Bären erobern das neue Spielzeug
Rottleberode/MZ/sro. - Für die 89 Kinder der Integrativen Kindertagesstätte in Rottleberode war es ein besonderer Tag, als endlich das Geheimnis der vielen Kartons im Sportraum gelüftet wurde. Mit der offiziellen Vertragsunterzeichnung der Kooperationspartner Andrea Mozamec von der Unfallkasse Sachsen-Anhalt, Peter Fuchs, Spielpädagoge nach Hengstenberg / Pikler von der Basisgemeinde Berlin Prenzlauer Berg, und der Kita-Leiterin Gudrun Dittmar, startete das einjährige Referenzprojekt "Hengstenberg / Pikler-Bewegungspädagogik" in der Kita.
"Wir sind früher über einen Graben gesprungen oder auf Bäume geklettert", sagt Kita-Leiterin Gudrun Dittmar. "Das fehlt unseren heutigen Kindern. Die Folgen sind Haltungsschwächen, Koordinationsschwierigkeiten und Verhaltensstörungen."
Unter dem Motto "Wir wollen den Kindern ein Stück Kindheit wiedergeben" wurde im Erzieherteam das Thema der Bewegungspädagogik aufgegriffen, von dem die Leiterin in einer Weiterbildungsveranstaltung der Unfallkasse Sachsen-Anhalt gehört hatte. Die zwölf Erzieherinnen fuhren daraufhin nach Berlin, um sich selbst ein Bild über die Methoden der Bewegungspädagogin Elfriede Hengstenberg (1892-1992) und der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler (1902-1984) zu machen.
Nun wird das Projekt in der Kita umgesetzt. "Bei den 18 Krippenkindern arbeitet man nach der Methode von Emmi Pikler. Dabei sollen sich die Kinder in einem entsprechend vorbereiteten Raum frei bewegen können. Bei den Kindergarten- und Hortkindern stehen dann ,Spiel und Bewegung' nach Elfriede Hengstenberg im Mittelpunkt", erläutert Gudrun Dittmar. "Wir sind davon überzeugt, dass wir das Projekt auch nach 2007 weiterführen werden." Dabei sollen die Eltern nicht außen vorstehen, sie sollen es begleiten und ihre eigenen Erfahrungen mit einbringen.
Ein Elternabend zu diesem Thema fand bereits statt. Zu gegebener Zeit wird das Projekt beim Tag der offenen Tür vorgestellt. Zum Projektstart war Peter Fuchs gekommen, um die erste Spielstunde in der Einrichtung in Rottleberode zu geben. Acht Kinder der Bärengruppe von Sylvia Moeger durften die Holzspielgeräte auspacken und ausprobieren.
Zuvor erläuterte Peter Fuchs die Spielregeln: "Im Raum wird barfuß gelaufen, es gibt kein drängeln, schubsen oder meckern." Auch die Erzieher sind in dem Lernprozess eingebunden: Sie müssen sich zurückhalten, die "Spielregeln" überwachen und ihre Beobachtungen und Erfahrungen dokumentieren. Die Kinder sollen unbeeinflusst das Spielzeug auf ihre Gebrauchsmöglichkeiten entdecken und eigene Grenzen erkennen. Das funktioniert phantastisch, auch wenn ungewöhnlich viele Erwachsene dem Spiel zuschauen. Mit leuchtenden Augen verabschiedete sich der vierjährige Ron Benke von Peter Fuchs und sagte: "Das hat Spaß gemacht!"