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Mansfeld-Südharz Mansfeld-Südharz: Schnabelzeit in Stolberg

Von Wolfgang Knape 01.11.2012, 17:43

Stolberg/MZ. - Ein Dichter sollte geehrt werden, der drei Jahrhunderte zuvor in Sandersdorf bei Bitterfeld geboren und 1724 als Balbier nach Stolberg gekommen war, und den hier kaum einer kannte.

Per Zufall entdeckt

Die Ehrung hatte Ina Lauterbach in Angriff genommen. Eine junge Stolbergerin, die während ihres Pädagogikstudiums in Erfurt eher zufällig auf Johann Gottfried Schnabel und sein Werk gestoßen war. Ihr Professor hatte sie in die Spur gesetzt, und Dietrich Grohnert war dann neben Gerd Schubert, Magister im Fach Philosophie und begeisterter "Schnabelianer", einer der Festredner an diesem Spätnachmittag auf dem Stolberger Schloss. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, und unter den Gästen befanden sich neben der aus Brüssel angereisten fürstlichen Familie auch weitere Kenner des Werkes und des Jubilars, von dem man damals freilich nur Lückenhaftes wusste.

Am Abend trafen sich dann einige der Teilnehmer im "Hotel Kanzler" am Markt. Einer hatte Erfahrung mit der Gründung von Vereinen. Andere steuerten Ideen und Wünsche bei. Man sah diesen 300. Geburtstag als Chance, sich diesem Vergessenen der deutschen Literatur zu widmen und wollte nicht so sang- und klanglos auseinander gehen. Am Ende des Abends erklärten sich dann dreizehn Personen bereit, eine Johann-Gottfried-Schnabel-Gesellschaft mit Sitz in der Stadt Stolberg zu gründen.

Dass diese Gesellschaft nach zwanzig Jahren noch immer existiert und heute über sechzig Mitglieder zählt, darunter einige in Frankreich, Japan und den USA, ist jedem einzelnen aktiven Mitglied, vor allem aber dem Vorsitzenden Gerd Schubert zu danken, der es immer wieder versteht, neue Referenten nach Stolberg zu locken, die nachdem sie das mittelalterliche Städtchen kennengelernt haben, selbiges im Kopf und im Herzen behalten und zumeist wiederkommen. Und dann in stattlicher Zahl.

Am Sonnabend, 3. November, lädt die Johann-Gottfried-Schnabel-Gesellschaft nun also bereits zu ihrer 20. Jahrestagung nach Stolberg ein. Diesmal untersucht Lukas Werner aus Wuppertal die Bedeutung der Zeit in Schnabels Hauptwerk. Nicolas Detering, Freiburg, hat einen Vortrag über "schöne junge Europäer" in der Insel Felsenburg" im Gepäck. Ralf Gnosa reist aus Mönchengladbach an und wird über das "Vergnügen, Anfänge zu studieren" sprechen. In seinem Vortrag, soviel hat er schon durchblicken lassen, wird es um Schnabels Roman "Der im Irrgarten der Liebe herumtaumelnde Cavalier" gehen, den der Schriftsteller Paul Ernst (1866-1933) im Jahre 1907 neu herausgegeben hatte.

Weitere Nachforschungen

Schnabels Sterbejahr- und ort sind nicht bekannt. Ein Dokument, das Gerd Schubert im vergangenen Jahr über das Archiv der Mitteldeutschen Zeitung in Harzgerode fand, grenzt die Zeit jetzt auf die Jahre zwischen 1744 und 1748 ein. Das lässt ihn nun am Sonnabend über "Konsequenzen aus dem neuen Fund" für Schnabels Nachlassverwalter nachdenken.

"Die Tür zu weiteren Nachforschungen ist geöffnet!", schreibt er im Vorwort zum neuen Band der Schriftenreihe "Schnabeliana". Das neue und nunmehr 10. Jahrbuch der Gesellschaft ist pünktlich zum Jubiläum im Röhrig Universitätsverlag St. Ingbert erschienen.

Die Jahrestagung, zu der Gäste willkommen sind, findet im Empiresaal des Schlosses Stolberg statt. Die Tagung beginnt um 3. November um 9.30 Uhr.