1. MZ.de
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Sangerhausen
  6. >
  7. Bisheriges Verbot gekippt: Automatenladen in Sangerhausen darf nun auch sonntags öffnen

EIL

Bisheriges Verbot gekippt Automatenladen in Sangerhausen darf nun auch sonntags öffnen

Dank eines vom Landtag geänderten Gesetzes steht der Automatenladen in der Sangerhäuser Göpenstraße Kunden nun rund um die Uhr zur Verfügung. Bisher hatte eine kaum zu verstehende bürokratische Regelung das verhindert.

Von Frank Schedwill 27.02.2025, 09:53
  Thomas Kunze, einer der beiden   Betreiber des Automatenladens in der Sangerhäuser Göpenstraße, beim Befüllen der stummen Verkäufer. Der Laden hat nun 24 Stunden, sieben Tage die Woche geöffnet.
Thomas Kunze, einer der beiden Betreiber des Automatenladens in der Sangerhäuser Göpenstraße, beim Befüllen der stummen Verkäufer. Der Laden hat nun 24 Stunden, sieben Tage die Woche geöffnet. Foto: Jürgen Lukaschek

Sangerhausen - Es war eine Regelung, die viele nur mit dem Kopf schütteln und an den mitunter irrsinnigen bürokratischen Vorschriften hierzulande verzweifeln ließ. Denn bisher musste Thomas Kunze (34), der mit seinem Geschäftspartner Patrick Tetzel einen Automatenladen in der Sangerhäuser Göpenstraße betreibt, sein Geschäft samstags um 20 Uhr abschließen und durfte es erst am Montag 0 Uhr wieder öffnen. Das Ladenöffnungsgesetz des Landes wollte es so.

Lesen Sie auch: Warum der neue Automatenladen in Sangerhausen an Sonn- und Feiertagen nicht geöffnet hat

 Von außen kaum zu sehen: Der Automatenladen „PrimeTime 24h“ ist hinter der kleinen Tür in der Mitte des Bildes zu finden. Früher befand sich dort ein Dönerladen.
Von außen kaum zu sehen: Der Automatenladen „PrimeTime 24h“ ist hinter der kleinen Tür in der Mitte des Bildes zu finden. Früher befand sich dort ein Dönerladen.
Foto: Jürgen lukaschek

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU) hatte zwar bereits im November vergangenen Jahres per Erlass die Öffnungszeiten für vollautomatisierte Lebensmittelgeschäfte im ländlichen Raum erweitert. Im Detail gab es dabei jedoch eine gewichtige Einschränkung: Denn diese galt bislang nur für genossenschaftliche Geschäftsmodelle mit einer Zugangsbeschränkung für einen begrenzten Nutzerkreis.

„Mehr Lebensqualität im ländlichen Raum“

Die für Laien kaum nachvollziehbare Regelung ist nach Angaben des CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Redlich nun aber endgültig vom Tisch. In der vergangenen Woche habe der Landtag in Magdeburg das Ladenöffnungszeitengesetz geändert, teilte Redlich mit. „Als Beitrag für mehr Lebensqualität werden damit in vollautomatisierten Verkaufsstellen erweiterte Öffnungszeiten möglich.“ Demnach dürften alle automatisierten Geschäfte in Sachsen-Anhalt auch an Sonn- und Feiertagen sowie samstags zwischen 20 und 24 Uhr öffnen sein, sofern kein Personal für den Betrieb eingesetzt werden muss. Nach Angaben von Massimo Rogacki, Pressereferent im Wirtschaftsministerium in Magdeburg, wird die Neuregelung etwa Mitte März in Kraft treten. Sie müsse nun nur noch verkündet werden.

FDP hatte scharfe Kritik geäußert

Redlich fügte hinzu. „Vollautomatisierte Läden bieten gerade für ländliche Regionen die Chance, erreichbare Nahversorgungsangebote auch abseits von Ladenöffnungszeiten zu ermöglichen.“ In Zeiten des Arbeitskräftemangels können diese zudem die Direktvermarktung in Hof- und Bauernläden fördern und damit das Leben auf dem Land attraktiver gestalten. Die bisherige Regelung war unter anderem auch von der FDP-Landtagsabgeordneten Kathrin Tarricone aus Mansfeld-Südharz kritisiert worden.

Insgesamt acht stumme Verkäufer

Thomas Kunze, der Betreiber des Automatengeschäfts, freute sich, dass sein Laden nun ohne Einschränkungen rund um die Uhr öffnen können. „Das Geschäft läuft gut“, sagte er. Er und sein Geschäftspartner hatten erst kürzlich zwei weitere Automaten in das nur 20 Quadratmeter große Geschäft gestellt. Statt sechs sind jetzt dort acht stumme Verkäufer zu finden. Unter anderem Snacks, Süßigkeiten, Getränke, Zigaretten, Schwangerschaftstest, aber auch Lebensmittel wie Käse, Wurst, Croissants kann man dort beispielsweise kaufen.

Bei den Preisen sei er günstiger als die Automaten, die es beispielsweise an Bahnhöfen oder an Tankstellen gibt. „Wir achten darauf, dass wir nicht viel teurer sind als normale Einkaufsmärkte.“ Um Diebstähle und Vandalismus zu vermeiden, wird der Laden permanent per Video überwacht.