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AZV kassiert künftig auch für Regenwasser

Von HELGA KOCH 13.10.2009, 15:56
Bald soll eine Gebühr für die Beseitigung von Niederschlagswasser kommen. (FOTO: DPA)
Bald soll eine Gebühr für die Beseitigung von Niederschlagswasser kommen. (FOTO: DPA) dpa-Zentralbild

SANGERHAUSEN/MZ. - Dafür sollen alle Eigentümer, von deren Grundstück Regenwasser in öffentliche Kanäle fließt, zur Kasse gebeten werden. Wie hoch sie ausfällt, ist laut AZV-Geschäftsführer Adelbert Stickel noch offen.

Hintergrund der neuen Gebühr sei, dass das Wassergesetz Sachsen-Anhalts eine getrennte Betrachtung von Schmutz- und Niederschlagswasser fordert. Die neue Gebühr soll im Verbandsgebiet erstmals im Jahr 2011 einheitlich erhoben werden, rückwirkend für 2010. Der Beschluss der Verbandsversammlung steht noch aus.

Bereits seit ein paar Wochen verschickt der Verband mehrseitige Fragebögen. "Wir schreiben alle Grundstückseigentümer an", so Stickel. Man müsse jetzt den Anteil der bebauten, also versiegelten Flächen ermitteln. Außerdem wird erfasst, wohin das Schmutzwasser entsorgt wird und ob Niederschlagswasser von bebauten Flächen direkt ins Kanalsystem fließt. Oder ob das Regenwasser auf dem Grundstück versickert, in einer Zisterne gesammelt, für Toilette oder Waschmaschine genutzt wird.

Die Entwässerung wird im Verbandsgebiet unterschiedlich gehandhabt. Einige Orte verfügen über ein Trennsystem, das Schmutz- und Regenwasser separat ableitet. Deshalb wird auch schon mancherorts, etwa im früheren AZV Goldene Aue, eine Gebühr fürs Einleiten des Regenwassers kassiert. Die sei aber zu niedrig kalkuliert gewesen, merkt Stickel an. Andere Orte verfügen über ein Mischsystem, wobei man einen pauschalen Anteil des Regenwassers zugrunde legte. Denn wenn sauberes Niederschlagswasser in eine Kläranlage geleitet und behandelt wird, verursacht das Kosten.

"Wir kommen um die neue Gebühr nicht drum herum", schätzt der Sangerhäuser Ralf Poschmann ein. Er begrüße eine einheitliche Gebühr fürs Verbandsgebiet. Grundstückseigentümer, die ihr Regenwasser nicht zentral entsorgen, müssten entlastet werden. Dieter Probst aus Bennungen erwartet, dass einige Gemeinden aus der Goldenen Aue die angestrebte Satzungsänderung "sicher nicht klaglos hinnehmen". Erbost reagiert auch Hagen Böttcher aus Sotterhausen: Man wolle wohl zusätzlich Geld für den Verband eintreiben. Das Regenwasser fließe ja nur durch den Abwasserkanal und spüle ihn sogar. "Wollen wir unsere Bürger noch mal belasten? Die Bürger haben uns gewählt, um sie vor bestimmten Dingen zu schützen."

Geschäftsführer Stickel stellt klar, dass die neue Gebühr nur anfällt, wenn Regenwasser ins zentrale Netz fließt. Nicht aber, wenn es auf dem Grundstück versickert. "Falls uns ein Grundstückseigentümer erklärt, dass kein Niederschlagswasser ins zentrale System eingeleitet wird, reicht das."

Diese neue Gebühr werde es überall im Land geben, so Stickel. Apropos: Der AZV Mittlere und untere Selke kassiert 99 Cent je Quadratmeter versiegelter Fläche im Jahr, in Wittenberg sind 1,56 Euro je Quadratmeter im Jahr fällig.