht es in die neue Runde. Einsendeschluss ist der 27. Januar. (mz)

Wo entstand diese Aufnahme?
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